Baustelle Sport

Ohne Sportstätten kein Sport: Aber wer zahlt?

Sport ist enorm wichtig, sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft. Darin sind sich alle einig. Aber Geld fehlt an allen Ecken und Enden - und das hat gravierende Folgen.

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Stand

Bei den Sportstätten in Deutschland gibt es derzeit einen Investitionsstau von mindestens 31 Millarden Euro. Knapp neun Prozent aller Sportplätze und Sporthallen sowie nahezu 30 Prozent der Hallen- und Freibäder in Deutschland sind laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) innerhalb der nächsten drei Jahre von Schließung bedroht, wenn sie nicht saniert werden. Aber es fehlt an Geld.

Stützbalken für die alte Halle

Da sind Ideen und viel ehrenamtliches Engagement gefragt wie beispielsweise beim TV 03 Selzen, dessen vereinseigene Halle fast hundert Jahre alt ist und schon vor dem Abriss stand. Nun stützen Balken die Außenwand der Turnhalle.

"Die Balken haben uns erstmal gerettet, so dass wir nicht schon vor zehn Jahren haben schließen müssen", erklärt Klaus-Jörg Grundstein, 1. Vorsitzender des TV 03 Selzen. "Es ist aber auch nur ein Provisorium. Es ist zweckmäßig und hält die Halle offen. Wir können unseren Turnbetrieb aufrecht erhalten, aber es ist keine Dauerlösung." Eine neue interkommunale Halle - zusammen mit umliegenden Gemeinden - war schon geplant. Der Neubau aber scheiterte, Fördergelder verfielen, der TV Selzen mit seinen 400 Mitgliedern stand vor dem Aus.

"Wenn die Halle geschlossen worden wäre, wäre das das Aus für den Verein gewesen. Natürlich hätte man sich noch ein bisschen behelfen können mit Nachbarhallen in Nachbargemeinden. Aber langfristig wäre das der Tod des Vereins gewesen", ist Grundstein, auch Mitglied im Gemeinderat Selzen, überzeugt. Das wiederum hätte vielerlei Auswirkungen auf die Gemeinde gehabt.

Vereine halten Gemeinschaft zusammen

Sportvereine leisten schließlich einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt, zur Bildung, zur Gesundheitsvorsorge und sind maßgeblich für die soziale Integration. In Deutschland gibt es rund 86.000 Sportvereine mit über 28 Millionen Mitgliedern. Fast jeder Zweite unter 19 Jahren ist Mitglied in einem Sportverein. An diesen Zahlen lässt sich erkennen, dass Sportvereine gerade in der Jugendarbeit einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl leisten.

"Die Vereine und die Sportler sind die gesellschaftliche Klammer. Wir wünschen uns natürlich, dass viele neue Hallen gebaut und die bestehenden Hallen saniert werden, dass die Politik uns da unterstützt", appelliert Klaus Kuhn, Präsident des Sportbundes Rheinhessen.

Dringend benötigtes Geld für Sportstätten fehlt

Aber den Gemeinden fehlt das Geld. Laut Difu sind in jeder zweiten Kommune schon Sportangebote wegen des baulichen Zustands einzelner Sportstätten ausgefallen. Eine von fünf Kommunen hat einzelne Sportstätten sogar komplett aus dem Betrieb genommen. Die Finanzierung von Sportstätten gehört zu den freiwilligen Aufgaben der Gemeinden. In Zeiten klammer Kassen wird dann an dieser Stelle häufig zugunsten der Pflichtaufgaben gespart.

Die Länder haben natürlich Fördertöpfe. So stellt Baden-Württemberg jährlich rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Doch die Antragstellung ist kompliziert - zu kompliziert für viele Vereinsvertreter. "Man kriegt Geld, aber bis man an dem Punkt ist, den Antrag zu stellen, dauert es. Alles einzuhalten und richtig zu machen, ist extrem schwierig", sagt Carsten Piontek, Sportvorstand der SG Nellingen.

Dort müsste das Vereinsheim für mehr als eine Million Euro saniert werden, doch die Anträge für die Zuschüsse sind noch nicht eingereicht. Piontek würde sich mehr Unterstützung von der Landesregierung wünschen und einen leichteren Zugang zu Fördergeldern.

Selbsthilfe als Schlüssel zum Erfolg

Der Breitensport-Verein in Selzen hat sich selbst geholfen. Eigenleistung und faire Preise der lokalen Handwerker waren die Grundlage für die Sanierung der Halle. Pragmatismus statt Innovation lautete das Motto.

"Kleinere Einschränkungen im Betrieb gibt es, weil es immer noch eine alte Halle bleibt. An den Ringen darf man beispielsweise mit einem maximalen Gewicht von 60 Kilo hängen. Oder bei Windstärke acht sollte man gucken, dass der Turnbetrieb eingestellt wird", erzählt Grundstein. Trotzdem, beim TV Selzen sind sie froh, dass sie hier in der Halle gerade überhaupt Sport machen können.

Erstmals publiziert am
Stand
Ein Film von
Kira Rutkowski
Michael Bollenbacher
Redakteur/in
Alexandra Waidner