Bei hochsommerlichen Temperaturen war das Fahrerfeld bereits gegen 12:15 Uhr auf den 197,5 Kilometer langen Rundkurs um das rheinland-pfälzische Örtchen Linden gegangen. Nach nur wenigen Metern musste der Ravensburger Mitfavorit Emanuel Buchmann (Cofidis) bereits wieder absitzen - ein Defekt an seinem Rad zwang den ehemaligen Viertplatzierten der Tour de France zu einer kurzen Pause. Glücklicherweise war der scharfe Start zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht offiziell erfolgt, nach einiger Verwirrung im Peloton aufgrund des zu früh herausgefahrenen Führungsfahrzeugs bremste die Rennleitung die Fahrer nach dem ersten Anstieg wieder ein und neutralisierte das Rennen wieder. Buchmann fand nach seiner Schrecksekunde deshalb schnell wieder zurück ins Hauptfeld. Dennoch hatte das Chaos zum Start für einigen Unmut im Fahrerfeld gesorgt.
Bereits nach rund 17 Kilometern fand sich die erste Ausreißergruppe zusammen, die bald eine runde Minute Vorsprung herausfahren konnte. Jonathan Rottmann und Jermaine Zemke (beide Rembe-rad-net), Ian Kings (Visma-Lease a Bike Development), Tobias Nolde (Benotti-Berthold) und Heiko Homrighausen (Embrace The World) hielten den Abstand auf immer wieder wechselnde Verfolgergruppen für lange Zeit konstant. Eine Tempoverschärfung von Nils Politt (UAE Team Emirates-XRG) sorgte 148 Kilometer vor dem Ziel dann aber doch für den Zusammenschluss.
Viele Ausreißversuche ohne Erfolg
In der Folge entwickelte sich ein munteres Rennen mit vielen Ausreißversuchen, die jedoch immer wieder aus dem Hauptfeld pariert und gekontert wurden. Eine wirklich aussichtsreiche Spitzengruppe wollte sich lange nicht finden.
So dauerte es bis 57 Kilometer vor dem Ziel, ehe sich eine sechsköpfige Gruppe um die Mitfavoriten Buchmann und Maximilian Schachmann (Soudal Quick-Step) absetzen konnten. Komplettiert wurde das Sextett durch Anton Schiffer (BIKE AID), Tim Torn Teutenberg (Lidl-Trek), Nico Denz und Jonas Koch (beide Red Bull-Bora-hansgrohe). Letztere drei konnten das hohe Tempo an der Spitze aber bald nicht mehr mitgehen. Auf die verbliebenen 30 Kilometer gingen Buchmann, Schachmann und Schiffer daher als Trio.
Entscheidung fällt auf der letzten Runde
An der Rennspitze änderte sich auch in den folgenden Kilometern nichts. Die Verfolger kamen nicht näher heran, die drei Führenden hingegen machten zunächst keine Anstalten, sich gegenseitig zu attackieren.
Die Entscheidung sollte auf der letzten Runde fallen. 18 Kilometer vor dem Ziel verschärfte Buchmann an einem Anstieg kaum merklich die Geschwindigkeit. Schachmann, der bereits zuvor sehr aktiv gewesen war, bekam deutlich Probleme durch die Tempoverschärfung. Schiffer hingegen hielt das Hinterrad des Ravensburgers. Beinahe zeitgleich erhöhte eine Verfolgergruppe um Lennard Kämna (Lidl-Trek), Felix Engelhardt (Team Jayco AlUla), Florian Stork (Tudor) und Georg Zimmermann (Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux) ihrerseits das Tempo.
Verfolger um Kämna und Zimmermann stellen die Spitzengruppe
Der Vorsprung des Führungsduos hielt nicht lange. Kurz nach Ende des Anstiegs wurde Maximilian Schachmann von den Verfolgern überholt, kurz darauf holte das Quartett auch das Führungsduo ein - der deutsche Meister sollte aus der daraus entstandenen Sechsergruppe entspringen. Schachmann konnte nicht mehr folgen und fiel zurück.
Die letzten zehn Kilometer waren geprägt von kurzen Attacken, mehrmals versuchten Fahrer aus der Spitzengruppe wegzufahren, wurden von ihren Kontrahenten aber ein ums andere Mal gestellt. So fuhr das Sextett am Ende geschlossen auf den letzten Anstieg zu.
Dort probierte der Ulmer Engelhardt sein Glück. Mit einem explosiven Antritt versuchte der 24-Jährige die Vorentscheidung zu erzwingen. Buchmann konnte nicht mehr folgen und fiel zurück, Engelhardt drückte weiter aufs Tempo und schaffte es mit Zimmermann am Hinterrad eine Lücke zu reißen. Mit einem Vorsprung von wenigen Sekunden gingen die beiden auf die Zielgerade. Dort hatte Georg Zimmermann dann hauchdünn die Nase vorne und durfte die Arme hochreißen. Der deutsche Meistertitel 2025 ging nach Augsburg.
Georg Zimmermann erfüllt sich einen Traum
"Ich wollte immer mal eine Tour-de-France-Etappe gewinnen, ich wollte immer mal an Olympischen Spielen teilnehmen und ich wollte immer mal Deutscher Meister werden", erklärte der Sieger nach dem Rennen am SWR-Mikrofon. "33 Prozent meiner Ziele habe ich heute abgedeckt", grinste der 27-Jährige verschmitzt.
Bei der anstehenden Tour de France könnte der Augsburger bereits weitere 33 Prozent hinzufügen - dann sogar im Trikot des deutschen Meisters.