Basketball | Bundesliga

Perfekter Saisonstart der Gladiators Trier: Fünf Gründe für den Erfolg

Drei Siege in den ersten drei Partien: Als Aufsteiger mischen die Gladiators Trier gerade die Basketball-Bundesliga (BBL) auf. Ein Erfolg, für den es gute Gründe gibt.

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Von Autor/in David Luding

Vor Beginn der BBL-Saison 2025/2026 waren sich die meisten Experten in Deutschland einig: Als Aufsteiger geht es für Trier nur um den Klassenerhalt, mit einem der niedrigsten Etats der Liga werden die Gladiators im unteren Tabellendrittel zu finden sein. Die Situation im Moment ist aber eine ganz andere: Die Moselstädter sind eines von noch fünf ungeschlagenen Teams, stehen auf Tabellenplatz vier. Nach dem Pokal-Auftaktsieg in Tübingen gewannen die Trierer auch die ersten drei Partien in der Bundesliga. Es folgen fünf Gründe, die diesen Traumstart - zumindest teilweise - erklären.

Aufstiegs-Euphorie

Die Trierer haben es geschafft, den Schwung aus der Aufstiegssaison mitzunehmen - auf und neben dem Parkett. Gut vier Monate nach der langersehnten Bundesliga-Rückkehr und der sensationellen Zweitligameisterschaft ist die Basketball-Euphorie an der Mosel ungebrochen. Bei den zwei bisherigen Heimspielen war die Arena picke packe voll, die Fans trugen ihre Gladiators auch dann, wenn es gegen Rostock und Bamberg mal knifflig wurde.

Ein eingespieltes Team

In diesen kniffligen Situationen zeigte sich auch, dass Trier ein eingespieltes Team ist und in schwierigen Momenten zusammensteht. Die Gladiators haben ihre Mannschaft im Sommer weitestgehend zusammengehalten, ein großer Teil des Teams spielt sogar schon das dritte Jahr zusammen. Dass die meisten Akteure sich so gut kennen, ist bisher vor allem in der Verteidigung ein großer Vorteil. Acht von zehn Spielern, die bisher relevante BBL-Minuten bekamen, waren schon in der 2. Liga für Trier auf dem Parkett.

Viele Aufstiegshelden mit großem Entwicklungsschritt

Bei vielen Experten hatte genau das ursprünglich für Zweifel gesorgt. Sie stellten in Frage, ob Zweitligaspieler in der BBL bestehen können. Im Fall der Gladiators muss das aber differenziert betrachtet werden. Zum einem hatte Trier im vergangenen Jahr schon einen für die 2. Liga äußerst starken Kader (2024/2025: 34 Siege in 43 Spielen, inklusive Playoffs), zum anderen haben viele Spieler, die jetzt noch da sind, einen entscheidenden Schritt in ihrer Entwicklung gemacht.

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Jordan Roland zum Beispiel übernimmt im Angriff mehr Verantwortung als in der Vorsaison, war beim sensationellen Auswärtssieg in Berlin mit 24 Punkten der Erfolgsgarant. Der 28-jährige US-Amerikaner agiert in der BBL bisher furchtlos, nimmt im Trierer Team die meisten Würfe und erzielt knapp 19 Punkte pro Spiel.

Auch Nolan Adekunle und Evans Rapieque zeigen nochmal stärkere Leistungen als im Vorjahr. Dass die beiden gebürtigen Berliner quasi BBL-Neulinge sind, ist ihnen nicht anzumerken. Flügelspieler Marco Hollersbacher, der sich ebenfalls sehr gut entwickelt hat, brachte es nach dem Sieg am 2. Spieltag in Berlin bei Dyn auf den Punkt: "Wir haben das Mindset, dass wir keine Zweitligaspieler mehr sind. Wir sind jetzt BBL-Spieler und gehen zu jedem Spiel mit Selbstbewusstsein."

Die Neuzugänge liefern

Am fabelhaften Saisonstart haben aber auch die Neuzugänge großen Anteil. Mit Eli Brooks und Urald King sind bisher zwar nur zwei Neue in der Rotation von Trainer Jacques Schneider, beide scheinen aber schon früh in der Saison unverzichtbar zu sein. Eli Brooks ist der neue Anführer im Team, lenkt und leitet die Offensive. Der 1,85 Meter große US-Amerikaner ist bisher nicht nur bester Werfer (19,7 Punkte pro Spiel) sondern auch der Top-Vorlagengeber (4,7 Assists) der Gladiators. In entscheidenden Phasen übernimmt Brooks Verantwortung, behielt beispielsweise gegen Bamberg in der Verlängerung die Nerven an der Freiwurflinie und sicherte so den Sieg.

Urald King ist der Trierer, der in den bisherigen drei BBL-Partien die meisten Minuten gespielt hat (27:58 Minuten im Schnitt). Der bullige Flügelspieler überzeugt vor allem mit seiner Physis und Erfahrung. Er holt gemeinsam mit Kapitän Maik Zirbes die meisten Rebounds (6,3 pro Spiel), ist nach Brooks und Roland der drittbeste Werfer (11,0 Punkte). King hat sich auch neben dem Basketball-Parkett wunderbar ins Team eingefügt, gleiches gilt für Brooks.

Der Steuermann des Erfolgs: Trainer Jacques Schneider

Die gute Harmonie innerhalb des Kaders ist mit ziemlicher Sicherheit auch auf Trainer Jacques Schneider zurückzuführen. Der 33-Jährige ist die dritte Saison in Trier, die zweite als Headcoach. Schneider gilt als eines der größten deutschen Trainertalente, leistet an der Mosel bisher hervorragende Arbeit.

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In der Verteidigung lässt er sehr variabel spielen, probiert dabei, die Räume für die Gegner möglichst eng zu machen. Im Angriff spielen die Trierer bisher auffällig schnell. Egal ob der Gegner den Korb verfehlt oder trifft, die Gladiators versuchen so gut wie immer, in den Schnellangriff zu gehen und so verhältnismäßig einfache Punkte zu ergattern. Eine kräftezehrende Spielweise, auf die Schneider sein Team aber offenbar gut vorbereitet hat. Trier wirkt fit, hält physisch in der BBL sehr gut mit.

Natürlich werden die Gladiators über 34 Spieltage nicht bei einer Siegquote von 100% bleiben. Die anderen Teams werden Trier nicht unterschätzen, werden sich auf Spielweise und Spieler jetzt genauer vorbereiten. Die bisherigen Siege und den sensationellen Start können den Gladiators aber nicht mehr genommen werden. Sie stehen zu Buche, sind ein ungemein wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt. Denn trotz aller Euphorie: Am Ende wird es für Trier, ein Team mit verhältnismäßig niedrigem Budget, höchstwahrscheinlich doch genau darum gehen: den Klassenerhalt.