Bera Wierhake liebt es an ihre Grenzen zu gehen. Als Kind ging sie zum Ballett und zum Reiten, probierte es mit Fußball. Bis sie mit 15 Jahren ihre Leidenschaft fürs Laufen und die Mittelstrecken entdeckte. "Ich liebe das Laufen", erzählt die Leichtathletin des VfB Stuttgart. "Ich glaube, es ist viel mehr als eine Leidenschaft mittlerweile. Mein Herz geht auf, wenn ich auf der Tartanbahn laufe."
Bei den World Transplant Games in Dresden peilte Bera Wierhake bereits ihren achten WM-Titel an - und lieferte gleich ab. Über 5.000 Meter gewann die Athletin am Dienstag mit einer Zeit von 17:30 Minuten in ihrer Altersklasse die Goldmedaille.
Dabei ist es alles andere als selbstverständlich, dass Wierhake voller Enthusiasmus ihren Laufsport ausüben kann. Eine etwa 30 Zentimeter lange Narbe an ihrem Bauch erinnert an ihren schwierigen Start ins Leben. Bei der kleinen Bera aus Zweiflingen (Hohenlohekreis) traten direkt nach der Geburt Komplikationen auf. Die Gallenflüssigkeit floss nicht richtig ab, die Leber drohte zu vergiften. Zwei Wochen nach der Geburt war klar: Das Mädchen benötigt dringend ein neues Organ.
Wierhakes Körper nimmt die ersten Spenderlebern nicht an
Die monatelange Wartezeit auf die Spenderleber war für die ganze Familie eine harte Geduldsprobe. Der Gesundheitszustand des Kinds verschlechterte sich zunehmend. "Kurz vor der Transplantation war es fünf vor zwölf", sagt sie. "Da tickte die Uhr." Erst die dritte Leber wurde von ihrem Körper angenommen. Da war Bera neun Monate alt. An diesem Tag, am 2. Juli 2001, begann für sie ein neues, ihr zweites Leben.
Aus Datenschutzgründen sei nur wenig über den Spender bekannt. Was Bera Wierhake jedoch weiß, ist dass er zum Zeitpunkt der Spende über 50 Jahre alt war. " Das ist verrückt für mich, weil ich damals ein Säugling war. Jetzt ist das Organ schon über 80 Jahre alt und funktioniert trotzdem so gut", erzählt sie im Interview mit SWR Sport. Noch immer muss Wierhake aber Medikamente nehmen, damit ihr Körper das fremde Organ nicht abstößt. Ihr Immunsystem ist zudem anfälliger für Infekte.
Für Wierhake soll Organspende freiwillig bleiben
Bera Wierhake engagiert sich rund um das Thema Organspende, steht in Kliniken als Gesprächspartnerin zur Verfügung und macht mit ihren eigenen Erfahrungen Mut. Wierhakes neue Leber kam damals aus dem Ausland. "Da wird mir auch immer wieder bewusst, wie groß die Not von Organ-Angeboten in Deutschland ist."
Beras Wunsch: Dass mehr Menschen bewusst werde, wie viele Leben sie mit einer Entscheidung retten könnten. "Ich sage immer: Jeder spendet seine Organe. Der eine den Regenwürmern und der andere Menschen wie mir, die dann damit wirklich etwas anfangen können." Trotz allem ist ihr wichtig: "Es soll eine eigene Entscheidung bleiben."
Als Kraftquelle in ihrem Leben nennt Bera Wierhake ihren christlichen Glauben. "Ich bin überzeugt, dass Gott einen Plan für mich hat. Sonst wäre ich nicht mehr hier. Ich habe durch die Transplantation ein großes Geschenk bekommen, so dass sich diese Lebensfreude entwickeln konnte."
Die Titelsammlung, die sie dadurch schon erringen konnte, ist beeindruckend. Sie ist siebenfache Weltmeisterin über 400, 800, 1.500 sowie 5.000 Meter und vierfache Europameisterin. Bei den World Transplant Games in Dresden lautet ihr klares Ziel über diese Strecken: Titelverteidigung.