Tatsächlich gehört das Sitzen einfach zum legendären "MTV Unplugged"-Format dazu, zu dem Stewart eingeladen wurde und bei dem das Album entstanden ist: Ein Künstler sitzt auf einem Barhocker und performt nur mit seiner Stimme, der akustischen Gitarre und vielleicht noch ein bisschen Unterstützung durch Gitarristen und Streicher.
Die E-Gitarre bleibt ausgestöpselt, die Atmosphäre ist eher intim. Wie gemacht also für einen, der mit seiner markanten Raspelstimme berühmt geworden ist und sie so voll entfalten kann. Unterstützt wird er unter anderem von Rolling-Stones-Gitarrist und -Bassist Ronnie Wood, der mit Rod Stewart schon in der Band "Faces" zusammengearbeitet hat.
Nur die Sache mit dem Sitzen, die fällt Stewart beim Unplugged-Konzert schwer. Bei "Stay With Me" zum Beispiel hibbelt er immer wieder auf seinem Stuhl rum, springt auf oder schüttelt die Beine in der Luft. Von wegen "...and seated".
Gute Mischung aus Stewarts Karriere
Auch abseits vom "Faces"-Song "Stay With Me" bietet die Unplugged-Session eine gute Mischung aus der in den 90ern etwas weniger steil gewordenen Karriere Rod Stewarts. Da sind Highlights wie "Hot Legs", mit dem das Album nach einer guten halben Minute frenetischen Applauses öffnet. Oder andere Klassiker wie die gefühlvollen Schmacht-Balladen "Tonight’s The Night (Gonna Be Alright)" und "Have I Told You Lately That I Love You”, das erst in der Live-Version so richtig erfolgreich wird. Auch "Maggie May" klingt zunächst, als würde Stewart live und unplugged eine reduzierte Balladen-Version daraus machen, mit viel Gefühl in der Stimme und nur ein paar Anschlägen auf Ronnie Woods Gitarre – bis mit Schlagzeug und Percussions dann der gewohnte Sound des Hits dazukommt, hier sogar kraftvoller.
Dazwischen tummeln sich immer wieder heute weniger bekannte Songs wie "Handbags und Gladrags" vom Ende der 60er. Hinzu kommen Cover-Versionen, mit denen Rod Stewart bewiesen hat, dass er ein Hitmacher ist – seine Interpretationen von Tom Waits‘ "Tom Traubert’s Blues (Waltzing Matilda)" und "The First Cut Is The Deepest" von Cat Stevens waren schließlich viel erfolgreicher als die Originale. Klar also, dass auch sie unplugged dabei sein müssen.
Das Unplugged-Album ist etwas fürs Plattenregal
"Unplugged … and Seated" ist also das Album, das jeder Fan von Rod Stewart neben seinen Studioalben im Plattenregal stehen haben sollte. Eine gute Mischung aus Songs seiner Karriere in mitreißender Live-Atmosphäre und dennoch in den ganz eigenen, intimeren Unplugged-Versionen, die Kennern der Studioaufnahmen etwas Neues bieten. Und damit sicher auch ein Meilenstein.