Nun ist das passiert, was nicht hätte passieren dürfen: Stürmer Ermedin Demirovic vom VfB Stuttgart fällt vorerst aus. Beim Bosnier wurde nach dem 1:0 gegen den 1. FC Heidenheim "eine beginnende Fraktur der Fußwurzel" diagnostiziert. Während der Verein keine exakte Ausgabe zur Ausfallzeit des Angreifers macht, ergibt eine Recherche im Internet, dass "bei einer beginnenden Fraktur der Fußwurzel (oft Stressfraktur) die typische Ausfallzeit bei Fußballern 6 - 12 Wochen, je nach Schwere und Behandlung, beträgt. Bis zur vollständigen Belastung kann es 3 - 6 Monate dauern".
Nach dem Abgang von Nick Woltemade (Newcastle United) kurz vor Ende der Transferperiode und der Verletzung von Deniz Undav war Demirovic der einzig verbliebene Mittelstürmer im Stuttgarter Kader. Er spielte seitdem immer und führte den DFB-Pokalsieger zeitweilig sogar als Kapitän aufs Feld. Möglicherweise muss er mit der Fraktur nun den Preis für die hohe Belastung zahlen. VfB-Trainer Sebastian Hoeneß muss jedenfalls schauen, wie er sein Team im Angriff aufstellt.
Verletzung von Deniz Undav fast ausgeheilt
Deniz Undav ist nun die naheliegendste Lösung im Stuttgarter Sturm. Der 29-Jährige verletzte sich beim 1:0-Erfolg des VfB gegen Borussia Mönchengladbach am Innenband und fiel seitdem aus. Mittlerweile ist er zurück im Mannschaftstraining, macht aber noch nicht alle Übungen mit. Für das Auswärtsspiel in Wolfsburg (18.10., 15:30 Uhr) sollte es aber reichen - ob von Beginn an oder als Joker, wird man sehen.
Aber eines scheint jetzt schon klar: Undav wird das Pensum, dass Demirovic gegangen ist, nicht gehen können. Es warten sieben Spiele in 22 Tagen auf den VfB - und die Robustheit des Bosniers hat Undav nicht. Deshalb wird es im Angriff der Schwaben wohl eine Art "Job-Sharing" geben.
Tiago Tomás würde die Statik des Spiels ändern
Auch der aus Wolfsburg zurückgeholte Tiago Tomás kann im Sturmzentrum spielen. Der Portugiese agiert zwar lieber mit etwas Raum vor sich als "Neuneinhalb", sprich hängende Spitze, oder kommt über die Außenbahn, er kann aber auch ganz vorne drin spielen. Tomás würde die Statik des VfB-Spiels ändern: Der 23-Jährige gilt als technisch stark und als Kombinationsspieler. Die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß würde mit ihm in der Spitze wohl weit weniger mit Flanken und hohen Bällen spielen, da Tomás ein ganz anderer Typ als Demirovic ist.
Weitere (Not)Kandidaten könnten Jamie Leweling oder der lange verletzte Silas sein. Beide sind aber eher Flügelspieler, die sich im Zentrum nicht so wohlfühlen.
Ist Mo Sankoh ein Kandidat für die erste Mannschaft?
In der zweiten Mannschaft der Stuttgarter in der 3. Liga spielt mit Mo Sankoh noch ein Kandidat, der bereits 2021 als Supertalent in der Bundesliga debütierte, dem eine Horror-Verletzung allerdings einen Strich durch die ganz große Karriere machte. Ob der immer noch erst 21-Jährige noch einmal die Chance bekommt, bei den Profis des VfB mitzumischen? Beim VfB II weist er in dieser Spielzeit nach zehn Ligaspielen drei Tore und einen Assist auf.
Mit Enis Redzepi sorgt derweil in der Stuttgarter U19 ein Youngster für Furore. In sieben Ligaspielen traf der 17-Jährige zehn Mal und bereitete weitere sechs Treffer vor. Ob Coach Hoeneß Redzepi auch in seine Gedankenspiele miteinbezieht?
Kommt ein vertragsloser Spieler?
Oder denken die VfB-Bosse um Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sogar an einen derzeit vertragslosen Spieler als Soforthilfe? Dann wären illustre Spieler auf dem Markt, etwa der Ex-Dortmunder Paco Alcacer, der frühere Mainzer Robin Quaison, die ehemalige Ajax-Legende Hakim Ziyech und sogar ein Spieler mit Stuttgarter Vergangenheit: Chadrac Akolo. Oder eine Lösung mit Star-Appeal: Mario Balotelli.
Vermutlich ist die Verpflichtung eines zusätzlichen Spielers aber unwahrscheinlich. Klar ist: Der Demirovic-Ausfall schmerzt den VfB Stuttgart ungemein. Zwischen dem 18.10. und dem 9.11. müssen die Schwaben sieben Spiele bestreiten, die Gegner haben es in sich. Es geht etwa gegen RB Leipzig, Fenerbahce Istanbul oder Feyenoord Rotterdam.
Deniz Undav und Tiago Tomas sind die wahrscheinlichsten Vertreter für Demirovic. Doch wer weiß, vielleicht gibt Trainer Hoeneß auch der Jugend eine Chance. In der Not sind oft unkonventionelle Lösungen gefragt - das könnte die Chance für Sankoh, Redzepi und Co. sein.