Nach dem 5:2-Auswärtssieg beim FC Augsburg ging der VfB Stuttgart als Tabellendritter in die Länderspielpause. Mit 53 Punkten nach 27 Spieltagen haben die Schwaben bereits jetzt ihre letztjährige Ausbeute (50 Zähler) getoppt und auch tabellarisch steht fest, dass das Hoeneß-Team sich verbessern wird. Platz acht ist bereits zu diesem frühen Zeitpunkt sicher, nachdem der VfB letztes Jahr lediglich als Neunter über die Ziellinie ging.
Angesichts dieser Ausgangssituation lautet die Zielsetzung ganz klar: Champions-League-Qualifikation! Dazu müsste der aktuelle DFB-Pokalsieger höchstwahrscheinlich Vierter (oder besser) werden. SWR Sport nennt fünf Gründe, warum der VfB Stuttgart die Königsklasse erreichen wird.
1. Deniz Undavs Unberechenbarkeit trägt den VfB Stuttgart auch im Saisonfinale
Undav trifft momentan, wie er will. Der 29-Jährige hat in den letzten sechs aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen genetzt, insgesamt hat er in 21 Bundesligaspielen 18 Treffer erzielt und fünf weitere Tore vorbereitet. Zu Saisonbeginn fehlte Undav knapp anderthalb Monate verletzt, seit dem achten Spieltag hat er 23 Torbeteiligungen gesammelt - eine unfassbare Bilanz. Die Nominierung für die Test-Länderspiele am 27. März in Basel gegen die Schweiz sowie drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana hat dem Angreifer weiter Auftrieb gegeben, sein Selbstvertrauen wirkt aktuell schier unermesslich.
Dem 29-Jährigen scheint die fluide Rolle als "falsche Neun" auf den Leib geschneidert. Er spielt meist um Stoßstürmer Ermedin Demirovic herum, ist für die gegnerischen Abwehrspieler schwer zu greifen und ist durch sein Spielverständnis jederzeit in der Lage, eine Chance zu kreieren oder selbst zu treffen. Undavs hohe Ansprüche an sich selbst und seine Kollegen pushen ihn und das Team. All diese Qualitäten wird der Nationalstürmer auch in der "Crunch Time" einbringen.
2. Der mögliche "VfB Deutschland" verhindert einen Spannungsabfall
In der abgelaufenen Spielzeit gab es beim VfB Stuttgart einen massiven Spannungsabfall nach dem 1:4 gegen Paris St. Germain und dem damit verbundenen Ausscheiden aus der Champions League. Auf das jüngste Achtelfinal-Aus in der Europa League gegen den FC Porto reagierten die Schwaben mit einer starken Vorstellung in Augsburg. Insbesondere die Akteure glänzten, die sich noch für den DFB-Kader in Sachen WM 2026 empfehlen wollen: Undav trifft wie am Fließband, Angelo Stiller dirigiert, Jamie Leweling spielt eine konstant gute Saison, Alex Nübel ist ein sicherer Rückhalt. Josha Vagnoman hat sich zurück in die Spur gekämpft - und Chris Führich wirbelt wie zu besten Zeiten aus der Vizemeister-Saison 2023/2024. Auch Maximilian Mittelstädt präsentierte sich zuletzt verbessert und hofft, noch auf den WM-Zug aufspringen zu können.
Dies alles führt zu maximaler Motivation, jeder will spielen und sich zeigen. Das kann für den VfB Stuttgart im Endspurt nur gut sein, die Spannung wird bei den Profis neben dem angestrebten mannschaftlichen Erfolg auch durch die Eigenmotivation hochgehalten.
3. Das Restprogramm ist happig - aber sollte dem VfB trotzdem liegen
Insgesamt noch sieben Spiele - fünf der finalen Stuttgarter Gegner stehen unter den Top Sieben der Tabelle und kämpfen selbst um Meisterschaft oder Europa. Dennoch muss dem VfB nicht bange sein, schließlich strotzt er aktuell vor Selbstvertrauen. Genau deshalb kann sich die Hoeneß-Truppe auch gegen Dortmund, München, Hoffenheim, Leverkusen und Frankfurt etwas ausrechnen. Schließlich tat sich der DFB-Pokalsieger zuletzt eher gegen die "Kleinen" (1:2 bei St. Pauli, 3:3 in Heidenheim, 2:2 in Mainz) schwer, schlug dafür im Jahr 2026 bereits Bayer 04 (4:1), die Eintracht (3:2) und RB Leipzig (1:0). Mitspielende Gegner liegen den Stuttgartern besser als tiefstehende, von daher ist das Restprogramm auch als Chance zu sehen, gegen direkte Kontrahenten zu punkten.
4. "Rotation light" statt wilder Wechselspiele
Die teilweise extreme Rotation von VfB-Coach Hoeneß in der Hinserie war wichtig für den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Beim Tanz auf drei Hochzeiten wechselte der Trainer oftmals den Großteil seiner Startelf aus - mit dem Effekt, dass sich jeder mitgenommen und wichtig fühlen durfte. Jetzt, in der heißen Saisonphase, hat Hoeneß dies deutlich reduziert. Der 43-Jährige hat seinen Stamm - und hat auf diesen in den Englischen Wochen bereits weitgehend gesetzt. Die Änderungen in der Aufstellung waren zuletzt - gemessen am Programm - im Normbereich.
Prognose: In der entscheidenden Saisonphase wird Hoeneß noch mehr auf seine Leistungsträger setzen. Das große Ziel Champions League ist greifbar nah. Bis auf das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Freiburg (23.04., 20:45 Uhr, live in der ARD) wird es für den VfB keine Englischen Wochen mehr geben und der Stuttgarter Trainer weiß genau, dass Eingespieltheit seiner Mannschaft gut tut.
5. Die Gier ist groß
Torjäger Undav, nicht nur auf dem Platz offensiv, sagte zuletzt: "Wir wollen Vierter bleiben - oder besser noch Dritter werden!" Coach Hoeneß drückte es nach dem Augsburg-Spiel zwar diplomatischer als sein forscher Stürmer aus, doch auch beim Trainer hört man raus: die Champions-League-Qualifikation soll es werden.
Die Gier ist in der Mannschaft groß - erst recht nach dem Ausscheiden aus der Europa League. Das Team will jetzt die Ernte für die punktemäßig bislang zweitbeste Saison der Vereinsgeschichte (53 Punkte wie 1983/1984, nur 2023/2024 waren es zum gleichen Zeitpunkt bereits 57 Zähler) einfahren: Königsklasse und DFB-Pokalfinale lauten die zwei verbliebenen Ziele, die offensiv artikuliert und auch angegangen werden. In Sachen Umsetzung hat der VfB Stuttgart durchaus gute Chancen.
SWR Sport | 24. Mai ab 22:00 Uhr SWR Sport mit DFB-Pokalfinale, Europa League-Finale und Nils Petersen
Europa League-Finale mit dem SC Freiburg, DFB-Pokalfinale VfB Stuttgart gegen FC Bayern und der deutsche WM-Kader. Viel Gesprächsstoff mit Studiogast Nils Petersen, Ex-Freiburg-Profi.