Volleyball | Bundesliga

Die Sehnsucht nach dem Titel: Schafft es der VfB Friedrichshafen zurück auf den Volleyball-Thron?

Seit Jahren knapp am Titel vorbei – gelingt dem VfB Friedrichshafen 2025/26 der Befreiungsschlag? Ein Team im Umbruch will wieder ganz nach oben.

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Von Autor/in Chiara Vischer

Seit Jahren steht der Name VfB Friedrichshafen für Spitzenvolleyball in Deutschland. Titel, Triumphe, Tradition – und seit fast einem Jahrzehnt auch: Tragik. Denn obwohl die Häfler zu den erfolgreichsten Teams der Bundesliga-Geschichte zählen, blieben sie seit 2015 ohne Meistertitel. Jahr für Jahr das gleiche Bild: Friedrichshafen spielt stark, kämpft sich ins Finale – und steht am Ende doch wieder im Schatten der Berlin Recycling Volleys.

Vom Serienmeister zum ewigen Zweiten

Zwischen 1998 und 2015 dominierte Friedrichshafen die Liga. 13 deutsche Meistertitel, zahlreiche Pokalsiege und der glanzvolle Höhepunkt des Triple-Gewinns (Meisterschaft, Pokal und Champions-League) im Jahr 2007: der Klub war das Maß aller Dinge im deutschen Volleyball. Doch seit dem letzten Erfolg 2015 hat sich das Blatt gewendet. Berlin übernahm die Spitze, gewann Titel um Titel, während Friedrichshafen sich mit Platz zwei begnügen musste. Oft nur hauchdünn unterlegen – aber am Ende eben doch knapp vorbei.

2024 dann der nächste Tiefschlag: Nach einer Saison mit vielen Verletzungsproblemen reichte es nur für Platz drei: Im Playoff-Halbfinale scheiterte der VfB knapp an der SVG Lüneburg.

Halbfinal-Aus als zusätzliche Motivation

Für Lenny Graven war es die erste Saison als Libero beim VfB. Mittlerweile sieht er das verlorene Halbfinale als zusätzliche Motivation, in der nächsten Saison wieder im Finale zu stehen: "Es war ziemlich bitter, weil es eben so eng war und die Chance auf jeden Fall da war, sie zu schlagen. Und das ist auf jeden Fall Motivation für dieses Jahr, dass man sagt, man will wieder ins Finale."

Die Spieler des VfB Friedrichshafen enttäuscht Lüneburg LKH Arena Niedersachsen Deutschland
Die Spieler des VfB Friedrichshafen enttäuscht nach dem verlorenen Playoff-Halbfinale gegen die SVG Lüneburg

"Ich glaube so ein bisschen hat sich Volleyball-Deutschland auch gefreut, dass es nicht immer das Gleiche ist“, sagt Graven über die letzte Finalserie. Der ein oder andere Volleyballfan wird sich gefreut haben, dass der ewige Finalklassiker zwischen Berlin und Friedrichshafen zum ersten Mal seit vielen Jahren ausblieb, die Enttäuschung in der Friedrichshafener Mannschaft war groß.

Der Kader: Neustart mit klarer Mission

Mit Michał Superlak und José Israel Masso mussten die Häfler zwei wichtige Spieler verabschieden. "Die waren schon so zwei der fünf Top-Stars in der Liga würde ich sagen. Das schmerzt schon sehr, dass sie weg sind“, so Graven, der trotzdem optimistisch auf die Saison blickt. Für ihn sind Veränderungen im Kader Normalität. "Wir haben jetzt halt eine ganz neue Mannschaft“, so Graven und führt fort: "Ein junges, motiviertes Team, das Lust hat, gemeinsam zu arbeiten und Dinge zu verändern." Das sorge aus seiner Sicht für einen besseren "Team-Vibe".

Viele neue Gesichter im Kader

Sieben neue Spieler hat der VfB Friedrichshafen zur Saison 2025/26 verpflichtet: Aus dem eigenen Nachwuchs kommen Zuspieler Daniel Habermaas und Libero Lucas Huckle, während Mittelblocker Louis Kunstmann von der University of Calgary und Diagonalangreifer Kyle Hobus vom österreichischen Erstligisten Hypo Tirol Innsbruck zum Team stoßen. Zudem verstärken der argentinische Mittelblocker Gustavo Maciel, Diagonalspieler Parker Van Buren (USA) und Außenangreifer Vojin Ćačić (Montenegro) die Häfler. Letzterer stand bereits von 2021 bis 2023 für den VfB auf dem Parkett und gewann mit dem Team 2022 den Pokal.

Lenny Graven (Libero), Aleksa Batak (Zuspiel), Simon Kohn, Jackson Young und Tim Peter (alle Außenangriff), sowie die Mittelblocker Marcus Böhme und Simon Tabermann Uhrenholt stehen weiterhin im Kader.

Das ist ein guter Mix, den wir da dieses Jahr haben. Zwischen jugendlicher Leichtigkeit und auch ein bisschen Erfahrung.

Marcus Böhme, den Graven als "absolute Volleyballlegende in Deutschland" beschreibt, bringt als 40-jähriger Routinier Erfahrung in das junge Team. Auch Vojin Ćačić, der aktuell noch verletzt ausfällt, kann das Team dahingehend ergänzen.

Die Schlüsselspieler der Häfler – Verantwortung auf viele Schultern verteilt

Lenny Graven und Tim Peter sammelten im Sommer wertvolle internationale Erfahrung bei der Weltmeisterschaft im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Beide kehren mit neuen Impulsen zurück nach Friedrichshafen – sowohl spielerisch als auch im Hinblick auf Teamdynamik und Führung. "Ich glaube schon, dass der Sommer mir sehr viel gebracht hat, sowohl an Erfahrung als auch an spielerischem Können", erklärt Graven "Ich will versuchen, diese Erfahrung in das Team zu bringen und uns damit weiterzubringen. Und natürlich selber gut zu spielen, das ist erstmal das Wichtigste."

Aleksa Batak musste die gesamte letzte Saison verletzungsbedingt passen und wurde diese Saison neu zum Kapitän ernannt. Für Graven einer der Schlüsselspieler in dieser Saison. "Dass der jetzt wieder fit ist, ist richtig cool zu sehen“, sagt er, "Auf jeden Fall ein Player-to-watch“.

Auch von Neuzugang Luis Kunstmann erhofft man sich in Friedrichshafen viel für die nächste Saison. "Er kommt so ein bisschen aus dem Nichts“, beschreibt Graven die Situation seines Teamkollegen, der seine letzten Jahre im College in Kanada verbrachte und dadurch in Deutschland bisher noch nicht so stark auf dem Radar ist. Er darf jetzt in der Bundesliga gegen seinen Bruder Joscha Kunstmann antreten, der im Kader der SVG Lüneburg steht.

Der Trainer

Geführt wird die Mannschaft seit letzter Saison vom polnischen Coach Adam Swaczyna. Nach einer Spielzeit, in der auch Swaczyna die Hürde der vielen Ausfälle bewältigen musste, kann der 36-jährige Cheftrainer nun mit mehr Rückenwind in die neue Saison gehen. "Er hat jetzt ein Jahr Erfahrung, hat viel gelernt und ein junges motiviertes Team, was glaube ich, sehr gut zu ihm passt“, sagt Graven, "Und er hat uns auch schon gesagt, dass er sehr zufrieden mit dem Team und der aktuellen Leistung ist.“

Die Liga: Drei vermeintliche Top-Teams, ein Titel

Lange galt die Bundesliga als Zweikampf zwischen Berlin und Friedrichshafen – doch diese Zeit scheint vorbei. Die SVG Lüneburg hat sich als dritte Kraft etabliert. Das Ziel für den VfB Friedrichshafen, dieses Jahr um Titel mitzuspielen, sollte aber klar sein. Für Graven geht es dabei erstmal um den Prozess: "Ich glaube, es steckt super viel in dem Team drinnen. Wir haben aber auch noch ordentlich Entwicklungspotential, eben weil wir auch so jung sind. Das Ziel sollte es erstmal sein, sich von Spiel zu Spiel zu steigern, und dann möglichst gut zu sein, wenn es drauf ankommt.“

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Chiara Vischer