Start der Frauen-Bundesliga

"Jung und hungrig": Hoffenheimerinnen wollen Bundesliga aufmischen

Die TSG Hoffenheim startet erneut mit einem stark veränderten und jungen Kader in die Frauen-Bundesliga. Aus dieser vermeintlichen Schwäche wollen Selina Cerci und Co. schon bald eine Stärke machen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Lena Bergmann

Keine Champions League und keine Top Fünf: Am Ende der vergangenen Spielzeit stand mit Tabellenplatz sechs zwar ein solides Ergebnis für die TSG Hoffenheim, doch die Kraichgauerinnen blieben hinter den eigenen Erwartungen zurück. "Letzte Saison haben wir gesehen, dass wir statistisch vielleicht ein oder zwei Plätze weiter oben in der Liga sein sollten, das haben wir trotzdem nicht geschafft", resümierte TSG-Trainer Theodoros Dedes im Interview mit SWR Sport eine Spielzeit mit vielen Aufs und Abs für Hoffenheim.

Hoffenheim-Trainer Dedes will anknüpfen an erfolgreiche Rückrunde

Diese Saison wolle sich der Coach nicht auf eine Platzierung festlegen und sich stattdessen auf die Leistung fokussieren, an die man anknüpfen wolle: "Die Entwicklung, die unsere Mannschaft in der Rückrunde genommen hat, war sehr positiv. Unser Fokus liegt darauf, so schnell wie möglich wieder auf dieses Niveau zu kommen", sagte der Chefcoach.

Positiv in Erinnerung blieb auch die starke Leistung der Kraichgauerinnen im DFB-Pokal: Mit dem Sieg über den VfL Wolfsburg ging es für die Hoffenheimerinnen bis ins Halbfinale, wo gegen den FC Bayern schließlich Endstation war. Doch auch die Testspiele in der Vorbereitung versprechen viel Gutes: So blieb die TSG gegen den VfB Stuttgart (4:4), Bayer Leverkusen (2:0), den FC Basel (4:0) und den 1. FC Nürnberg (3:1) ohne Niederlage.Lediglich das Freundschaftsspielspiel gegen Werder Bremen verloren die Kraichgauerinnen mit 1:3

Startschuss für größere Frauen-Bundesliga: 14 statt 12 Teams, 26 statt 22 Spieltage

Erstmals spielen 14 Mannschaften in der Bundesliga. Für die Spielerinnen bedeute das natürlich "mehr Reisen und noch mehr Belastung", sagt Dedes. Doch die Erweiterung verspreche auch Vorteile: "Union Berlin, der HSV und Nürnberg - das sind alles Traditionsvereine. Wir werden in größeren Stadien spielen und hoffentlich auch mehr Fans anlocken. Im Kopfkino macht das schon sehr viel Spaß."

Druck für Bundesliga-Torschützenkönigin Selina Cerci

Eine, die mit Partien in ausverkauften Arenen Erfahrung hat, ist Selina Cerci. Wenige Wochen vor Saisonstart war die Stürmerin noch für die Nationalmannschaft bei der EM in der Schweiz im Einsatz. Vergangene Spielzeit krönte sich die 25-Jährige nicht nur zur Topscorerin der TSG Hoffenheim, sondern mit 16 Toren in 22 Spielen auch zur Torschützenkönigin der Frauen-Bundesliga.

Der Erfolg ist für sie in der neuen Saison schwer zu toppen: "Es wäre gelogen zu sagen, ich habe gar keinen Druck. Aber ich versuche, den Druck nicht an mich heranzulassen. Denn wer hätte überhaupt gedacht, dass ich so eine Saison spiele?", sagt Cerci. "Natürlich möchte ich immer mehr. Aber das wird auch nur durch Spaß und Freude kommen."

Ein Umbruch im Hoffenheimer Kader jagt den nächsten

Besonders jetzt dürfte Cerci als Leistungsträgerin für die Mannschaft wichtig sein, die aufgrund der Abgänge erfahrener Spielerinnen erneut an Beständigkeit verloren hat: Nach zwölf Jahren wechselte unter anderem die TSG-Kapitänin und Rekordspielerin Fabienne Dongus zum VfB Stuttgart, Stürmerin Ereleta Memeti ging nach Frankfurt, Jana Feldkampf (SGS Essen) und Marta Cazalla (Grasshopper Club Zürich) kehrten jeweils zu ihren früheren Vereinen zurück. Mara Alber (Chelsea FC) und Julia Hickelsberger (Galatasaray SK) zog es ins Ausland.

Neu im Kraichgau sind dafür Sturmtalent Linda Natter (First Vienna FC), Keeperin Juliane Schmid (SCR Altach) und Verteidigerin Laura Gloning (Bayern München II), alle drei 20 Jahre alt. Mit Valesca Ampoorter (Oud-Heverlee Leuven), Naomi Luyet (BSC YB Frauen) und Wielle Douma (BSC YB Frauen) holte die TSG weitere sehr interessante Spielerinnen nach Hoffenheim.

Nach einem umfangreichen Umbruch in der vergangenen Sommerpause startet Hoffenheim auch diese Saison mit einer neu zusammengesetzten Truppe und erneut einem der jüngsten Kader der Liga - mit Stolz: "Wir haben sehr viel Qualität und Erfahrung verloren, aber wir sind diesen Schritt auch bewusst gegangen. Wir haben jetzt einen Kader mit sehr jungen und hungrigen Spielerinnen. Natürlich haben sie die Erfahrung noch nicht, aber wenn sie die erstmal machen, wird das richtig gut werden", sagte TSG-Trainer Theodoros Dedes.

TSG-Topscorerin Cerci: "Wir sind wie kleine Schwestern alle miteinander"

Noch allerdings sind einige Spielerinnen, darunter auch Neuzugänge, gesundheitlich angeschlagen. Eine gemeinsame Vorbereitung mit der gesamten Mannschaft war daher bislang nicht möglich. Dennoch passe die Stimmung im Team schon jetzt gut, erklärte Stürmerin Selina Cerci: "Auch die Spielerinnen, die jetzt noch bei der Reha sind, sind bei Team-Events dabei und fühlen sich sehr wohl. Es fühlt sich an, als würden wir auch schon wieder X Jahre zusammen spielen, weil wir einfach ein super familiäres Verhältnis haben. Wir sind so ein bisschen wie kleine Schwestern miteinander, weil wir eben so ein junges Team sind."

Die Hoffenheimerinnen starten erst am Montagabend (8.9.,18.30 Uhr) in Jena. "Natürlich ist es nicht optimal, dass man erstmal drei Tage lang die anderen Spiele schaut, bis man selber dran ist, man will so schnell wie möglich spielen", meint TSG-Coach Dedes. "Das ist keine einfache Aufgabe." Das erste Heimspiel der TSG steigt am 14. September (18.30 Uhr), dann wird die Eintracht aus Frankfurt im Dietmar-Hopp-Stadion zu Gast sein.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Lena Bergmann
Profilbild der Volontärin Lena Bergmann