Überglücklich und erleichtert fiel Moritz Treffinger am Donnerstagabend Hengst Fiderdance um den Hals, gab ihm ein Küsschen und ließ sich, aber vor allem sein Pferd vom Publikum feiern. Und auch am Samstagabend nach der Kür wurde es emotional. "Wir sind keine Einzelsportler, sondern wir sind ein Team mit dem Pferd", erklärt er im Interview mit SWR Sport. "Ich brauche meinen Sportpartner und dementsprechend gehört der Applaus eigentlich auch vielmehr den Pferden, weil sie Höchstleistungen für uns erbringen."
Moritz Treffinger: Debütant beim Weltcup-Finale in Texas
Die erste Prüfung beim Weltcup-Finale in Fort Worth war der Grand Prix am Donnerstagabend texanischer Zeit. Am Samstagabend folgte dann die Kür. Moritz Treffinger, der ursprünglich aus der Nähe von Karlsruhe kommt, ist mit seinen 22 Jahren der jüngste Teilnehmer und einer der Debütanten. Dass er sich in seiner ersten Weltcup-Saison direkt für das Finale qualifizieren konnte, fühlt sich für ihn "total surreal" an. Im Oktober vergangenen Jahres hatte er im dänischen Herning seine Weltcup-Premiere gefeiert und erste wichtige Punkte für die Final-Qualifikation gesammelt.
Ich lebe gerade meinen Kindheitstraum.
Nur wenige Wochen später startete er dann vor heimischer Kulisse bei den Stuttgart German Masters. "Man sieht an meinem Grinsen: Es ist so verrückt. Ich lebe gerade einfach meinen Kindheitstraum und es ist so unbeschreiblich, dass ich das gerade machen darf", erzählte Moritz Treffinger, der schon auf dem Pferd saß, bevor er überhaupt geboren wurde. "Meine Mama ist früher selbst sehr erfolgreich geritten und hat mir auch gesagt, dass sie noch bis kurz vor der Entbindung mit mir im Bauch geritten ist."
Moritz Treffinger ist in Oberderdingen (Kreis Karlsruhe) zusammen mit Pferden aufgewachsen. Egal ob im Stall oder zuhause: "Es war Pferd, Pferd, Pferd von morgens bis abends", gesteht der 22-Jährige, der mittlerweile sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Seit knapp drei Jahren ist er Chefbereiter auf dem Gestüt Bonhomme bei Potsdam. "Es hat lange gedauert, das zu realisieren, was ich da jetzt machen darf." Er sei aus tiefstem Herzen dankbar für diese Chance, denn: "Ich glaube, dass es nicht selbstverständlich ist, einem jungen, noch recht unerfahrenen Reiter so eine Chance und so ein Vertrauen entgegenzubringen."
Grand Prix in Texas: Moritz Treffinger reitet auf Platz sechs
Ohne Vertrauen und Teamwork gehe beim Reiten sowieso nichts, erzählt Moritz Treffinger. Auch in Texas ist unter anderem Pflegerin Gina-Marie Mutz mit vor Ort. "Ohne sie würde es nicht laufen. Gina kümmert sich um das Wohlergehen der Pferde und hält mir unheimlich den Rücken frei, so dass ich mich aufs Reiten fokussieren kann." Und da gilt es, besonders schön bei auszusehen: "Wir reiten Dressur, da sieht das Auge mit. Ich sage immer: Solange mein Pferd tipptopp aussieht, liegt es nur noch an mir, dass ich abliefere."
Das mit dem Abliefern hat im Grand Prix direkt gut funktioniert: Mit 71,109 Prozent kamen Moritz Treffinger und Hengst Fiderdance auf Platz sechs und waren damit das beste deutsche Paar. "Danke Fidel, danke Gina und dem gesamten Team", schrieb der 22-Jährige danach auf seinem Instagram-Account und konnte es kaum glauben.
Lob für Treffinger von Bundestrainerin Theodorescu
"Moritz ist auf Wolke sieben und das total berechtigt. Es war ganz, ganz toll für ihn und das freut mich ganz besonders", resümierte Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu.
In der Kür am Samstagabend texanischer Zeit gab es für Moritz Treffinger und Hengst Fiderdance dann 77,360 Prozent - Platz acht. Der Sieg im Weltcup-Finale ging an die Britin Becky Moody. Für Raphael Netz, den zweiten deutschen Reiter im Starterfeld, wurde es Rang fünf.