Fußball | 2. Bundesliga

Noch viele offene Fragen: Der Stand der Kaderplanung beim FCK

Nach dem verpassten Aufstieg nimmt der 1. FC Kaiserslautern in der kommenden Saison einen neuen Anlauf. Die Struktur des Kaders wird sich dabei verändern - ein Überblick.

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Stand

Von Autor/in Michi Glang

Am Ende brachte auch der Trainerwechsel von Markus Anfang zu Torsten Lieberknecht nicht mehr den gewünschten Effekt für den 1. FC Kaiserslautern, doch noch den Relegationsplatz drei in der 2. Liga erreichen zu können.

Im Gegenteil: Bei der deutlichen 0:4-Niederlage zum Saisonfinale bei Meister und Aufsteiger 1. FC Köln wurde deutlich, dass den Pfälzern zu einer Spitzenmannschaft in der 2. Liga noch ein Stück fehlt. Und dennoch haben sich die Roten Teufel in der oberen Tabellenhälfte etabliert.

Die Leistungsdichte ist hoch, die Top-Teams lagen in der vergangenen Spielzeit so eng beieinander wie wahrscheinlich noch niemals zuvor. Das wird sich auch in der neuen Spielzeit kaum drastisch verändern, kommen doch mit den Absteigern Holstein Kiel und dem VfL Bochum keine Übermannschaften aus der Bundesliga hinzu. Darin liegt auch die Chance für den FCK: Nach ganz oben fehlen nur Nuancen. Die Möglichkeit, sich weiter den Aufstiegsplätzen anzunähern, scheint definitiv gegeben.

Wer kommt beim FCK?

Der Ache-Nachfolger ist gefunden. Ivan Prtajin kommt von Union Berlin an den Betzenberg. Der 29-Jährige hat beim Bundesligisten eine schwierige Saison hinter sich, kam lediglich auf fünf Einsätze für die Eisernen. Beim FCK soll er nun zu alter Form zurückfinden. Vor seinem Wechsel an die Alte Försterei hatte er für den SV Wehen Wiesbaden 33 Tore in 65 Pflichtspielen erzielt.

Mit Fabian Kunze (Hannover 96), Simon Asta (SpVgg Greuther Fürth) und Maxwell Gyamfi (VfL Osnabrück) steht ein Trio fest, das den Kader verstärken wird. Alle drei verbindet, dass sie ablösefrei auf den Betzenberg kommen und im besten Fußballeralter sind. Kunze ist 27, Gyamfi zwei Jahre jünger und Asta 24.

Kunze gilt kompromissloser Akteur für das defensive Mittelfeld, Gyamfi war in der letzten Saison einer der stärksten Innenverteidiger der 3. Liga und Asta ist auf der Rechtsverteidigerposition zu Hause. Die Investitionen in die Defensive sind eminent wichtig. Mit 55 Gegentoren kassierte der FCK in der letzten Saison sieben mehr als der Absteiger SSV Ulm. Um die Aufstiegsplätze angreifen zu können, muss die Verteidigung vor Keeper Julian Krahl stabiler werden.

Neben den drei Defensiven kehrt ein offensives Trio zurück nach Kaiserslautern. Während Richmond Tachie (Eintracht Braunschweig) und Dickson Abiama (1860 München) bei ihren Leihstationen zumindest auf Spielzeit kamen, war Mittelstürmer Jannik Mause bei der SpVgg Greuther Fürth zuletzt komplett außen vor. Es ist mehr als fraglich, ob Geschäftsführer Thomas Hengen und Sportdirektor Marcel Klos den Profis eine tragende Rolle im zukünftigen Kader zutrauen.

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Wer verlässt den FCK?

Da fällt natürlich zuallererst der Name Ragnar Ache. Der Torjäger war der Garant dafür, dass die Roten Teufel lange in der Spitzengruppe mithalten konnten. In der neuen Saison soll er seine Treffer für Bundesliga-Aufsteiger Köln erzielen. Auch Aaron Opoku, Almamy Touré und Philipp Klement werden den Klub verlassen, waren aber in der vergangenen Saison nur Nebendarsteller beim FCK.

Maximilian Bauer, Tim Breithaupt (beide FC Augsburg), Daisuke Yokota (KAA Gent) und Grant-Leon Ranos (Borussia Mönchengladbach) kehren nach ihren Leihen zu ihren Stammvereinen zurück. Dabei schmerzt vor allem der Verlust von Yokota. Der flinke Japaner war einer der stärksten Akteure der abgelaufenen Spielzeit und wird auf dem rechten Flügel vermisst werden. Es sei denn, der FCK bekäme doch noch die Chance auf eine feste Verpflichtung des Japaners. Hengen und Klos dürften in dieser Personalie zumindest alle Möglichkeiten ausloten.

Und nun ist auch die Zukunft von Jean Zimmer geklärt: Der 31-Jährige beendet seine Profikarriere, bleibt dem FCK aber erhalten, nämlich bei der U21. Zur kommenden Saison wechselt der langjährige FCK-Kapitän als Führungsspieler in die U21 des 1. FC Kaiserslautern und sammelt parallel dazu beim FCK erste Erfahrungen in sportlichen Themen abseits des Rasen.

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Wer könnte zum FCK kommen?

Bedarf besteht sowohl für die Defensive als auch für die Offensive. Das Problem des FCK: Dem Kader fehlt es weniger an Breite als punktuell an Qualität. Und Qualität kostet Geld. Geld, das beim FCK trotz der 4,5 Millionen Euro, die für Ache aus Köln fließen, nicht im Überfluss vorhanden ist. Zumal der Klub nicht nur in neue Profis, sondern auch in Infrastruktur und den Nachwuchs investieren will, wie Geschäftsführer Hengen im SWR-Interview sagte.

Das bedeutet, dass kreative Lösungen her müssen. Beispielsweise, alte Verbindungen aufzufrischen. Patric Pfeiffer könnte deshalb ein Kandidat sein. Der 1,96 Meter große Innenverteidiger spielte zwar zuletzt beim 1. FC Magdeburg keine Rolle, kennt aber Trainer Lieberknecht gut aus der gemeinsamen Zeit beim SV Darmstadt 98, wo beiden einst der Aufstieg in die Bundesliga gelang.

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Laut "kicker" ist auch David Odogu ein Kandidat beim FCK. Der 19 Jahre alte Innenverteidiger aus Wolfsburg könnte demnach bei einer Leihe Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln. Qualität bringt er grundsätzlich mit: Mit der U17-Mannschaft des DFB wurde er 2023 Weltmeister.

Ansonsten könnten bei der Besetzung der Offensivpositionen auch Leihen wieder ein Modell sein. Junge, veranlagte Spieler, die bei ihren Stammvereinen (noch) nicht auf ausreichend Spielpraxis kommen. Dass der Blick sich dabei nicht auf die deutschen Ligen beschränken muss, hat das Beispiel Yokota gezeigt.

Wer könnte noch gehen beim FCK?

Luca Sirch war der Senkrechtstarter der vergangenen zwölf Monate. Aus der Regionalliga von Lok Leipzig gekommen, erspielte sich der 25-Jährige im Herbst einen Stammplatz und ist mittlerweile zu einer festen Stütze im Spiel des FCK geworden.

Die steile Entwicklung ist auch einigen Bundesligisten nicht verborgen geblieben. So wurden zuletzt Union Berlin, Werder Bremen, der TSG Hoffenheim und dem FC Augsburg ein Interesse an Sirch nachgesagt. Die FCK-Bosse dürften jedoch großes Interesse daran haben, dass der in der Defensive vielseitig einsetzbare Akteur auch in der nächsten Saison am Betzenberg aufläuft.

Ein Kandidat für einen Wechsel ist Tobias Raschl. Der 25-Jährige bringt zwar alle Anlagen für einen starken Zweitligaspieler mit, doch bislang hatte der Mittelfeldmann seit seinem Wechsel aus Fürth nie richtig Fuß fassen können. Ein möglicher Interessent soll Ligakonkurrent Hertha BSC sein.