"Es gibt eine Menge von Tech-Unternehmen, die ständig den aktuellen Stand von Wikipedia herunterladen, um damit ihre eigenen Systeme zu trainieren", sagt Markus Beckedahl, Netz-Aktivist und ehemaliger Chefredakteur bei netzpolitik.org, in SWR Aktuell. Die Datenstruktur von Wikipedia sei sehr gut für das Traning von Künstlicher Intelligenz geeignet: "Es sind sehr viele Begriffe mit sturkturierten Daten - das kann eine Künstliche Intelligenz gut gebrauchen, um daraus Chatbots zu bauen."
Wikipedia wird über Spenden finanziert
Wikipedia basiert allerdings auf ehrenamtlicher Arbeit, so Beckedahl: Niemand werde bevorzugt, man mache einfach aus Freude oder innerem Antrieb mit - ohne dafür Geld zu bekommen. "Trotzdem entstehen Kosten für den Server, für den Betrieb und für Strom. Das wird alles über Spenden finanziert, die von uns Nutzern kommen. Wir finanzieren alle Wikipdedia. Die anderen haben einfach bisher kostenlos davon profitiert und haben einfach das Geld abgezogen."
Das Problem: Spender könnten abspringen
Das Probem: Bisher profitiert Wikipedia von der Spenden-Kampagne, die immer eineinhalb Monate vor Jahresende prominent auf der Internetseite angezeigt wird, erklärt der Netz-Aktivist. Darüber finanziere sich Wikipedia das ganze Jahr über.
Diesen Spendenaufruf bekommt man natürlich nur zu sehen, wenn man direkt auf Wikipedia geht, beispielsweise, wenn man auf einer Suchmaschine etwas gesucht hat. Wenn zukünftig Chatbots die Ergebnisse von Wikipedia aussenden, profitieren die Chatbots von Wikepedia. Aber bei Wikepidia selbst kommt der Nutzer gar nicht an, sieht gar nicht, woher das Wissen enstanden ist - und ist vielleicht auch nicht mehr bereit, dafür zu spenden. Eine nachhaltige Finanzierung der Community-Infrastrukur von Wikipedia ist so nicht mehr gewährleistet.
"Bewusstsein bei Tech-Giganten angekommen, dass Wikipedia auch Geld kostet"
Bisher haben sich die Unternehmen immer alle kostenlos bedient, sagt Beckedahl. Mittlerweile sei bei den großen KI-Firmen zumindest das Bewusstsein angekommen, dass für die Server, deren Betreuung und Strom hohe Kosten entstehen.
Die großen Tech-Unternehmen wollen sich jetzt über Lizenzabkommen an den Kosten beteiligen. Aber das ist eine neue Entwicklung.
Ob Wikipedia im Umkehrschluss auch von der Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz profitieren könnte, darüber hat SWR Aktuell-Modrator Stefan Eich mit Markus Beckedahl gesprochen.