Volleyball

Allianz MTV Stuttgart gewinnt fast alles und am liebsten zu Null

Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart schmettern in Deutschland und Europa derzeit alles in Grund und Boden. Das hätte nach dem großen Umbruch im Sommer keiner erwartet.

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Von Autor/in Michael Richmann

Als Júlia Bergmann ihren Aufschlag ins Netz hämmerte und den Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart damit den letzten Punkt zu einem grandiosen Sieg schenkte, war es das Ende einer magischen Nacht. Das Team von Trainer Konstantin Bitter hatte am Mittwochabend nicht nur die 2:3-Hinspiel-Niederlage gegen THY Istanbul wettgemacht, sondern auch die Playoffs des CEV-Pokals erreicht.

Dass es überhaupt spannend wurde, sind die Stuttgarterinnen gar nicht mehr gewohnt. Denn die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart gewinnen nicht nur gerne. Sie gewinnen am liebsten zu Null. Im DVV-Pokal und in der Volleyball-Bundesliga haben die Schwäbinnen bisher einen - ja, einen - einzigen Satz verloren. Das war am 20. Dezember 2025 beim USC Münster, als Pauline Martin, Eleanor Holthaus und Lucía Varela Gómez beim Stand von 2:0 gedanklich wohl schon beim Weihnachtsessen waren.

Allianz MTV Stuttgart führt souverän die Tabelle an

Dass der Satzverlust gegen Münster eine absolute Ausnahme war, zeigte Stuttgart schon eine Woche später, als das Team die aktuellen Meisterinnen SSC Palmberg Schwerin abfertigten. Zu Null. Versteht sich. Ebenso souverän siegte der MTV am Samstagabend (17.01.) mit 3:0 in Aachen.

Zwölf Siege in zwölf Bundesliga-Spielen und ein Satz-Verhältnis von 36:1 sind Ausdruck absoluter Dominanz. Die Tabellenzweiten vom VfB Suhl aus Thüringen haben fünft Punkte weniger, obwohl sie ein Spiel mehr absolviert haben. Die Paarung im Finale des DVV-Pokals Ende Februar lautet übrigens: Stuttgart gegen Suhl.

So meistert Allianz MTV Stuttgart den radikalen Umbruch

Das Besondere: Diese Dominanz hätten den Stuttgarterinnen zu Beginn der Saison wohl die Wenigsten zugetraut. Selbst Chefcoach Bitter sagte vor dem ersten Aufschlag: "Die Entwicklung einer so talentierten und jungen Mannschaft dauert einfach seine Zeit." Denn der Umbruch im Sommer war enorm: Nach sieben immens erfolgreichen Jahren beim MTV Stuttgart beendete die als beste Spielerin der Vereinsgeschichte gekürte Krystal Rivers ihre Profi-Karriere. Die US-amerikanische Diagonal-Angreiferin führte den Verein zu vier Meistertiteln sowie zwei Pokal- und Supercup-Siegen.

Neben Rivers verabschiedeten sich auch Roosa Koskelo und Maria Segura Palleres. Sieben weitere Spielerinnen verließen den Verein. "Wir versuchen natürlich nicht, Krystal zu ersetzen, sondern wir versuchen neue Wege zu gehen, mit neuen Spielerinnen", sagte Bitter damals.

Verantwortung bei Allianz MTV Stuttgart geschickt verteilt

Das ist offensichtlich gelungen. Pauline Martin, die der 36-Jährige schon vor der Saison als Schlüsselspielerin ausgemacht hat, konnte die in sie gesetzten Erwartungen vollauf erfüllen. Die 23-jährige Diagonal-Angreiferin ist die Topscorerin des Teams. Auch Mittelblockerin Lucia Varela und Kapitänin Antonia Stautz sind tragende Säulen des Teams.

Volleyballerin Pauline Martin von Allianz MTV Stuttgart jubelt nach einem Punktgewinn
Pauline Martin hat sich nach dem Abgang von Superstar Krystal Rivers zur Topscorerin von Allianz MTV Stuttgart entwickelt. Pressefoto Baumann

Der Neuaufbau ist also geglückt. Was die beeindruckende Statistik wert ist, wird freilich erst die Zukunft zeigen. In den CEV-Playoffs gegen Galatasaray Istanbul Ende Januar und Anfang Februar, im DVV-Pokalfinale am 28. Februar in Mannheim oder in den Playoffs der Volleyball-Bundesliga (28. März bis 13. Mai). Der derzeitige Erfolgs-Marsch zeigt jedenfalls: Allianz MTV Stuttgart will nicht nur Spiele, sondern auch Titel gewinnen - am liebsten zu Null.

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Autor/in
Michael Richmann
Michael Richmann ist Sportredakteur, Podcast- und Feature-Autor für SWR Sport und SWR Kultur.