Boxen

Zwischen Hörsaal und Ring: Boxer Ayman Oudriss kämpft für seinen Traum

Der 21-jährige Mainzer Ayman Oudriss führt ein Leben zwischen Studium, Arbeit und Boxring. Mit Disziplin und durchgeplantem Tagesablauf will er es nach ganz oben schaffen.

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Während andere Studierende noch schlafen, steht Ayman Oudriss schon im Boxring. Frühtraining, dann Vorlesung, danach ins Autohaus. Ein Leben im Dauerlauf.

Der 21-Jährige aus Mainz-Kastel hat gerade seine Profi-Lizenz als Boxer bekommen. Erst im Sommer feierte er sein Debüt, Ende Oktober steht schon der nächste Kampf an. Dazwischen liegen acht Trainingseinheiten pro Woche, BWL-Vorlesungen an der Uni Mainz und 30 Arbeitsstunden.

Boxen ist für ihn mehr als Sport: Es ist Ventil und Balance zugleich. "Wenn du mal einen schlechten Tag hast und dann eine Einheit Sparring hast - dir geht es danach viel besser, egal wie schlimm der Tag war", sagt Oudriss im Gespräch mit SWR Sport.

Vom Problemkind zum Kämpfer

Geboren in Wiesbaden, aufgewachsen in Mainz-Kastel: Oudriss war lange nicht der disziplinierte Athlet, der er heute ist. Vier Schulen in wenigen Jahren, Ärger auf dem Pausenhof, Prügeleien. "Ich hab mich schon sehr, sehr oft in meiner Jugend geprügelt und eine gewisse Liebe zum Kämpfen entwickelt", erzählt er.

Mit 14 betritt er zum ersten Mal einen Boxclub - ein Wendepunkt. Aus Wut wird Wille, aus Kämpfen wird Kontrolle. "Das Boxen hat mich, was meine Persönlichkeit betrifft, auf ein viel besseres Niveau gebracht. Seit meinem allerersten Trainingstag hab ich mich draußen kaum noch geprügelt."

Was als Ablenkung begann, wird schnell zur Leidenschaft. Oudriss merkt, dass ihn der Sport verändert: Disziplin, Fokus, Durchhaltevermögen. Eigenschaften, die ihm später auch in Schule und Studium helfen. Nach anfangs schlechten Aussichten schafft er noch sein Abitur.

Der Aufstieg zum Profi

Sein erster Amateurkampf 2020: ein Sieg. Dann noch einer. Und noch einer. 31 Erfolge in 34 Kämpfen - eine Bilanz, die ihn schnell in die Elite seines Sports katapultiert. Doch statt großspurig aufzutreten, bleibt der Athlet realistisch. "Ich bin kein Tagträumer, ich bin ein realistischer Mensch. Eine Verletzung kann dich direkt aus der Laufbahn werfen, und dann sitzt du da – ohne nichts. Das wäre meiner Familie gegenüber egoistisch."

Deswegen absolviert Oudriss ein duales BWL-Studium in Mainz. Den Praxis-Teil macht er in einem Autohaus in Rheinhessen. Verträge aufsetzen, Kundengespräche führen, Entscheidungen treffen - ein Kontrastprogramm zum Ring, aber eines, das ihm gefällt. "Besonders Spaß macht mir, dass das Ganze dual ist – ich kann das, was ich in der Theorie lerne, direkt im Betrieb anwenden," sagt er.

Ring, Studium, Arbeit - das "Soldatenleben"

Im Juni 2025 wagt er den Schritt zu den Profis. Auch dort gewinnt er direkt – und spürt, dass sein Traum plötzlich greifbar wird. Sein Trainer Nail Kocabas glaubt fest an ihn. "So Gott will, wird er Weltmeister. Ich glaube zu 100 Prozent an ihn, sonst würde ich nicht mit ihm arbeiten," sagt Kocabas.

Sein Leben organisiert er auf die Minute genau: morgens Training, dann Uni oder Arbeit, abends wieder Training. Sonntag ist "aktive Regeneration": Laufen, Dehnen, Schlaf nachholen. Oudriss nennt es sein "Soldatenleben".

Ende Oktober steht sein nächster Profi-Kampf an - in Wiesbaden, da, wo alles für ihn begann. Für den Boxer ein besonderes Heimspiel. Schritt für Schritt arbeitet er daran, sich weiterzuentwickeln, um irgendwann auch mal den Ring auf der ganz großen Bühne zu betreten: am Liebsten in der Glitzerstadt Las Vegas. An seiner Seite: All die Menschen um ihn herum, die ihn bis hierher gebracht haben.

Erstmals publiziert am
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Onlinefassung
Leon Doumen
Das Interview führte
Yasmina Gad