Nach Hype bei der Deutschland Tour

Florian Lipowitz bremst die Erwartungen fürs Saisonfinale

Nach der Deutschland Tour blickt Florian Lipowitz dem finalen Saisonblock entgegen. Bei den Eintagesrennen im Herbst will der Shootingstar auch wieder selbst um Ergebnisse fahren.

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Bevor Florian Lipowitz der Deutschland Tour den Rücken kehrte und sich in die knapp dreiwöchige Rennpause verabschiedete, sorgte der deutsche Radsport-Shootingstar ein letztes Mal für glückliche Gesichter. Fast eine halbe Stunde widmete der Drittplatzierte der Tour de France nach der Schlussetappe in Magdeburg den unzähligen Fans.

Der Laichinger posierte am Bus seines Teams Red Bull-Bora-hansgrohe für Selfies und schrieb so viele Autogramme, dass der Eindruck entstehen konnte, die Bandage an seiner Hand sei nicht wegen eines Rennunfalls am vergangenen Freitag notwendig. "Wahnsinn" sei das alles, sagte Lipowitz über den enormen Zuspruch der Zuschauer. Seine Unterschrift zierten Shirts, Trinkflaschen, Plakate, Trikots, Kappen: "Es ist schön zu sehen, dass der Radsport in Deutschland wieder ein bisschen populärer ist."

35. Platz im Gesamtklassement eher Randnotiz

Lipowitz ging mit einem guten Gefühl. Sein 35. Platz in der Gesamtwertung war eine Randnotiz. Sein Ziel, Fans und Teamkollegen etwas zurückzugeben, hatte er erreicht - und zugleich die ersten Rennkilometer für den finalen Saisonpart in die Beine bekommen. Nach einem bislang erfolgreichen, aber intensiven und körperlich sowie mental kräftezehrenden Jahr blickt der 24-Jährige den letzten Zielen entgegen.

Florian Lipowitz schreibt Autogramme am Rande der finalen Etappe der Deutschland Tour 2025
Gefragter Mann: Nach seinem dritten Platz bei der Tour de France war das Interesse an Florian Lipowitz rund um die Deutschland Tour riesig

Lipowitz bremst Erwartungen für Herbstrennen

"Ich hoffe, der Aufbau läuft gut bis zum Oktober. Dann möchte ich bei der Lombardei-Rundfahrt nochmal gut fahren", sagte Lipowitz. Zuvor stehen Mitte September zwei gut besetzte Eintagesrennen in Kanada an, dann folgen die italienischen Herbstklassiker. Wunderdinge sind dort nicht zu erwarten. "Bei Eintagesrennen hatte ich bisher immer so meine Schwierigkeiten", sagte Lipowitz. Auch die Motivation müsse noch da sein: "Nach der Tour war es schon ein bisschen schwierig."

Lipowitz' Senkrechtsstart ist Fluch und Segen zugleich. Die Deutschland Tour war das erste Etappenrennen seit dem Giro d'Italia im Mai 2024, das er außerhalb der Top 10 beendete. Vor allem seit seinem Durchbruch bei der Frankreich-Rundfahrt im Juli begleitet ihn der Hype um seine Person und eine enorm gestiegene Erwartungshaltung. Fährt Lipowitz, richtet sich das öffentliche Interesse (auch) auf ihn.

Rennrad | Tour de France Ein Schwabe erobert die Tour de France: Die Geschichte von Florian Lipowitz

Rennradfahrer Florian Lipowitz aus Laichingen ist der Überraschungsstar der Tour de France. Spätestens jetzt kennt fast ganz Deutschland seinen Namen und daran muss er sich erst einmal gewöhnen. Eigentlich ist der 24-Jährige eher zurückhaltend, schüchtern, ein junger Mann, der einfach nur Fahrrad fahren will, ohne groß im Rampenlicht zu stehen.

Team nimmt jungen Radprofi in Schutz

Im Team weiß man um die damit verbundenen Herausforderungen - und versucht den Druck vom jungen Fahrer zu nehmen. "Wenn bis zum Jahresende wenig geht, dann geht wenig", sagte Lipowitz' Sportlicher Leiter Bernhard Eisel. Auch dürfe man keine Vergleiche ziehen. "Tadej Pogacar fährt von der UAE Tour im Februar bis zur Weltmeisterschaft durch und gewinnt Rennen", sagte Eisel. Er kenne aber nur einen Fahrer, der das könne: "Das ist Tadej!"

Lipowitz dürfte die interne Haltung mit Wohlwollen wahrgenommen haben. Nach dem Trubel und den ersten echten Renntagen seit der Tour de France wolle er sich nun "erstmal ein bisschen erholen", sagte er. Die lädierte und geschwollene Hand, die er unter der Bandage mit einem kühlenden Gel beruhigte, soll vollständig ausheilen. Und dann? "Mal schauen", sagte Lipowitz - und kehrte der Deutschland Tour mit einem Lächeln den Rücken: "Ich bin guter Dinge, dass es wird."

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Sophie Salmen

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