Schach

Chess Open in Karlsruhe: Neuer Anreiz auch für Großmeister Vincent Keymer

Vom 2. bis 6. April trifft sich die Schach-Szene in Karlsruhe. Mit dabei sind auch Weltmeister Magnus Carlsen und Vincent Keymer aus Saulheim bei Mainz.

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Von Autor/in Mathis Hartenfeller

An diesem Osterwochenende verwandelt sich die Schwarzwaldhalle in der Karlsruher Innenstadt zum siebten Mal zum Zentrum der Schachszene. Mehr als 50.000 Schachfiguren werden für das weltweit größte Freestyle-Open-Turnier aufgestellt. "Open" bedeutet dabei, dass grundsätzlich jeder teilnehmen kann - Amateure und Profis, bis hin zu den Besten der Welt. Aktuell sind mehr als 3.900 Spielerinnen und Spieler aus aller Welt gemeldet. Sie treten entweder im klassischen Schach oder seit 2025 im Freestyle-Modus gegeneinander an.

Einer freut sich dabei besonders auf Freestyle-Schach: Der Weltmeister und für viele der beste Schachspieler aller Zeiten, Magnus Carlsen (Norwegen). Er ist auch in diesem Jahr wieder dabei und zählt neben dem aus aus Saulheim bei Mainz stammenden Vincent Keymer zu den Favoriten.

Freestyle Schach – verdrehte Welt auf den Brettern

Beim Freestyle-Schach oder vormals "Chess960", sind die Figuren (auf den Grundreihen) zum Start der Partie zufällig aufgestellt. Es gibt, daher auch der ehemalige Name, 960 unterschiedliche Startkombinationen, die nur ganz wenigen Regeln folgen. Für die Chancengleichheit müssen beispielsweise die schwarzen Figuren spiegelbildlich zu den Weißen aufgestellt sein und die Türme dürfen nicht auf der gleichen Seite neben dem König stehen, um die Rochade in beide Richtungen zu ermöglichen.

Während klassisches Schach gerade bei den Profis, meistens aus vorgelernten Eröffnungen besteht und erst im Laufe der Partie Intuition und Kreativität gefragt sind, können beim Freestyle Schach nur ganz bedingt Züge "auswendig" gelernt werden. Für Magnus Carlsen, der in Deutschland für den FC St. Pauli an den Start geht, macht dieser Fakt "Freestyle einfach interessanter – und zwar von Beginn an".

Das Turnier schreibt seine eigenen Geschichten

Seit 2016 trägt das Schachzentrum Baden-Baden e.V. das Turnier in Karlsruhe aus. Damals noch mit knapp 940 Teilnehmenden, hat Schach auch in Deutschland seitdem einen echten Boom erlebt. Höhepunkt war 2018, als Vincent Keymer das Turnier sensationell gewinnen konnte. Er war damals erst 13 Jahre alt.

Kurz darauf wurde Keymer mit 14 Jahren und 11 Monaten zum jüngsten deutschen Großmeister aller Zeiten und gilt mittlerweile als einer der besten Freestyle-Schachspieler der Welt. So gewann er beispielsweise den ersten Freestyle-Chess-Grand-Slam (2025) in Weissenhaus an der Nordsee und ist für Karlsruhe an Listenplatz fünf gesetzt. Im Falle eines Sieges winkt ihm erstmals ein Ticket zur Freestyle-Schach-Weltmeisterschaft und ein Preisgeld von 60.000 Euro. Insgesamt ist das Turnier mit 215.000 Euro Preisgeld für Freestyle und 70.000 für Klassisches Schach dotiert.

Ein Teilnehmerfeld mit Bestbesetzung und einer heißen Personalie

Die Top 10 der Anmeldungsliste liest sich dabei wie eine Einladung zu einem Super-Großmeister-Turnier. Neben den genannten Carlsen und Keymer, sind unter anderem Ian Nepomniachtchi auf Listenplatz drei und die ebenfalls beim Freestyle-Grand-Slam in Weissenhaus gestarteten Levon Aronian (USA) und Nodirbek Abdusattorov (Uzbekistan) mit dabei.

Eine weitere heiß diskutierte Personalie ist der US-Amerikaner Hans Moke Niemann. Auch er hat sich mittlerweile in der Grand-Slam-Tour etabliert. Ihm hängt allerdings immer noch ein potentieller Betrugsskandal nach. Im September 2022 bezichtigte Magnus Carlsen den Kontrahenten des Betruges. Die größte Online-Schach-Website "Chess.com" veröffentlichte kurz darauf ein Statement mit Beweisen für Betrug durch Niemann. Niemann erklärte daraufhin, er habe als dummer Junge im Alter zwischen 12 und 16 Jahren tatsächlich online geschummelt. "Über dem Brett" bestreitet er die Vorwürfe. Das Verhältnis zu anderen Spielern, allen voran Magnus Carlsen, gilt seitdem als zerrüttet.

Wie im Schach betrogen wird und was man dagegen tun kann | SWR Sport

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Autor/in
Mathis Hartenfeller