Fehlstart in der Bundesliga

Jede Menge Probleme: Der VfB Stuttgart hinkt den Erwartungen hinterher

Der VfB Stuttgart ist in der Bundesliga durchwachsen bis schwach gestartet – je nach Perspektive. Dafür gibt es Gründe. Doch ist Besserung in Sicht?

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Von Autor/in Johann Schicklinski

Wäre der VfB Stuttgart ein Wertpapier, dann hätte die Empfehlung vor der Saison aus Anlegersicht "Kaufen" geheißen. Die Schwaben wären wohl als Blue Chip gehandelt worden. So werden die Aktien führender Unternehmen bezeichnet, die bereits eine hohe Performance aufweisen und dennoch das Potenzial besitzen, weiterhin zu steigen. Auf den Fußball übertragen bedeutet dies, dass mit dem VfB - DFB-Pokalsieger 2025, Finalist 2026, Tabellenvierter der abgelaufenen Saison und Champions-League-Teilnehmer in der neuen Spielzeit - auch künftig zu rechnen ist.

Für diese Erwartungshaltung gab und gibt es gute Gründe. Das Team wurde erstmals seit Jahren zusammengehalten, kein Stammspieler oder Leistungsträger ging von Bord. Trainer Sebastian Hoeneß bekam seine Wunschspieler. Der Coach selbst, der in seine vierte volle Saison mit den Bad Cannstattern geht, gilt zudem als Top-Mann und weiterer Faktor für anhaltenden Erfolg. Dazu nannten Größen wie etwa Toni Kroos den VfB gar als Meisterschaftskandidaten oder zumindest als Anwärter auf die Position hinter dem hiesigen Branchenprimus FC Bayern.

Doch die Realität nach den ersten sechs Pflichtspielen der Saison 2026/2027 spricht eine andere Sprache. Pflicht erfüllt im DFB-Pokal (4:0 in Rostock) und in der Champions League (3:1 gegen Stavanger), doch in der Bundesliga hinken die Schwaben nach dem jüngsten 0:1 gegen den BVB mit lediglich drei Zählern aus vier Spielen den Erwartungen hinterher.

Drei der bisherigen Gegner landeten in der abgelaufenen Saison zwar unter den Top Fünf, doch trotz des schweren Auftaktprogramms ist man in Stuttgart enttäuscht. Denn neben der mangelnden Punkteausbeute sind die Probleme beim VfB offensichtlich.

Problemstelle Angriff

Es ging so gut los. 25-Millionen-Euro-Neuzugang Dzenan Pejcinovic schnürte im DFB-Pokal-Erstrundenspiel bei Hansa Rostock einen Dreierpack. Das gleiche Kunststück gelang Ermedin Demirovic in der Königsklasse gegen Stavanger. Und auch sonst war im Angriff der Schwaben nicht alles schlecht, aber eben auch nicht alles gut. Die Abstimmung zwischen den beiden Mittelstürmern und Deniz Undav, der in neuer Rolle agiert, funktioniert noch nicht so recht. Undav spielt jetzt zurückgezogener auf der Zehn, damit Pejcinovic und Demirovic ganz vorne besser zur Geltung kommen. Aber der 30-Jährige wird damit seiner stärksten Rolle beraubt, nämlich der als hängende Spitze, als offensiver Freigeist.

Undav befindet sich aktuell zu selten in den torgefährlichen Räumen. Er muss nun deutlich weitere Wege auch in der Defensive gehen und fehlt dann im Angriff, weil er zu tief steht. Das Resultat: weniger Torchancen und deutlich weniger gefährliche Szenen. Dazu kommt der Ärger über die Nicht-Nominierung durch Bundestrainer Jürgen Klopp, mit dem Undav offen umgeht, man aber schon verletzten Stolz beim Deutsch-Kurden raushören kann.  Aktuell wirkt die bei ihm sonst so durchscheinende Selbstsicherheit weit weg.

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Der Stürmer ist aber auch nicht richtig fit, laboriert im bisherigen Saisonverlauf immer wieder an kleineren Blessuren. Die XXL-Länderspielpause kann er nun nutzen, um sich in die entsprechende Verfassung zu bringen, um wieder anzugreifen. Denn wenn seine Stuttgarter Vergangenheit eines gezeigt hat, dann dies: Deniz Undav darf man nie abschreiben. Und auch die Rollenverteilung und das Job-Sharing von Pejcinovic und Demirovic sollten sich einpendeln.

Problemstelle Maschinenraum

Eine weitere Baustelle ist das zentrale Mittelfeld, wo sich Angelo Stiller und Neuzugang Grischa Prömel vom Profil her zu sehr ähneln. Beide sind eher Achter als Sechser und denken offensiv. Beide fordern immer wieder den Ball und stoßen gerne selbst in torgefährliche Räume oder probieren es zumindest. Möglicherweise fehlt dem VfB eine sogenannte "Holding Six", sprich ein klarer Sechser vor der Abwehr, der vorrangig die Lücken schließt und versucht, den defensiven Verbund zu koordinieren. Atakan Karazor ist der einzige echte Sechser im Kader - aber der letztjährige Kapitän ist außen vor, kommt in sechs Pflichtspielen auf 0 Minuten Einsatzzeit.

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Hoeneß wollte Neuzugang Prömel unbedingt, um im Sinne einer spielerischen Weiterentwicklung zu (noch) mehr Dominanz zu gelangen. Aktuell geht die neue Konstellation aber zulasten der Stabilität. Auch hier gilt es, in der spielfreien Zeit die Abstimmung zu optimieren.

Problemstelle Abwehr

Finn Jeltsch und Jeff Chabot sind in der Innenverteidigung gesetzt. Sie machen ihre Sache gut, doch sie spielten bislang in dieser Saison nie über die kompletten 90 Minuten fehlerfrei. Ein kleiner Patzer oder eine kleine Unachtsamkeit sind immer drin. So wie zuletzt bei Jeltsch, der beim spielentscheidenden Gegentor durch Maxi Beier gegen den BVB zu spät kam.

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Alternativen sind allerdings rar gesät. Der letztjährige Shootingstar Ramon Hendriks sucht seine Form. Luca Jaquez wird immer wieder von Verletzungen ausgebremst. Das galt lange Zeit auch für Ameen al-Dakhil und erst recht für Dan-Axel Zagadou, dessen zahlreiche Pausen aufgrund von leichten, aber auch schlimmeren Blessuren nur sporadisch von kurzen Phasen der Einsatzfähigkeit überlagert werden. Ob der 27-Jährige jemals wieder auf Profifußballniveau konstant mitmischen kann, ist fraglich.

Problemstelle Form

Viele Leistungsträger wie Undav, Stiller, Hendriks oder Jamie Leweling suchen nach ihrer Form. Teilweise leiden sie unter dem "WM-Blues", sprich einer lückenhaften und späten Vorbereitung aufgrund des XXL-Turniers im Juni und Juli. Teilweise laborier(t)en sie auch an kleineren Verletzungen oder suchen ihren Rhythmus. Sie alle eint, dass sie nicht in Topform sind und Luft nach oben haben. Auch hier gilt es jetzt, die Defizite möglichst auszugleichen.

Der VfB hat also eine Menge Probleme - und in der XXL-Länderspielpause nun drei Wochen Zeit, an diesen zu arbeiten. Danach folgen drei Auswärtsspiele in Serie in Paderborn, Bratislava und Hamburg, ehe Atletico Madrid nach Stuttgart kommt.

Noch ist nicht viel passiert beim letztjährigen Tabellenvierten, erst recht unter Berücksichtigung des schwierigen Auswärtsprogramms. Aber der Turnaround - im Börsenjargon ein Bullenmarkt - muss in den nun folgenden Partien geschafft werden. Sonst ist spätestens dann richtig Druck auf dem Stuttgarter Kessel und eine lang anhaltende Baisse droht.

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Johann Schicklinski