Als Richard Vogel im vergangenen Jahr zum zweiten Mal den Großen Preis von Stuttgart gewann, war der Olympia-Reiter "total überwältigt" und seinem Hengst United Touch unendlich dankbar. Es war ein Moment zum Genießen und den ließ sich der Springreiter auch nicht nehmen. Mit einem Grinsen im Gesicht galoppierte Richard Vogel auf der Ehrenrunde dicht am Publikum vorbei und ließ sich abklatschen.
"Heimspiel" für Richard Vogel in Stuttgart
"Wenn ich an die Stimmung denke, kriege ich wirklich Gänsehaut", erzählt Richard Vogel im Interview mit SWR Sport. "Das ist immer was ganz Besonderes in Stuttgart. Das Publikum feuert uns Reiter und natürlich auch die Pferde an, wie kaum sonst wo."
Auch deswegen stehen die German Masters in Stuttgart für Richard Vogel fest im Kalender. Kein anderes Turnier auf dieser Welt würde er seinem "Heimspiel" vorziehen. "Es ist mein zweites Wohnzimmer kann man fast schon sagen." Denn auch wenn der gebürtige Riedlinger mittlerweile in Hessen lebt, fühlt er sich seiner Heimat noch immer verbunden.
"Das Schwäbische kriegt man auch nicht so einfach aus einem Schwaben raus, würde ich behaupten - egal, wo er sich gerade auf der Welt aufhält", erzählt der 28-jährige Vogel, der oft Woche für Woche woanders unterwegs ist. Am Montag nach den German Masters etwa sitzt er schon wieder im Flugzeug nach Los Angeles.
Großer Preis von Stuttgart: Dritter Sieg für Richard Vogel?
Bis dahin aber liegt der Fokus auf den Ritten bei den German Masters. Nach Stuttgart kommt er mit vier Pferden, darunter auch mit United Touch. Mit dem Hengst gewann er im Juli Einzel-Gold und Team-Bronze bei der EM in Spanien. "Er ist ein abnormales, einzigartiges Pferd", sagte er nach dem entscheidenden Ritt. "Natürlich habe ich auch wahrscheinlich nicht so viel falsch gemacht. Aber letztlich sind wir Reiter ohne Pferde nur Fußgänger und wir brauchen so Pferde wie United, die jeden Tag so hochmotiviert sind."
Olympiasieger, Welt- und Europameister am Start Stuttgart German Masters: Alles Wichtige zum Weltcup-Turnier
Vom 12. bis 16. November finden die German Masters in Stuttgart statt. Zum Starterfeld gehören die weltbesten Reiterinnen und Reiter. Der SWR überträgt am Sonntag den Großen Preis.
Vor zwei Wochen hat Richard Vogel seinen United Touch beim Weltcup in Lyon auf die Hallensaison eingestimmt - mit zwei für die beiden untypischen Zeitfehlern. "United hat mir ein super Gefühl gegeben. Allerdings habe ich es ein bisschen zu viel genossen und mir etwas zu viel Zeit gelassen", analysiert Richard Vogel selbstkritisch.
German Masters: Druck als Privileg für den Europameister
Beunruhigen lässt sich der 28-Jährige von diesem Ergebnis keinesfalls. "Wir sind keine Maschinen. Das ist das Schöne am Sport: Es gelingt nicht immer, aber wir versuchen es natürlich", erklärt Richard Vogel, der weiß: Bei den German Masters erwarten die Fans viel von ihm. "Der Druck, das merken wir schon auch, ist in Stuttgart höher als auf dem ein oder anderen sonstigen Turnier. Das ist ja aber auch was Schönes und auch ein Privileg."
Es gelte, den Druck in eine positive Konzentration und in einen positiven Fokus umzuwandeln, so Richard Vogel. Mit dem passenden Quäntchen Glück könnte es dann nach 2022 und 2024 sogar mit dem dritten Sieg im Großen Preis von Stuttgart (live im SWR) klappen.