Betretungsverbot für VfB-Fans in Deventer

"Behandelt wie Schwerverbrecher" - VfB-Boss Wehrle fordert Aufklärung nach Fan-Ärger

Beim Europa-League-Spiel in Deventer gab es Probleme zwischen Polizei und VfB-Fans. Die niederländischen Beamten setzten Schlagstöcke ein. VfB-Vorstand Wehrle, Trainer Hoeneß und auch das Fanprojekt des Vereins äußern sich.

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Stand

Noch vor Anpfiff der Europa League-Partie des VfB Stuttgart gegen die Go Ahead Eagles im niederländischen Deventer (Donnerstag, 27.11.2025) hat ein Teil der Stuttgarter Fans die Rückreise angetreten. Wie der VfB am Donnerstagabend mitteilte, hätten die Behörden gegen die Insassen von drei Fan-Bussen ein Betretungsverbot für die Stadt verhängt, weil Fans sich am Treffpunkt angeblich aggressiv verhalten hätten. VfB-Verantwortliche vor Ort nahmen aber kein entsprechendes Verhalten der Fans wahr.

Alexander Wehrle stellt sich auf die Seite der VfB-Fans

"Ich war die ganze Zeit vor Ort am Treffpunkt der Fans und konnte mir ein Bild von den Gegebenheiten machen. Die örtlichen Behörden haben aus für uns überhaupt nicht nachvollziehbaren Gründen ein Betretungsverbot für Teile unserer Fans ausgesprochen", sagte Stuttgarts Vorstandsvorsitzender Alexander Wehrle. "Wir sind mit den Behörden und der UEFA im engen Austausch und drängen auf eine lückenlose Aufarbeitung der Vorkommnisse."

Er sei "schockiert", fügte Wehrle später hinzu. So etwas habe er "noch nie erlebt. Da können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Das hat nichts mehr mit Fankultur zu tun. Die Fans nehmen sich doch frei. Die reisen an. Die wollen ein Fußballerlebnis haben. Und die werden erstmal behandelt wie Schwerverbrecher", so Wehrle weiter. Fassungslos beschrieb er die Busankunft der Fans: "Beim Aussteigen haben sie erstmal einen Knüppel in den Rücken oder in den Nacken bekommen von der Polizei." Das dürfe sich so nicht wiederholen. Der Verein habe bei der UEFA umgehend Beschwerde eingelegt. Der VfB habe offiziell 489 Tickets für die Partie bekommen, "wie man das nicht managen kann, da mache ich viele Fragezeichen", kritisierte Wehrle.

Nach der Partie äußerte sich auch VfB-Trainer Hoeneß zu den Vorfällen: "Wenn ich höre, dass viele Fans wieder zurückreisen mussten, das hat nichts mit Fußball zu tun. Alle sollten sich auf das Spiel freuen und dafür sorgen, dass alle sicher und unbeschadet ins Stadion kommen." Das stünde im Mittelpunkt und müsse das Ziel sein und das sei es an diesem Abend teilweise nicht gewesen, so Hoeneß weiter.

Videobilder zeigen niederländische Polizei mit Schlagstöcken

Videobilder niederländischer Medien zeigten, wie die Polizei angereiste Fans zwang, wieder in ihre Busse zu steigen und die Rückfahrt anzutreten. Zuvor war es am Treffpunkt der Fans bereits beim Eintreffen der Busse zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Videobilder zeigten Bereitschaftspolizisten, die mit Schlagstöcken auf Fans an den Bussen einschlugen. Auch VfB-Vorstand Wehrle und Jannis Zeller vom Fanprojekt des VfB Stuttgart, der ebenfalls vor Ort war, berichteten von diesem Vorgehen der Sicherheitskräfte.

"Die Situation an den Bussen hat nicht dazu geführt, dass die Menschen, die gekommen sind, herzlich empfangen wurden, und deswegen war die Stimmung entsprechend angespannt", so Zeller gegenüber SWR Sport. Nach niederländischen Medienberichten wollten die Beamten die Fans in Richtung der Fanzone bewegen. Dort wurden, wie auf weiteren Bildern zu sehen war, von den Fans Absperrgitter umgerissen und es kam zu einer Konfrontation mit den Beamten.

Deventer, Stuttgart

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Kamen Stuttgarter Fans ohne Ticket?

Der Direktor der Go Ahead Eagles, Jan Willem van Dop, der auch am Fan-Treffpunkt vor Ort war, sagte gegenüber SWR Sport, dass es zu dem Polizeieinsatz gekommen sei, weil in den Bussen Fans ohne Tickets gesessen hätten. Menschen ohne Tickets sollten aber nicht zum Stadion kommen. "Regeln sind Regeln und das wird hier gut gelöst", sagte er. Diese Regeln würden bereits die gesamte Saison gelten, so van Dop weiter.

Aus Sorge vor Ausschreitungen hatte der Bürgermeister von Deventer, Ron König, am Nachmittag für anreisende Stuttgart-Fans ein Betretungsverbot für die Innenstadt erlassen. Der Grund sei, dass nach Informationen der Polizei eine ernsthafte Störung der öffentlichen Sicherheit drohe. "Unser Ausgangspunkt ist, dass wir die Europa-League-Spiele in Deventer auf gastfreundliche, gemütliche und sichere Weise organisieren wollen", erklärte der Bürgermeister. Es habe sich jedoch gezeigt, "dass einige Leute ganz andere Vorstellungen davon haben. Wir lassen uns dadurch ein schönes Fußballfest nicht verderben. Im Interesse der Sicherheit echter Fußballfans, Einwohner und Unternehmer habe ich daher diese Maßnahme ergriffen."

Organisierte Fanszene zeigt sich solidarisch und reist ab

Fan-Vertreter Zeller reagierte mit Unverständnis auf diese Maßnahme. "Es war keine gute Entscheidung, weil die Leute in den anderen Bussen überhaupt nichts mit der Situation (am Treffpunkt der Fans, Anm. d. Red.) zu tun hatten. Uns war schon fast klar, dass die gesamte Fanszene den Heimweg antreten wird."

Nach dem ausgesprochenen Betretungsverbot und den Vorfällen am Fan-Treffpunkt hatte sich der Großteil der VfB-Fans, die bereits in Deventer angekommen waren, mit den Insassen der betroffenen Busse solidarisch gezeigt und ebenfalls die Rückreise nach Stuttgart angetreten. Der Gästeblock war entsprechend nicht komplett gefüllt. Organisierte Unterstützung der VfB-Fans im Stadion De Adelaarshorst gab es nicht.

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Redakteur/in
SWR Sport