Fußball | Meinung

Contra Verkauf von Nick Woltemade: Der VfB Stuttgart macht alles richtig

Das Transfer-Hickhack um Nick Woltemade nimmt keine Ende. Der FC Bayern will den Nationalstürmer unbedingt verpflichten, der VfB Stuttgart möchte ihn behalten. Die Schwaben machen in diesem Pokerspiel alles richtig, sagt SWR-Sportredakteur Kersten Eichhorn.

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Von Autor/in Kersten Eichhorn

Irgendwie erinnert mich das Gefeilsche um Nick Woltemade an die Geschichte mit dem Staubsaugervertreter, der unbedingt den Fuß in die Wohnungstür bekommen will, um dahinter ein lohnendes Geschäft abzuschließen. Der allerdings am resoluten Hauseigentümer scheitert, weil der nichts benötigt und ihm partout keinen Eintritt in die gute Stube gewährt.

VfB-Tür bleibt zu für Eberl und die Bayern

Ähnlich verhält es sich in unserem realen Fall. Da stehen die Bayern-Granden um Chefeinkäufer Max Eberl seit Wochen mit dem dicken Geldkoffer vor dem Eingang des VfB-Clubhauses, wo ihnen von Alexander Wehrle und Fabian Wohlgemuth standhaft der Zugang verweigert wird. Die Stuttgarter wollen die Tür keinen Spalt breit öffnen, wollen sich nicht persönlich mit den Münchner Unterhändlern zusammensetzen. Schon gar nicht, wenn es um ihr "Tafelsilber" namens Woltemade geht.

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Man weiß ja nie wie das endet, wenn der ungebetene Gast erstmal Platz genommen hat und nur dann wieder das Wohnzimmer verlassen will, wenn er erfolgreich war. Man gibt nach.

Das Festgeldkonto der Münchner zieht nicht mehr

Die bisherige Stuttgarter Blockade-Politik ist für mich absolut richtig und nachvollziehbar. Der VfB lässt die Bayern immer wieder kalt abblitzen. Treibt den Preis geschickt immer weiter in die Höhe. Eine völlig ungewohnte Situation für die inzwischen frustrierte Finanz-Prominenz von der Isar. Die konnte sich mit ihrem berühmten Festgeldkonto im Rücken in den vergangenen 30 Bundesliga-Jahren im Handstreich alles leisten und erkaufen, was ihnen gut genug erschien und gleichzeitig unliebsame Konkurrenten schwächte. Frag nach in Karlsruhe, Mönchengladbach, Bremen, Dortmund. Auch der VfB musste - man denke nur an Mario Gomez - schon reichlich Stars Richtung München ziehen lassen.

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Kein Bückling vor den Bayern

Jetzt aber hat sich der Wind erstmals gedreht im Schwabenland. Da ist nichts mehr mit Bückling vor den Bayern, sobald von der Isar ein Angebot Richtung Neckar flattert. Im Aufwind des jüngsten sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgs bietet Pokalsieger Stuttgart den Münchnern endlich wehrhaft die Stirn. Wehrle & Co. wollen die sportliche Substanz des Teams erhalten, und dazu zählt unbedingt auch der Verbleib des großgewachsenen Jung-Nationalstürmers als einer der Eckpfeiler der Zukunft.

Wenn schon Woltemade weg, dann nur bei einem außergewöhnlichen Angebot, heißt es. Dazu zählten die bislang von den Bayern gebotenen Summen zwischen 50 und 60 Millionen Euro jedenfalls nicht. Der VfB bewegt sich bislang keinen Zentimeter. Und das ist gut so.

Die Faktenlage ist eindeutig

Den Stuttgartern aus ihrer Standhaftigkeit jetzt einen moralischen Strick drehen zu wollen, ist für mich völlig daneben. Der VfB will zu Recht nicht verkaufen. Zumal schon allein die Faktenlage für die Schwaben spricht: Der Verein besitzt bekanntlich einen rechtsgültigen Vertrag mit dem wechselwilligen Spieler Woltemade, der noch satte drei Jahre bis 2028 Bestand hat. Ohne jede Art von Ausstiegsklausel.

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Berater und Spieler wurden 2024 sicherlich nicht zur Unterschrift unter das für damalige Verhältnisse gut dotierte Stuttgarter Arbeitspapier genötigt. Zumal auch andere Vereine aus dem Südwesten den ablösefreien Ex-Bremer gerne verpflichtet hätten, mit dem VfB-Angebot allerdings nicht Schritt halten konnten. Den Anspruch, jetzt aus der im letzten halben Jahr gelungenen sportlichen Weiterentwicklung in Stuttgart einen Wechsel zum FC Bayern herzuleiten, gibt es nicht. Zumal auch in Stuttgart Titel gewonnen werden und international gespielt wird.

Bleibt der VfB weiter standhaft?

Dazu kommt, dass das Werben der Bayern um Nick Woltemade nicht unbedingt gentlemenlike ablief. Die erfolgreichen Verhandlungen mit der Spielerseite sollen - wie man hörte - hinter dem Rücken des VfB stattgefunden haben, die Stuttgarter vor vollendete Tatsachen gestellt worden sein. Die aber machen das unschöne Spielchen einfach nicht mit, lassen sich - Stand jetzt - nicht vorschnell zum Verkauf treiben. Da bleibt man gerne mal stur. Zumal der Marktwert des Angreifers bei gleichbleibenden Leistungen im VfB-Dress und einer guten WM 2026 weiter steigen würde. Der Spieler Woltemade ist für den VfB also auch eine prima Wertanlage. Zumal auch ein Nachfolger ziemlich teuer wäre.

Tür auf bei 75 Millionen

Noch sind es zweieinhalb Wochen bis zum Transferschluss am 1. September. Noch könnten die Münchner - was ich vermute - den Woltemade-Poker Richtung der gewünschten 75 Millionen drehen. In diesem Fall könnte der VfB den hartnäckigen Bayern-Vertretern dann doch die Tür weit öffnen und dem Verkauf von Nick Woltemade zustimmen. Die Schwaben würden sich zwar von einem ihrer hoffnungsvollsten Spieler verabschieden, hätten mit dem Rekordtransfer den Bayern aber mal so richtig auf den Zahn gefühlt und die (finanziellen) Lederhosen ausgezogen.

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Kersten Eichhorn