Leo „The German“ Neugebauer komplettierte mit einer grandiosen Leistung am Finaltag der Leichtathletik-WM doch noch den deutschen Medaillensatz und krönte sich zum ersten und einzigen deutschen Titelträger der Wettkämpfe in Tokyo. An seinem traditionell schwächeren zweiten Turniertag im Zehnkampf erzielte der Stuttgarter einen Rekord, zwei neue persönliche Bestleistungen und donnerte anschließend jedes noch verbliebene Körnchen Energie in die finalen 1.500 Meter auf der Bahn.
Unter dem Jubel der Fans torkelte Neugebauer auf den letzten Metern irgendwie ins Ziel, sank zu Boden. Ein Rollstuhl wurde eigens herbeigebracht für den neuen König der Athleten - doch der völlig erschöpfte Zehnkampf-Weltmeister erhob sich, um die ersehnte Goldmedaille in Empfang zu nehmen: "Ich fühle mich fantastisch", rief er über das Stadionmikrofon, als er wieder zu sich gekommen war. Ein Jahr nach Olympia-Silber in Paris jubelte der 25-Jährige über den ersten ganz großen Titel seiner Karriere. Nach seinem Coup wollte sich Neugebauer "erstmal ein gutes Bier" genehmigen und schmiedete Party-Pläne: "Und dann schauen wir mal, was der Abend noch so bringt". Für eine Medaille reichte es bei seinem Zehnkampf-Kollegen Niklas Kaul nicht, aber der Mainzer schaffte es nach einem Patzer im Stabhochsprung trotzdem noch auf Rang vier.
Frauen-Staffel sprintet im Regen zu Bronze
Für den krönenden Abschluss am Sonntag sorgte das deutsche Sprint-Quartett der Frauen, bestehend aus den beiden erfahrenen Sprinterinnen Gina Lückenkemper und Rebecca Haase sowie den beiden Rheinland-Pfälzerinnen Sina Mayer und Sophia Junk. Sina Mayer vom LAZ Zweibrücken trat als Startläuferin im Staffel-Finale an, Sophia Junk von der LG Rhein-Wied überzeugte mit einer starken Leistung in der Kurve.
Unter dem tosenden Applaus der Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion und im strömenden Regen stürmten die Deutschen nach dem dritten Platz bei Olympia erneut zu Bronze: "Ich habe in den Himmel geschaut und habe einfach nur gedacht, ja, das sind unsere Bedingungen und das sitzt", so Junk nach dem Staffel-Erfolg.
Erfolgsgarantin Mihambo hält Druck stand
Mit einmal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze landete Deutschland am Ende also auf Rang elf im Medaillenspiegel. Für gleich drei der fünf Medaillen sind Südwest-Athletinnen und Athleten verantwortlich oder zumindest an den Erfolgen beteiligt.
Den Beginn machte Malaika Mihambo von der LG Kurpfalz mit ihrer Silbermedaille im Weitsprung am zweiten Wettkampftag. Die mehrfache Welt- und Europameisterin ist immer eine Medaillengarantin für das deutsche Team. Mit dem Leistungsdruck konnte sie auch bei dieser WM gut umgehen. 2021 krönte sie sich im Stadion von Tokio zur Olympiasiegerin, jetzt - vier Jahre später - gewann sie hier die Silbermedaille.
Südwest-Mehrkämpferinnen und Mehrkämpfer bereiten Freude und machen Hoffnung
Für eine Überraschung sorgte eine ganz junge Athletin: Sandrina Sprengel von der LG Steinlach-Zollern. Im Siebenkampf zeigte die erst 21-Jährige eine Bestleistung nach der anderen und beendete ihre erste Weltmeisterschaft auf einem sensationellen fünften Platz. "Ich wusste nicht, dass ich so schnell rennen kann. Auch meine Leistung im Speerwurf hätte ich mir nicht erträumen können, ich bin überglücklich!", strahlte Sprengel nach ihrem Wettkampf.
Krause stürzt, Ogunleye und Weber verpassen Medaille
In ihrem siebten WM-Finale erlebte Hindernisläuferin Gesa Krause einen Rückschlag. Beim Sturzfestival über 3.000 Meter Hindernisse erwischte es am letzten Wassergraben auch die zweimalige WM-Dritte von Silvesterlauf Trier. Nach einem schwierigen Saisonauftakt inklusive Rippenbruch und dem Bauchplatscher im WM-Finale zeigte sich die 33-Jährige trotzdem zufrieden mit ihrem siebten Platz.
Speerwerfer Julian Weber hingegen zählt mit Sicherheit zu den Athleten, die sich bei dieser WM mehr erhofft hatten. Der Mainzer trat als Weltjahresbester an, war jedoch nach einem Infekt in Tokio noch angeschlagen und nicht in der Lage zu zeigen, was in ihm steckt. Der 31-Jährige vom USC Mainz und sein Speer landeten auf Rang fünf.
Auch Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye verpasste die erhoffte Medaille. Anders als in Paris packte die Kugelstoßerin von der MTG Mannheim im letzten Versuch keine Super-Weite aus und wurde Sechste. Alina Kenzel vom VfB Stuttgart erreichte Rang zehn, gefolgt von der Bad Uracherin Katharina Maisch auf Rang elf. Insgesamt landeten die Südwest-Athletinnen in den Wurfdisziplinen allesamt im guten Mittelfeld, die Mannheimerin Shanice Craft wurde im Diskuswurf Achte.