So lief die vergangene Saison beim FCK
Bis zum letzten Spieltag durfte der FCK noch vage vom Erreichen des Relegationsplatzes träumen. Dann setzte es ein 0:4 bei Aufsteiger Köln, am Ende reichte es zu Platz sieben. Das entsprach auch dem, was die Mannschaft über die Saison gezeigt hatte.
Mit Blick aufs Torverhältnis zeigt sich deutlich, wo der Schuh drückt. 55 Gegentreffer sind letztlich einfach zu viele, um ganz oben anzugreifen. Zum Vergleich: Absteiger SSV Ulm kassierte nur 48 Tore. Und trotzdem träumten die Fans am Betzenberg lange von einer Rückkehr in die Bundesliga. Einerseits, weil aufgrund der Ausgeglichenheit der Liga auch mal Schwächephasen möglich waren, ohne den Kontakt zur Spitze abreißen lassen zu müssen. Andererseits, weil die Roten Teufel mitunter wie eine echte Spitzenmannschaft auftraten, effektiv agierten und kämpferisch überzeugten.
Neuzugänge und Abgänge beim FCK
Sieben externe Neuzugänge konnte Trainer Torsten Lieberknecht bislang begrüßen. Mahir Emreli (1. FC Nürnberg) und Ivan Prtajin (Union Berlin) sollen im Angriff die Lücke füllen, die der Abgang von Top-Torjäger Ragnar Ache (zum 1. FC Köln) gerissen hat. Mit Daisuke Yokota (war von KAA Gent ausgeliehen, nächste Saison Leihspieler bei Hannover 96) ist ein weiterer prägender Offensivspieler nicht mehr am Betzenberg.
Auch Maximilian Bauer und Tim Breithaupt waren an den FCK ausgeliehen und kehrten zum FC Augsburg zurück. Jan Gyamerah (SV Elversberg) und Filip Kaloc (Ludogorets) haben ebenfalls neue Klubs gefunden. Aaron Opoku, Philipp Klement und Almamy Touré sind noch auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Mit Hendrick Zuck und Jean Zimmer wechseln zwei Routiniers in die zweite Mannschaft der Pfälzer.
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Kaum ein anderer Spieler hat den FCK in den vergangenen Jahren so sehr gelebt wie Jean Zimmer. Im SWR Sport Podcast "Nur der FCK" spricht er über seine neue Rolle in der U21.
Neben Emreli und Prtajin haben auch Innenverteidiger Maxwell Gyamfi (VfL Osnabrück), Mittelfeldspieler Fabian Kunze (Hannover 96), Außenverteidiger Simon Asta (SpVgg Greuther Fürth), Semir Sahin (SV Elversberg) und zuletzt Ji-Soo Kim (ausgeliehen vom FC Brentford) den Weg zum FCK gefunden.
Fünf der sieben externen Zugänge standen am vergangenen Wochenende beim 0:1 im Jubiläumsspiel zum 125. Geburtstag gegen die AS Roma bereits in der Startelf der Pfälzer. Kim und Prtajin kam zu Beginn der zweiten Halbzeit in die Partie. Prinzipiell haben alle Neuen das Potenzial, prägende Figuren des FCK-Spiels zu werden. Kunze dürfte zudem mit seinem kompromisslosen Spiel bei den Anhängern am Betzenberg gut ankommen.
Möglich, dass sich im Kader noch Veränderungen ergeben werden. Jannik Mause und Dickson Abiama können den Klub bei entsprechenden Angeboten verlassen. Ob noch weitere Verstärkungen dazu kommen, hängt von der Entwicklung auf dem Transfermarkt ab. Geschäftsführer Thomas Hengen verwies zuletzt auf das bis zum 1. September geöffnete Transferfenster.
Die Ziele des FCK in der neuen Saison
Offiziell wollen sie beim FCK den siebten Tabellenplatz aus der vergangenen Spielzeit toppen. Das sei als Ziel "offensiv genug formuliert", wie Sportdirektor Marcel Klos während des Trainingslagers im Interview mit SWR Sport sagte. Zumindest mittelfristig soll es für den Traditionsklub aber wieder in Richtung Bundesliga gehen - auch das wurde von der Verantwortlichen bereits mehrmals betont.
Die sportliche Leitung um Klos und Geschäftsführer Thomas Hengen wäre sicher nicht abgeneigt, wenn die Mannschaft schon in der Saison 2025/2026 ganz oben mitspielen würde. Die Abgänge wurden kompensiert, der Kader gezielt verstärkt. Mit Emreli und Prtajin können sich zwei Spieler die Rolle des Torjägers aufteilen, nachdem in den letzten Jahren viel Last auf den Schultern von Ragnar Ache gelegen hatte. Womöglich könnte das Duo auch gemeinsam stürmen, so standen etwa beim 4:0 im Test gegen Notts County beide in der Startelf - und trafen. Emreli überzeugte in der vergangenen Saison im Trikot der Nürnberger mit zehn Treffern in 24 Ligaspielen, unter anderem einem Traumtor beim Gastspiel auf dem Betzenberg. Prtajin spielte bei Union dagegen nur eine Nebenrolle. In den Jahren zuvor präsentierte er sich aber im Trikot des SV Wehen Wiesbaden als zuverlässiger Goalgetter.
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Vor dem Auftakt der neuen Saison herrscht beim FCK in der Offensive ein großer Konkurrenzkampf. Trainer Torsten Lieberknecht hat den Luxus, schwierige Entscheidungen treffen zu müssen.
Vieles spricht dafür, dass auch die neue Saison in der zweiten Liga ausgeglichen verlaufen wird. Mit dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV haben zwei "Platzhirsche" die Klasse Richtung Bundesliga verlassen. Mit dem VfL Bochum und Holstein Kiel sind zwei Mannschaften abgestiegen, die zwar oben hätten mitspielen können, aber nicht die Rolle des absoluten Top-Favoriten eingenommen hätten. Mit Hertha BSC und Hannover 96 haben zudem zwei weitere Traditionsklubs große Ambitionen und peilen den Aufstieg an.
Der FCK-Trainer - Torsten Lieberknecht kann Aufstiege
Lieberknecht löste im Endspurt der letzten Saison Markus Anfang als Trainer ab. Der Aufstieg galt da bereits als unwahrscheinlich, doch das Projekt war von Beginn an auf einen längeren Zeitraum angelegt. Lieberknecht, gebürtiger Pfälzer, brennt für den Job am Betzenberg. Das ist dem 51-Jährigen schon bei den Testspielen und auf dem Trainingsplatz anzumerken.
Noch wichtiger dürfte den FCK-Bossen jedoch Lieberknechts Expertise und Erfahrung sein. Sowohl mit Eintracht Braunschweig als auch mit dem SV Darmstadt 98 feierte Lieberknecht als Trainer bereits Aufstiege - mit Braunschweig in die zweite Liga, mit den Lilien in die Bundesliga. Zudem gilt er als Trainer, der hoffnungsvolle Talente erfolgreich in Mannschaften einbaut.
Dazu kommt: Lieberknecht ist ambitioniert. So stellte ihn das knappe 0:1 gegen den italienischen Top-Klub aus Rom nicht etwa komplett zufrieden. Defensiv sei das zwar schon ein guter Auftritt gewesen, aber: "Wir können das eine oder andere verbessern, wenn wir mutiger sind", forderte der Trainer sein Team im SWR-Interview auf. Mut, mit dem es für die Roten Teufel wieder in die Bundesliga gehen. Erstligareif zeigten sich gegen Rom einmal mehr die FCK-Fans. "Das habe ich noch nie erlebt bei einem Freundschaftsspiel", staunte Lieberknecht. "Das ist unglaublich. Das war ein würdiger Rahmen mit einem würdigen Gegner." Es liegt an ihm und seinem Team, ob und wann der FCK auch in der Liga wieder regelmäßig Top-Gegner empfängt. Zum Saisonauftakt erwartet den FCK ein echter Gradmesser: Am kommenden Sonntag gastieren die Roten Teufel um 13:30 Uhr bei Hannover 96 (Liveticker und Audiostream auf sportschau.de).