Programm
Jean Sibelius
Violinkonzert d-Moll op. 47
Giuseppe Tartini
Auszüge aus "L'arte dell'arco" (Zugabe Inmo Yang)
Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 4 Es-Dur ("Romantische")
Mitwirkende
Inmo Yang, Violine
SWR Symphonieorchester
Eva Ollikainen, Dirigentin
Orchestrale Paralleluniversen – Kompositionen von Jean Sibelius und Anton Bruckner
Im Oktober 1890 reiste Jean Sibelius (1865-1957) nach Wien in der Hoffnung, Kompositionsschüler von Anton Bruckner (1824-1896) zu werden. Damals war der anerkannte Sinfoniker für Sibelius der "größte gegenwärtig lebende Komponist" (später nannte er noch als die für ihn wichtigsten Musiker des 20. Jahrhunderts Richard Strauss, Béla Bartók und Dmitrij Schostakowitsch).
Da Bruckner sich von seiner Lehrtätigkeit am Konservatorium zurückgezogen hatte und Brahms keine Schüler annahm, kümmerten sich die Komponisten und Musikpädagogen Carl Goldmark und Robert Fuchs um den jungen Finnen. Immerhin konnte Sibelius bei seinem Wien-Aufenthalt die Erstaufführung der überarbeiteten Fassung von Bruckners 3. Sinfonie erleben. Über dessen 5. Sinfonie äußerte er wenige Jahre nach Vollendung seines Violinkonzerts einmal, dass ihn eine Aufführung zu Tränen gerührt und tief beeindruckt habe. Stilistisch trennten beide indes Welten. Sibelius sah sich, wie er selbst sagte, als "Sklaven der Themen", der sich "ihren Forderungen unterwirft". Wenn er mit den verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten jonglierte, war ihm mitunter "als ob Gott einige Steinchen zu einem Mosaik herabgeworfen habe und nun bat, sie wieder richtig zusammenzufügen".
Bruckner hingegen schrieb seine sich zu majestätischen Finalsätzen aufschwingenden Sinfonien zum Lobe Gottes, weil der ihm die Begabung zum Komponieren geschenkt habe. Bruckner war sein eigenes Seelenheil wichtiger als der Ruhm im Schatten Beethovens. "Ich will aber weiterwirken", betonte er. "Wenn mich der liebe Gott einst zu sich ruft und fragt: 'Wo hast du die Talente, die ich dir gegeben habe?', dann halte ich ihm die Notenrolle mit meinem 'Te Deum' hin, und er wird mir ein gnädiger Richter sein."
SWR Web Concerts
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