Volleyball | Bundesliga

"Wir haben eine ganz neue Zeit eingeläutet" - Der MTV Stuttgart im Teamcheck

Mit dem Karriereende von Krystal Rivers beginnt für den MTV Stuttgart eine neue Ära. Trainer Konstantin Bitter will das Team auch ohne seine Star-Spielerin zum Erfolg führen.

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Stand

Von Autor/in Franziska Röhrig

Die Vorbereitung

Nach einer Woche „Teambuilding, Testspielen und Testspielsiegen“ in Italien stand für die Volleyballerinnen des MTV Stuttgart Anfang August das erste Vorbereitungsturnier zuhause in der SCHARRena an. Den Schwäbinnen gelang es jedoch nicht, die Gäste aus der Schweiz vor eigenem Publikum zu besiegen. Trainer Konstantin Bitter fasste den Spieltag dennoch als Standortbestimmung zusammen. „Die Entwicklung einer so talentierten und jungen Mannschaft dauert einfach seine Zeit“, so Bitter.

Die vergangene Saison

Mit zwölf Siegen blieb der MTV Stuttgart in der Saison 2024/25 zuhause ungeschlagen. Auswärts konnte das Team seine gute Leistung weiterhin abrufen. Mit neun Siegen und drei Niederlagen sicherten sich der MTV den zweiten Tabellenplatz. Im Viertelfinale gegen Münster konnten die Stuttgarterinnen nach zwei Spielen ihren Einzug ins Halbfinale perfekt machen. Am ersten Spieltag triumphierte der MTV mit einem 3:0-Sieg gegen den Dresdner SC. Die beiden anderen Spieltage gingen dann aber an den Sportclub – somit war der Traum von einer weiteren Meisterschaft erstmal geplatzt. In der Champions League war in den Playoffs gegen Polen Schluss.

Der große Umbruch

Nach sieben mehr als erfolgreichen Jahren beim MTV Stuttgart beendete die als beste Spielerin der Vereinsgeschichte gekürte Krystal Rivers ihre Profi-Karriere. Die US-amerikanische Diagonalangreiferin führte den Verein zu vier Meistertiteln sowie zwei Pokal- und Supercup-Siegen. Neben Rivers verabschiedeten sich mit Roosa Koskelo und Maria Segura Palleres noch zwei weitere große Namen in den Ruhestand. „Wir versuchen natürlich nicht Krystal zu ersetzen, sondern wir versuchen neue Wege zu gehen, mit neuen Spielerinnen. Andere Teams haben auch keine Krystal und waren erfolgreich“, sagt Konstantin Bitter. Die tragende Rolle im Angriff soll künftig Pauline Martin übernehmen.

Neben den drei Spielerinnen, die ihre Karriere beendet haben, verlassen sieben weitere den Verein zur Saison 2025/26. Insgesamt stehen damit zehn Abgängen ebenso viele Neuzugänge gegenüber. „Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass hier etwas Neues passiert und dass wir zu neuer Frische finden. Wir haben eine ganz neue Zeit eingeläutet mit diesem großen Cut. Und wir haben uns darauf vorbereitet, dass er kommen wird.“

Trainer Konstantin Bitter bindet unter anderem zwei junge Talente aus dem Bundesligastützpunkt in den Profikader ein: die 16-jährige Leilani Slacanin und die 18-jährige Marie Steinhilber. Anstatt erfahrene Spielerinnen nachzunominieren, setzt das Trainerteam bewusst auf den eigenen Nachwuchs. „Das unterstreicht auch nochmal unseren eingeschlagenen Weg, unsere Philosophie und den Mut, das so zu tun“, so Bitter. Zudem betont er, dass die Mannschaft Zeit brauche, um sich zu finden - auch, weil viele Nationalspielerinnen erst vor wenigen Wochen wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen seien.

Nationalspielerin Antonia Stautz ist neue Kapitänin

Die 41-fache Nationalspielerin Antonia Stautz übernimmt in der Saison 2025/26 die Rolle der Kapitänin. Eine große Veränderung ist die neue Aufgabe für die 31-Jährige allerdings nicht. „Schon letzte Saison habe ich versucht auf und neben dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Aber jetzt wo es offiziell ist, wird vielleicht etwas mehr darauf geschaut“, so Stautz. Auf dem Platz möchte Antonia Stautz ihre gewohnte Rolle weiterspielen. Sie wolle „Ruhe reinbringen und dabei helfen, dass jede Spielerin ihr volles Potenzial ausschöpfen kann.“ Ein klares Saisonziel will die 31-Jährige noch nicht formulieren, allerdings ist sie sich sicher, dass der MTV bei den oberen drei Mannschaften mitspielen kann.

Der Trainer

Konstantin Bitter ist 2023 nach Stuttgart gekommen. Dem 35-Jährigen gelang im ersten Jahr bei den Schwaben die Sensation: Gleich drei Titel konnten die Stuttgarterinnen unter seiner Führung feiern. Mit dem Gewinn der Meisterschaft, des Supercups und dem DVV-Pokal machte die Schwaben die erste Amtszeit des Deutsch-Schweizer-Trainers perfekt. Einen Namen in der Bundesliga konnte sich Bitter allerdings schon vor dem Erfolg im Südwesten machen. Mit dem Dresdner SC gewann er als Trainer in der Saison 2019/20 und im darauffolgenden Jahr den DVV-Pokal. Die Stärke seines Teams sieht Bitter vor allem darin, „dass alle 15 Spielerinnen auch auf dem Feld stehen können“. Außerdem herrsche hoher Konkurrenzdruck innerhalb der Mannschaft.

„Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass hier etwas Neues passiert, dass wir zu neuer Frische finden. Wir haben eine ganz neue Zeit eingeläutet."

Rivale Potsdam zieht sich aus der Bundesliga zurück

Kurz vor Saisonbeginn kam es zu einer echten Schocknachricht: Der SC Potsdam zieht sich aufgrund fehlender finanzieller Mittel aus der Bundesliga zurück. Damit verlässt der Verein die Liga – nach Jahren, in denen er große sportliche Erfolge feiern konnte, die jedoch auch mit hohen Kosten verbunden waren. Um die wirtschaftliche Situation zu stabilisieren, wurde eine Spielbetriebs-GmbH gegründet. Doch der erhoffte Erfolg dieser Maßnahme blieb aus, sodass die Verantwortlichen der Bundesliga dem Verein für die kommende Saison keine Lizenz mehr erteilten.

Volleyballspiel: Allianz MTV Stuttgart gegen den SC Potsdam
Volleyballspiel: Allianz MTV Stuttgart gegen den SC Potsdam

Konstantin Bitter hält den Schritt für richtig und längst überfällig, da laut Bitter "das Handeln des SC Potsdam der ganzen Liga geschadet hat". Überraschend kam die Konsequenz nicht, allerdings sorgte der Zeitpunkt des Durchgreifens für Erstaunen. „Für die Trainer und Spielerinnen tut mir das natürlich extrem leid, es ist keine einfache Situation und ich hätte mir gewünscht, dass sich der Verein wieder stabilisiert, aber an diesem Punkt war es dann nun mal die richtige Entscheidung“, so Konstantin Bitter.

Das kommt auf die Schwaben zu

Die Bundesliga startet für die Stuttgarterinnen mit der längsten Auswärtsfahrt der Saison. Für die Schwäbinnen geht es am Samstag (11.10) in den hohen Norden zum Aufsteiger ETV Hamburg. Am 18.10. können die Volleyballerinnen erstmals in dieser Saison ihre Heimqualitäten unter Beweis stellen. Mit dem PTSV Aachen kommt ein nicht zu unterschätzender Gegner nach Stuttgart. Mit großer Vorfreude und voller Tatendrang beginnt für die Stuttgarter Volleyballerinnen am Samstag die neue Saison.