Nach rassistischer Beleidigung von Fußball-Profi

"Extrem aufgewühlt": Wie die Stuttgarter Kickers den Fall verarbeiten

Nach einer rassistischen Beleidigung gegen einen seiner Spieler bezieht Kickers-Trainer Marco Wildersinn Stellung. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

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Von Autor/in Madeleine Wandelt

Auch Tage nach dem Spiel der Regionalliga Südwest zwischen Kickers Offenbach und den Stuttgarter Kickers (0:0) ist die rassistische Beleidigung eines Zuschauers gegen Kickers-Spieler Melkamu Frauendorf ein präsentes Gesprächsthema. Der 22 Jahre alte Frauendorf, der in Äthiopien geboren wurde und schon unter Trainer Jürgen Klopp beim FC Liverpool spielte, war nach Abpfiff der emotional geführten Begegnung beim Gang in Richtung Kabine von der Tribüne rassistisch beleidigt worden.

Trainer: Mannschaft war "betroffen und sprachlos"

Kickers-Trainer Marco Wildersinn erfuhr nach eigenen Angaben erst nach dem Spiel in der Kabine von dem Vorfall. Im SWR Sport-Interview erzählt er, sein Spieler sei am Wochenende "extrem aufgewühlt" gewesen. Er habe das Geschehen inzwischen aber einigermaßen verarbeiten können. Nach dem Spiel sei das Thema innerhalb der Mannschaft direkt in den Mittelpunkt gerückt, das Ergebnis des Spiels habe keine Rolle mehr gespielt. Stattdessen hätten sich das Team und die Betreuer um den betroffenen Spieler gekümmert.

"Das sind Dinge, die im Fußball und in unserer Gesellschaft nicht passieren dürfen", sagt Wildersinn. Das Thema sei in den Tagen danach innerhalb der Mannschaft weiterhin präsent gewesen. Wildersinn betont, dass emotionale Spiele zwar zum Fußball dazu gehörten, rassistische Beleidigungen jedoch eine klare Grenze überschritten. Er hoffe, dass der Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen wird, sein Fehlverhalten erkenne und bereue.

Polizei nimmt Ermittlungen auf

Nach Angaben der Polizei wurden mittlerweile Ermittlungen aufgenommen. Die Beamten prüfen derzeit den Vorfall und suchen nach Zeugen, die Hinweise auf die verantwortliche Person geben können. Auch mögliche Videoaufnahmen aus dem Stadion sollen ausgewertet werden.

Beide Vereine, Kickers Offenbach und die Stuttgarter Kickers, hatten bereits am Samstagabend eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht und den rassistischen Vorfall verurteilt.

Jetzt heißt es: "Blick nach vorne"

Für die Stuttgarter Kickers richtet sich der Fokus inzwischen wieder auf den sportlichen Alltag. Nach einer ersten Trainingseinheit am Montag wolle sich die Mannschaft wieder auf die kommenden Aufgaben konzentrieren, auch wenn der Vorfall weiterhin nachwirke.

Am Samstag empfangen die Stuttgarter Kickers zuhause den TSV Steinbach Haiger. Bis dahin, hofft Wildersinn, wolle sein Team sportlich wieder voll fokussiert sein. Bleibt abzuwarten, ob und wie die Mannschaft und vor allem der betroffene Spieler, Melkamu Frauendorf, den Vorfall verarbeitet haben werden.

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Madeleine Wandelt