Eine "To-do-Liste" für die neue Ministerin

So retten wir das Gesundheitssystem

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Von Autor/in Uwe Berndt

Das deutsche Gesundheitssystem ist sehr teuer - doch die Leistung ist im internationalen Vergleich nur noch Mittelmaß. Und es spitzt sich weiter zu: Seit Jahren steigen die Kosten schneller als die Einnahmen. Für eine grundlegende Reform bleibt nicht mehr viel Zeit. Intensivmediziner Christian Karagiannidis fordert mehr Tempo in der Gesundheitspolitik.

Die neue Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will erstmal auf die Verbände zugehen und zuhören, schließlich muss sie sich in dieses schwierige Thema einarbeiten. Darin liegt auch eine Chance: Ein neutraler Blick von außen kann vielleicht helfen. In kaum einem Politikfeld sind die Verbände und Berufsgruppen so einflussreich wie in der Gesundheitspolitik.

Das Gesundheitssystem ist am Kipppunkt

"Wir dürfen keine Zeit verlieren", mahnt Intensivmediziner Prof. Christian Karagiannidis. Er war u.a. Mitglied der Krankenhauskommission der Bundesregierung. Die alternde Gesellschaft verschärfe das Problem von Jahr zu Jahr. Dazu käme die Kostenexplosion im Gesundheitswesen: Zwar nehmen die Krankenkassen pro Jahr etwa vier Prozent mehr ein, doch die Kosten steigen um mehr als das Doppelte – seit langem schon. Kurzfristige Geldspritzen aus Steuermitteln könnten das System auf Dauer nicht retten.

Reformen sind machbar

In seinem Buch "Die Gesundheit der Zukunft – wie wir das System wieder fit machen" macht Christian Karagiannidis konkrete Reformvorschläge für ein effizienteres Gesundheitssystem in Deutschland. Große Hoffnung setzt er z.B. in die neue elektronische Patientenakte. Die schleppende Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems sei der größte Bremsklotz, andere Länder sind viel weiter als wir.

Nachhaltige Reformen werden wehtun

Noch mehr Geld ins System stecken oder Leistungen kürzen? Den neuen SPD-Vorschlag, die Krankenkassenbeiträge für Besserverdienende anzuheben, weist Karagiannidis zurück. Noch höhere Sozialabgaben seien Gift für den Arbeitsmarkt. Besser sei es dagegen, eine Selbstbeteiligung auch für gesetzlich Versicherte einzuführen. So könne man die Zahl der überflüssigen Bagatellfälle in den Arztpraxen und Notaufnahmen deutlich reduzieren. Auch das geplante Primärarztmodel hat seine Unterstützung. Der Hausarzt als Lotse im Gesundheitssystem könne ebenfalls dazu beitragen, die Zahl der Arztbesuche zu senken. Außerdem plädiert Karagiannidis für eine Preisgrenze bei Arzneimitteln. Schon heute zahlen die Kassen rund 55 Milliarden Euro für verschreibungspflichtige Medikamente.

"To-do-Liste" für die neue Gesundheitsministerin

Nach dem Bruch der Ampel-Regierung sind einige fast fertige Gesetze auf der Strecke geblieben. Christian Karagiannidis appelliert an die neue Ministerin Nina Warken, die Notfall- und Rettungsdienstreform möglichst schnell auf den Weg zu bringen, ebenso wie das Pflegekompetenzgesetz. Außerdem fordert er deutlich mehr Geld für die Digitalisierung des Gesundheitssystems, das würde sich schnell auszahlen. Die Bevölkerung sei bereit, Reformen im Gesundheitsbereich zu akzeptieren, wenn man ihr die Notwendigkeit erklärt. Sein Fazit: "Akzeptanz entsteht durch Ehrlichkeit".

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