Jamie Leweling mit einem Doppelpack, Chris Führich mit zwei Vorlagen und Deniz Undav mit seinem 14. Saisontor - Bundestrainer Julian Nagelsmann dürfte die Performance "seiner" Nationalspieler beim 4:0-Sieg des VfB Stuttgart gegen den VfL Wolfsburg mit großer Freude zur Kenntnis genommen haben. 102 Tage vor Beginn der Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada hat er sich womöglich einige Notizen für die Nominierungen zu den Länderspielen am 27. März (in der Schweiz) und am 30. März (gegen Ghana) gemacht. Nur bei Nikolas Narteys Tor zum 4:0 war kein Nationalspieler beteiligt - zumindest kein deutscher.
Chris Führich, seit Wochen in bestechender Form, war auf dem linken Flügel gegen Wolfsburg ein ständiger Unruhe-Herd. Außenverteidiger Sael Kumbedi war völlig überfordert gegen den 28-jährigen Offensivmann, der in der Hinrunde weder beim VfB Stuttgart noch in der Nationalmannschaft eine große Rolle spielte.
Leweling avancierte mit seinem Doppelpack zum Mann des Spiels
Jamie Leweling, der sechs seiner sieben Tore im laufenden Kalender-Jahr erzielte, wirbelte auf dem rechten Flügel ebenfalls nach Belieben, traf zweimal (30. & 42.) und war auch sonst an vielen gefährlichen Offensivaktionen beteiligt. Wolfsburgs Bayer-Leihgabe Jeanuel Belocian hatte große Schwierigkeiten mit dem deutschen Nationalspieler.
Stürmer Ermedin Demirovic, der gegen Wolfsburg eher glücklos agierte, zeigte sich als Teamplayer: "Das freut mich für die Jungs - für alle von uns. Weil wir wirklich hart arbeiten und jeder von uns viel in die Waagschale legt, um erfolgreich Fußball zu spielen. Dann ist es einfach schön, dass dadurch immer wieder neue Erfolgserlebnisse entstehen."
Deniz Undav erzielte seinen 50. Pflichtspieltreffer für den VfB Stuttgart
Deniz Undav, immer wieder gefährlich und anspielbar, verteilte die Bälle und zeigte selbst Goalgetter-Qualitäten. Das 1:0 war sein 50. Pflichtspiel-Tor für den VfB Stuttgart. Da gab es sogar Sonderlob vom Trainer: "Boah, das ist stark", sagte Sebastian Hoeneß. "Das ist eine sehr schöne Zahl".
Die Vorlage kam übrigens von Demirovic, wenn auch eher zufällig. Darüber musste der in Hamburg geborene Bosnier auch weit nach Abpfiff noch immer schmunzeln: "Der fällt gegen mein Schienbein, Deniz haut den eiskalt rein - das war genauso gewollt, genauso trainiert, und genauso machen wir weiter." Die 50 Pflichtspiel-Treffer des Kollegen hält er für geradezu unmenschlich: "Deniz ist eine Maschine."
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Auch Angelo Stiller, der im Mittelfeld die Fäden zog, dirigierte, Bälle abfing und viele Angriffe einleitete, zeigte gegen Wolfsburg eine gute Leistung. "Es war gut anzuschauen", lobte Hoeneß das gesamte Team. "Es war Spielfreude auf dem Platz, und wir haben uns zum Glück auch mit den Toren belohnt."
Alexander Nübel wurde kaum geprüft
Einzig Keeper Alexander Nübel, der auch auf ein WM-Ticket hofft, hatte wenig Gelegenheit sich auszuzeichnen. Erst als Wolfsburgs Lovro Majer in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit alleine aufs Stuttgarter Tor zulief, schien Nübels großer Moment gekommen zu sein. Doch der Niederländer vergab auch ohne das Eingreifen des VfB-Keepers. "Klar haben wir Glück, als sie diese Riesenchance vergeben", sagte Hoeneß. "Das war wirklich wichtig, dass wir mit diesem Ergebnis in die Halbzeitpause kommen. Aber dann haben wir nichts mehr anbrennen lassen." Der eingewechselte Kento Shiogai prüfte Nübel in der 56. Minute dann doch nochmal. Da war der Nationalspieler jedoch auf dem Posten.
"Ich glaube, wir haben heute ein super Spiel gemacht", freute sich Demirovic - besonders nach dem eher mageren 0:1 gegen Celtic Glasgow in der Europa League. "Wir wollten eine Reaktion zeigen, wollten alles reinhauen, und ich glaube, das haben wir uns heute auch mal verdient - mit einem klaren Sieg und einer wirklich super Leistung."
Nun warten viele Englische Wochen auf den VfB Stuttgart
Der VfB Stuttgart steht mit nun 46 Punkten punktgleich mit der drittplatzierten TSG Hoffenheim auf Tabellenplatz vier. Angesichts der nun anstehenden Partien - bei Mainz 05 (7. März), gegen den FC Porto in der Europa League (12. März), gegen Champions-League-Konkurrent RB Leipzig (15. März) und dann beim FC Porto (19. März) - bleibt jedoch nicht viel Zeit zum Feiern. "Man muss dranbleiben, konzentriert bleiben", sagte Sebastian Hoeneß. "Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition, und die gilt es jetzt erfolgreich auszubauen."
Vor der Länderspiel-Pause warten dann noch der FC Augsburg und Borussia Dortmund. "Natürlich merkt man das in den Knochen. Aber wenn es so gut läuft, dann macht es einfach nur Spaß und du kannst gefühlt morgen gleich wieder ein Spiel spielen", sagte Demirovic. Der VfB Stuttgart scheint für die heißen Wochen im März gut gerüstet - vor allem die deutschen Nationalspieler.