Fußball | Meinung

Transferposse: Der Berater von Nick Woltemade wirkt nicht gut beraten

Drei Tage vor dem Supercup zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München gibt Danny Bachmann, der Berater von Nick Woltemade, Interna aus den Transferverhandlungen preis. Seine Aussagen findet SWR Sportredakteur Johann Schicklinski irritierend.

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Stand

Von Autor/in Johann Schicklinski

Nur wenige Stunden nach einer Verhandlungsrunde zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München über einen möglichen Transfer von Nick Woltemade hat sich Danny Bachmann, Woltemades Berater, mit deutlichen Worten an die Deutsche Presse-Agentur (dpa) gewendet und die VfB-Verantwortlichen harsch kritisiert.

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Eine bemerkenswert forsche Vorgehensweise des Beraters - und das bereits zum zweiten Mal. Bereits Mitte Juli hatte sich der 48-Jährige mit deutlichen Worten in Richtung VfB zu Wort gemeldet. Auch damals war die Agentur das Sprachrohr seiner Wahl.

Eine dreiste Forderung

Wenn ich mir die aktuellen Äußerungen Bachmanns im Wortlaut anschaue, bin ich irritiert. Der Berater erinnert an eine vermeintliche Zusage seitens der Verantwortlichen der Schwaben für ein "lösungsorientiertes Vorgehen". Diese Forderung finde ich spannend, schließlich hat der VfB Ende Juni über eine Zusage von Woltemade für einen Wechsel zu den Bayern aus der Presse erfahren. War das damals etwa "lösungsorientiert"?

Bachmann bezeichnet das Vorgehen der VfB-Verantwortlichen als "fragwürdig". Ich wiederum finde es fragwürdig, nur wenige Stunden nach einer Verhandlungsrunde zwischen den beiden Klubs Details öffentlich zu machen, inklusive der Zahlen des neuen Angebots.

Der VfB Stuttgart will Nick Woltemade nicht abgeben

Die angebliche VfB-Ablöseforderung in Höhe von 75 Millionen Euro nennt Bachmann "marktfremd". Ich frage mich, was soll "marktfremd" sein - und was ist "marktgerecht"? Woltemade ist deutscher Nationalspieler, er ist noch jung, besitzt großes Entwicklungspotenzial und vor allem steht er noch bis 2028 beim VfB Stuttgart unter Vertrag.

Die Cannstatter haben keinerlei Handlungsdruck und haben noch dazu oft genug beteuert, Woltemade nicht abgeben, sondern mit ihm in die neue Saison gehen zu wollen. Die Schwaben haben hohe sportliche Ziele, für die der 1,98-Meter-Mann ein wichtiger Faktor ist. Noch dazu gibt der Markt meines Erachtens die Preise her - man schaue sich etwa die Wechsel von Hugo Ekitiké (für rund 95 Millionen von Eintracht Frankfurt zum FC Liverpool) oder Benjamin Sesko (für ca. 90 Millionen Euro von RB Leipzig zu Manchester United) an.

Sich auf Absprachen zu berufen, etwa aus dem Frühjahr 2024, als Woltemade noch bei Werder Bremen spielte (oder auf der Bank saß), finde ich zudem schwierig. Warum hat er diese Absprachen als Woltemades Berater damals nicht vertraglich festhalten lassen? Etwa in Form einer Ausstiegsklausel? Vermutlich hat der 48-Jährige nicht mit der explosionsartigen Entwicklung seines Klienten gerechnet.

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Bachmann, so mein Eindruck, versucht seit Wochen, den VfB Stuttgart unter Druck zu setzen und vor vollendete Tatsachen zu stellen, um seinem Klienten den Sprung zum Topklub FC Bayern zu ermöglichen. Ich finde: Auch in Stuttgart, beim aktuellen DFB-Pokalsieger, hat Woltemade eine gute Bühne, sich weiter entwickeln zu können. Unter anderem in der Europa League kann sich der Angreifer für die WM 2026 empfehlen. Schafft er das, ist der Wechsel zu einem Verein aus dem obersten Regalfach immer noch möglich. Die aktuelle Bayern-Offerte ist keine "Once in a lifetime"-Chance.

Gespannt auf Reaktion der VfB-Fans

Leid tut mir bei der ganzen Sache der Spieler selbst. Woltemade sitzt aktuell zwischen den Stühlen und macht aus seiner Gemütslage kein großes Geheimnis, auch wenn er sich weiter professionell verhält. Der 23-Jährige will wechseln - nun hat sich durch die Aussagen seines Beraters die Situation zugespitzt. Ich bin gespannt auf die Reaktion der VfB-Fans am Samstag (20:30 Uhr) beim Supercup gegen die Bayern.

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Bachmann hat mit der Veröffentlichung der Verhandlungsdetails noch einmal kräftig Öl ins Feuer gegossen. Der Höhepunkt einer Transferposse, die jetzt seit Ende Juni anhält. Und die mich zu dem Fazit kommen lässt: Nick Woltemades Berater wirkt auf mich bislang selbst nicht sonderlich gut beraten.

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Johann Schicklinski