Manche Wendungen sind rätselhaft. So lässt sich kaum erklären, wie der VfB Stuttgart das Spitzenspiel gegen Eintracht von 0:1 erst in ein 2:1 und nach dem späten Ausgleich noch in einen Sieg verwandelt hat. Klar, die Tore lassen sich beschreiben: Ermedin Demirovic traf nach 27 Minuten nach einem Fehler von Eintracht-Keeper Kauã Santos. Der 22 Jahre alte Brasilianer ließ den Ball nach einer Flanke von Maximilian Mittelstädt vor Demirovics Füße fallen. Der Bosnier musste nur noch einschieben.
Deniz Undavs Führungstreffer war das Resultat einer schönen Gemeinschaftsleistung: Josha Vagnoman schickte Undav steil, der Nationalspieler schlug noch einen Haken und schob anschließend überlegt ins lange Eck ein (35.). Dem Siegtreffer von Nikolas Nartey (87.) ging eine schöne Kombination voraus: Undav schickte Jamie Leweling steil, Querpass auf Nartey, der aus etwa fünf Metern sein erstes Bundesliga-Tor erzielte.
VfB Stuttgart kommt erst nach 25 Minuten so richtig ins Spiel
Es stellt sich jedoch die Frage, warum der VfB Stuttgart 25 Minuten lang wenig auf die Kette bekam, sich in dieser Phase ein sehr unglückliches Gegentor fing (Rasmus Kristensen, 5. Minute) und dann plötzlich das Spiel aufdrehte, Frankfurt Stück für Stück an die Wand spielte und zur Pause auch 3:1, 4:1 oder noch höher hätte führen können. Trainer Sebastian Hoeneß versuchte sich an einer Antwort: "Deniz hat sich ein wenig fallen gelassen. Jamie war nicht mehr so breit."
Was er damit meint: "Wir hatten dadurch das Mittelfeld aufgefüllt, die Struktur wurde besser und wir hatten deutlich mehr Kontrolle." Um noch schnell hinterher zu schieben: "Natürlich war das Tor dann auch ein Knotenlöser." Und so hat der VfB Stuttgart erneut gezeigt, was ihn diese Saison auszeichnet: "Die Moral ist da, der Glaube ist da", sagte Hoeneß. "Und es hilft natürlich, das zu bestärken, wenn es funktioniert."
Undav ärgert sich trotz seines Treffers
Auch in der zweiten Halbzeit war Stuttgart das bessere Team. Leweling (50.), Chris Führich (58.), Undav (60.), nochmal Undav (64.) und wieder Undav (83.) hätten für den VfB erhöhen können. "Nach dem 2:1 kann ich, glaube ich, vier Tore schießen. Ich hatte drei, vier Hunderprozentige, wo ich alleine aufs Tor zulaufe. Davon mache ich normalerweise mindestens einen", ärgerte sich Undav. "Im Endeffekt ist es egal: Dann habe ich die heute verballert, aber wir haben trotzdem gewonnen." Hoeneß sah es gelassen: "Heute war es natürlich krass. Das muss man schon sagen. Aber mit dem Gefühl, gewonnen zu haben, gibt es da von mir keinen Vorwurf."
Der Unterschied zur ersten Halbzeit: Frankfurt war wieder im Spiel. Daher war es aufgrund der schlechten Chancenverwertung der Schwaben fast schon glücklich, dass sie den Ausgleich (von Ayoube Amaimouni-Echghouyab) erst in der 80. Minute hinnehmen mussten. Anschließend hatte Frankfurt sogar die Chance, das Spiel für sich zu entscheiden. Doch Kristensens Schlenzer flog knapp am rechten Pfosten vorbei.
VfB Stuttgart springt auf Platz drei
Auch nach Narteys erneutem Führungstreffer gab sich die Eintracht nicht geschlagen. Arnaud Kalimuendo hatte gleich zweimal die Chance auf den Ausgleich. Doch zweimal entschied VfB-Keeper Alexander Nübel das Eins-gegen-Eins-Duell für sich (89.). "Alex am Ende wieder der Top-Held", meinte Undav. "Der hat uns den Arsch gerettet."
So steht der VfB Stuttgart nach der Hinrunde auf Platz drei und hat 32 Punkte. "Ich muss es ja glauben", sagte Chefcoach Hoeneß. "Aber es ist nicht selbstverständlich, das muss man sich schon immer vor Augen halten." Er bemühte die berühmte "Momentaufnahme". "Aber sie sind jetzt schonmal da. Das heißt, wir sind in die richtige Richtung unterwegs." Und wenn die Schwaben dieses Niveau halten, führt dieser Weg geradewegs in die Champions League.