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Feminismus 2025: Zwischen Sexismus und Selbstermächtigung

Die Bedürfnisse von Frauen kommen beim Einsatz für mehr Gleichberechtigung weiterhin zu kurz. Was kann helfen, damit sich das möglichst schnell und effektiv ändert ?

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Stand

Von Autor/in Michael Lehmann

UN-Generalsekretär António Guterres analysiert es ohne diplomatische Schönfärberei: „Das Gift des Patriarchats ist zurück, und es ist mit aller Macht zurück“. Damit spricht der weltweit geschätzte Experte für humanitäre Angelegenheiten direkt an, was auch in Deutschland immer noch Realität ist.

Frauenrechte werden immer wieder missachtet

Trotz aller Vorsätze, trotz unternehmerischen Leitlinien und trotz vieler Versprechen werden Männer weiterhin oft besser bezahlt in Deutschland als Frauen. Frauenverachtende Bemerkungen oder unterdrückerisches Handeln scheinen vielerorts weiterhin gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Der UN-Generalsekretär empfiehlt als Gegenmittel „Handeln“. Nur - was sollen sich Frauen öfter trauen, um echte Gleichberechtigung durchzusetzen ?

Mikrofeminismus kann Frauen effektiv helfen

Lea Mangold hat ein Buch über Mikrofeminismus geschrieben. Darin beschreibt sie, auch mit viel Humor, wie verbreitet überholte Rollenbilder immer noch sind und wie häufig Frauen weiterhin sprachlich diskriminiert werden. Sie rät mit praktischen Beispielen, wie sich Frauen und auch Männer in alltäglichen Situationen offen für Fairness und Selbstbestimmung einsetzen können. Schon im Kindergarten könne man damit beginnen. Zum Beispiel, indem man Kindern, die ihre Kleider beim Spielen schmutzig gemacht haben, sagt:  Papa wird das schon wieder waschen.

Auf Instagram und tiktok gibt es zahlreiche Beträge zum Mikrofeminismus
Auf Instagram und tiktok gibt es zahlreiche Beträge zum Mikrofeminismus

Auch Mädchen den Koffer tragen lassen

Gymnasiallehrerin Solveig Weiß ist auch als Mikrofeministin aktiv. Wenn Kinder in ihrer Klasse krank werden, ruft sie immer zuerst die Väter an – und eben nicht wie es oft passiert – die Mütter: „Ich achte in der Schule darauf, dass nicht immer nur die Jungs ans Schlagzeug gesetzt werden, sondern auch mal die Mädchen. Ich achte darauf, dass die Mädchen auch mal den iPad-Koffer tragen können und nicht, dass immer die Jungs das machen müssen.“

Frauenrat beklagt Rückschritte in Sachen Gleichstellung

Judith Rahner, die Geschäftführerin des deutschen Frauenrats spricht im Interview mit SWR 1-Sonntagmorgen über viele Punkte, die ihr große Sorgen machen als Leiterin des größten Interessenverbandes für Frauen-Gleichstellung in Deutschland. „Wir fordern, dass Frauen endlich alle gleich bezahlt werden wie Männer, wenn sie die gleiche Arbeit machen und wir brauchen dringend einen guten Kita-Ausbau“, sagt Rahner. Genauso wichtig sei die intensivere Aufklärung vor allem unter jüngeren Männern in Deutschland. „Unsere moderne Demokratie gebietet, dass wir bei aller Unterschiedlichkeit alle die gleichen Rechte bekommen“. Für Judith Rahner ist es auch ein deutliches Alarmzeichen, dass unter Frauen die Altersarmut besonders rasant angestiegen ist. Nach Zahlen des Deutschen Frauenrats leben in Deutschland inzwischen 2,1 Millionen Frauen unterhalb der Armutsgrenze.

Gewalt gegen Frauen häufig durch (Ex-)Partner

Laut deutschem Frauenrat sind in Deutschland derzeit etwa 133.000 Frauen pro Jahr von Gewalt durch ihre Partner oder Ex-Partner betroffen. Dass so viele Frauen ausgerechnet in den eigenen vier Wänden das größte Sicherheitsrisiko zu ertragen haben, ist aus Sicht von Judith Rahner eine der ganz großen Sorgen. „Hier muss die Finanzierung von Frauenhäusern schnell besser werden und Männer, die Gewalt gegen Frauen ausüben, müssen härter bestraft werden“.

Mütter von Kindern mit Behinderung brauchen echte Unterstützung

Mütter von chronisch kranken oder Kindern mit Behinderung haben es ganz besonders schwer, echte Gleichberechtigung im Familienleben oder im Beruf durchzusetzen. Die Wissenschaftlerin Barbara Zimmermann, selbst Mutter einer Tochter mit Behinderung, spricht von einer „Traditionalisierung in Familien“, die einsetze, wenn ein Kind mit Behinderung zur Welt kommt. „Oft geht dann der Vater arbeiten und die Mutter übernimmt die Pflege für das Kind oder reduziert die Arbeitsstunden und übernimmt die Zeit komplett, die man für die Versorgung des Kindes braucht“.

Wenn ein Konzertbesuch zum Kraftakt wird

Nach Zimmermanns Erfahrungen ist es für viele Mütter mit ähnlicher Lebenssituation häufig ein ständiger Kampf um Anerkennung. „Man  muss emotional dafür kämpfen, dass man einen Anspruch auf Unterstützung hat“. Egal ob bei einem Konzertbesuch mit Rollstuhl oder einer Fahrt mit dem Zug – für betroffene Familien mit chronisch kranken Kindern oder Kindern mit Behinderung sei das extrem hart.

Praxis in Heidelberg hilft Frauen ganz persönlich

In Heidelberg gibt es eine wichtige Anlaufstelle für Frauen, die psychologische Hilfe brauchen, weil sie im Alltagskampf um bessere Gleichberechtigung zu viel Kraft lassen mussten. Mit Gesprächsangeboten, aber auch Hypnotherapie werden Ängst und Stress abgebaut. Ein gutes Angebot auch für jüngere Frauen, die mit Schwangerschaft und Geburt nicht so klarkommen, wie von ihnen nach einem tradierten Mutterbild eigentlich erwartet wird.

„Frauen, die ungern schwanger sind, Mütter, die lieber arbeiten als ihr Kind zu betreuen, allgemein unzufriedene Frauen – das sei für viele Menschen schwer auszuhalten, weil es nicht unserem Bild entspreche, meint Lisa Göpfert, eine Psychologin der Heidelberger Praxis. Ihnen zu helfen, eine wichtige Aufgabe. Gute Angebote und reichlich guter Willen sind bei einem großen Teil der Gesellschaft vorhanden -  eigentlich keine schlechten Rahmenbedingungen, um in Deutschland Frauen ein wirklich gleichberechtiges Leben zu ermöglichen. 

Der Standpunkt in unserer Sendung Simon Fregin zur Stadtbild-Debatte

Simon Fregin leitet die Mobile Jugendarbeit in Stuttgart und erzählt was er von der aktuellen Stadtbild-Debatte denkt.

Sonntagmorgen SWR1

Trend auf Instagram und TikTok Wie jeder mit kleinen Taten mehr Gleichberechtigung bewirken kann - so geht Mikrofeminismus

Mikrofeminismus zeigt, wie Gleichberechtigung im Alltag beginnen kann. Zwei Frauen aus Baden-Württemberg erzählen, wie sie online und offline Geschlechterrollen hinterfragen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Michael Lehmann
Redakteur/in
Sabine Brütting