DEL | Teamcheck

Können die Adler Mannheim Meister Berlin Paroli bieten?

Nach dem Playoff-Aus im Halbfinale der vergangenen DEL-Saison wollen die Adler Mannheim in der kommenden Runde wieder ganz vorne mitspielen. Dabei sind es vor allem die Meistercracks der Eisbären Berlin, die es zu schlagen gilt.

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Von Autor/in Kersten Eichhorn

Es knistert wieder in der Eishockeystadt, die Vorfreude auf die neue Saison ist riesengroß in Mannheim. Rund 7.500 Dauerkarten wurden bereits für die neue Saison verkauft, der zweitbeste Wert in der Historie der Adler. "Das ist ein riesen Vertrauensvorschuss der Fans. Wir freuen uns, dass es mit dem Saisonauftakt endlich wieder losgeht", sagt auch Adler-Geschäftsführer Matthias Binder vor dem Heimspiel am Freitag (19:30 Uhr) gegen Straubing im Gespräch mit SWR Sport. Binder ist inzwischen eine Art lebendes Inventar der Adler und seit mehr als 25 Jahren für die finanziellen Zahlen in Mannheim verantwortlich.

Letzte Saison kam erst im DEL-Halbfinale das Aus. Nicht unerwartet. Im Duell mit Meister Eisbären Berlin waren die Adler aus Mannheim letztlich chancenlos, verabschiedeten sich nach vier Niederlagen aus vier Spielen aus den Playoffs. Jetzt startet also der nächste Versuch, dem fast übermächtig erscheinenden DEL-Rekordchampion aus der Hauptstadt ein Schnippchen zu schlagen, zumindest aber den sportlichen Rückstand zum Primus aufzuholen.

Die Erwartungen

In Mannheim sind die Erwartungen vor allem der Fans traditionell hochgesteckt. Nach insgesamt acht Titeln - der letzte wurde 2019 gefeiert - in der früheren Bundesliga und der DEL, ist der Kampf um die Deutsche Meisterschaft in Mannheim immer ein Thema. Allerdings nicht bei den Verantwortlichen: "Wir wollen uns unter den Top Vier etablieren", sagt Trainer Dallas Eakins, und auch Geschäftsführer Matthias Binder vermeidet das M-Wort: "Wir waren zuletzt im Halbfinale und wollen jetzt den nächsten Schritt gehen, aber sie werden von mir nicht das Ziel Meisterschaft hören".

Das Finale sollte aber durchaus das Ziel sein. Zumal die Adler mit ihrer nach wie vor herausragenden Infrastruktur rund um die SAP-Arena, mit ihrer breiten Fanbase und einem starken Team beste Voraussetzungen für Spitzenleistungen haben. Dazu kommt, dass Trainer/Manager Dallas Eakins seit seinem Amtsantritt im November 2023 den Spielerkader inzwischen komplett nach seinen Vorstellungen zusammenbauen konnte und so auch in diesem Sommer wieder zahlreiche hochkarätige und spannende Neuzugänge präsentiert wurden.

Die Mannschaft

In diesem Sommer fand erneut eine Art Facelifting im Kader statt. 16 Abgängen stehen zwölf Neuzugänge gegenüber. Dabei haben sich die Adler auf der Torhüterposition komplett neu sortiert. Für Top-Talent Arno Tiefensee (Dallas/NHL) und Routinier Felix Brückmann (nach Köln) stehen künftig Nationaltorhüter Maxi Franzreb (aus Bremerhaven) und der erfahrene Schwede Johan Mattson im Gehäuse. Hier sollten sich die Mannheimer zumindest nicht verschlechtert haben.

Neu in der Abwehr sind die beiden Kanadier Dan Renouf und Nicolas Mattinen sowie der Ex-Nürnberger Hayden Shaw (US-Amerikaner mit deutschem Pass). Während für den kräftigen Renouf eher die Rolle als defensivstarker "Prellbock" vorgesehen ist, soll der frühere Straubinger Mattinen (DEL-Verteidiger des Jahres 2024), der nach einer durchwachsenen Saison aus Nordamerika zurückkam, für dringend benötigte Schusskraft von der blauen Linie sorgen.

Sie ergänzen die bewährten Nationalverteidiger Leon Gawanke, Lukas Kälble und Tobias Fohrler sowie den laufstarken Kanadier John Gilmour. Dazu kommen die U23-Talente Nick Mähler und Colin Schlenker von den Jungadlern. Eine interessante und hochkarätige Mischung, von der man einiges erwarten darf.

Neue Qualität wurde auch für den Angriff verpflichtet. Mit Justin Schütz (Köln) und Alexander Ehl (Düsseldorf) kamen zwei junge Nationalspieler, mit dem Energiebündel Zach Solow und dem pfeilschnellen Anthony Greco zwei starke US-Amerikaner. Das torgefährliche Quartett ergänzt den erfahrenen Kern um die Leistungsträger Marc Michaelis, Kristian Reichel, Tom Kühnhackl und Luke Esposito. Einen weiteren Leistungssprung erhoffen sich die Adler von den U23-Stürmern Yannick Proske und Maxi Heim. Als Riesentalent gilt Nachwuchs-Center Max Penkin. Der erst 16-Jährige gebürtige Mannheimer könnte schon früh den Sprung ins DEL-Team schaffen.

Unterm Strich ein topbesetzter Kader für höchste DEL-Ansprüche. "Wir haben unser Gerüst weiter ergänzt", so Geschäftsführer Binder, der nicht von einem Umbruch sprechen will. Dazu kommt, dass die Adler - Stand jetzt - noch drei Importlizenzen für ausländische Spieler frei haben und personell entsprechend nachlegen können.

Der Königstransfer

Hochinteressant wird vor allem sein, wie sich der neue Torjäger Justin Schütz im Mannheimer Trikot präsentiert. Der begehrte 25-jährige Nationalstürmer unterschrieb bei den Adlern einen Dreijahresvertrag, mit ihm erhoffen sich die Kurpfälzer deutlich mehr Effizienz im Abschluss als in der letzten Saison. Schütz besticht vor allem durch enormes Tempo und Torgefährlichkeit. Der kernige Angreifer erzielte in den letzten zwei Jahren als bester deutscher Torschütze der gesamten Liga für die Kölner Haie jeweils 27 Tore, wurde 2024 sogar als "Stürmer des Jahres in der DEL" ausgezeichnet.

Schütz hat sich zwar schon bestens eingelebt in der Kurpfalz, warnt aber vor übertriebenen Erwartungen: "In Mannheim ist das Team ausgeglichener und breiter aufgestellt als in Köln, das bedeutet auch weniger Eiszeit. Also 35 Tore sollte man von mir nicht erwarten", so der Stürmer im Interview mit SWR Sport.

Der Trainer

Dallas Eakins steht auch in der neuen Saison in Mannheim hinter der Bande. Der erfahrene US-Amerikaner und frühere NHL-Chefcoach ist seit knapp zwei Jahren nicht nur Trainer, sondern in Personalunion auch Sportmanager bei den Adlern.

Nach zwei Sommer-Transferphasen hat der 58-Jährige den Kader inzwischen nach seinen Vorstellungen geformt, entsprechende Erfolge werden jetzt vor allem von den Fans erwartet. Daneben soll Eakins verstärkt Talente der Jungadler-Schmiede integrieren und in die DEL führen. Ein Vorhaben, das in den Jahren zuvor etwas vernachlässigt wurde. Was bei hochveranlagten Jungs wie Mähler, Schlenker und Penkin in der kommenden Saison durchaus gelingen könnte. Man darf gespannt sein.

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Kersten Eichhorn