Asterix-Übersetzer: “Asterix in Lusitanien“ kommt an die Klassiker heran

Wenn heute der 41. Asterix-Band "Asterix in Lusitanien" erscheint, ist die Arbeit von Klaus Jöken getan. Er übersetzt seit 2004 die Comicreihe aus dem Französischen – und schränkt ein: "Man kann Asterix nicht übersetzen, man muss das adaptieren". Wie er die Wortspiele überträgt und teils Gags völlig neu erfindet – und wie die Autoren das finden – erzählt er bei SWR-Aktuell-Moderator Stefan Eich. Und er erklärt, warum er den neuen Band für einen der besten seit den Klassikern von Goscinny und Uderzó hält.

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SWR Aktuell: Herr Jöken, Sie leben seit vielen Jahren in Frankreich. Was sagen eigentlich Ihre Nachbarn in der Auvergne darüber, dass Sie dieses Nationalheiligtum für deutsche Leser verständlich machen?

Klaus Jöken: In Frankreich bin ich nur noch als "der Mann, der Asterix übersetzt“ bekannt. Überall, wo ich auftrete, heiße ich immer nur "Klaus - und der übersetzt Asterix". Das ist die beste Visitenkarte für alles, gerade in Frankreich. Alles, was mit Asterix zu tun hat, ist da ja Nationalheiligtum.

Der Asterix-Übersetzer Klaus Jöken steht vor einer großen Asterix-Zeichnung
Der Asterix-Übersetzer Klaus Jöken

Asterix kann man nicht übersetzen, den muss man adaptieren

SWR Aktuell: Sie haben gesagt, Sie brauchen zwei Monate, um so einen Band zu übersetzen. Das ist jetzt von der Länge her nicht gerade Tolstoi. Wieso ist das so schwierig?

Jöken: Weil man Asterix nicht übersetzen kann! Als ich dem Autor Uderzo damals noch vorgestellt wurde – man sagt dann, das ist der neue Übersetzer – , sagte Uderzo gleich zu mir: "Asterix kann man nicht übersetzen, den muss man adaptieren". Das kann man zum Beispiel auch nachlesen in Asterix und Kleopatra. Da sagt Goscinny, der Texter damals, auch "es sind Wortspiele, Kalauer, die unübersetzbar sind". Man erfindet dann andere Wortspiele, die aber dann natürlich in die Geschichte passen müssen, zu Asterix passen müssen, das ist dann viel Arbeit.

SWR Aktuell: Ich habe in einem Interview von Ihnen gehört, Sie hätten auch mal Schwaben in einen Asterix-Band reingehievt, genau wegen dieser Übersetzungsproblematik. Was war da los?

Jöken: Da war ein Wortspiel mit den Kimbern, ein Volk aus Dänemark eigentlich. Die gehörten zu den Wagen-Teams, die im Rennen da in "Asterix in Italien" antraten. Und es gab dann auf Französisch ein Wortspiel mit Kimbern, "cimbres-timbres". Kimbern und Briefmarken, das hört sich im Französischen ganz ähnlich an, "cimbres-timbres".  Aber im Deutschen sind Kimbern und Briefmarken natürlich sehr fremd. Deswegen habe ich geforscht, was es für andere germanische Völker gibt, und bin auf die Markomannen gestoßen. Die Markomannen und die Briefmarken, da kann man dann was mit anfangen.

Gleichzeitig war das ein Volk, das ungefähr um Stuttgart herum angesiedelt war. Da dachte ich mir auch, das passt natürlich auch gut, da ist die ganze Autoindustrie tätig, und dann machen wir da so ein bisschen Schwaben daraus, das passt dann natürlich gut zu den Wagen-Teams und den Wagen-Rennen. Also: Man formt eigentlich auch die Geschichte um, aber immer in Absprache mit den Autoren.

SWR Aktuell: Sie sagen, das ist ein Nationalheiligtum. Ich glaube, da darf niemand einfach so an den Scherzen herumpfuschen. Wie läuft das ab, wenn Sie sich da etwas ausgedacht haben? Müssen Sie dann nach Paris und das vorstellen und sich das abhaken lassen?

Die Autoren fragen auch: Warum hast du das jetzt so übersetzt?

Jöken: Ja, genau. Ich muss erstmal nach Berlin, da wird im Verlag mit vier Redakteuren alles durchgesprochen. Ich lese den Text auch mehrmals vor, damit man weiß, dass die Wortwahl und die Melodie auch stimmen. Dann geht das zurück nach Paris und wird da nochmal zurückübersetzt, und dann wird auch ein Gutachten erstellt – und die Autoren gehen das nochmal penibel durch. Die melden sich dann auch und sagen dann: Ah, die Stelle gefällt mir noch nicht, oder: Kann man da noch was besser machen? Die fragen auch: Warum hast du das jetzt so gemacht? Das muss ich also alles erklären. Das ist ein ganz aufwändiger Prozess, um da zum Endergebnis zu kommen.

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SWR Aktuell: Kommt dann auch manchmal die Rückmeldung: Hey, was Du gemacht hast, ist eigentlich besser als unsere Idee?

Jöken: Ja, manchmal schon, das muss ich sagen. Aber das ist auch gewollt. Bei manchen Gags und Wortspielen findet man manchmal nur etwas, das schwächer ist als im Original. Das muss man dadurch ausgleichen, dass man an anderen Stellen einen Gag zusätzlich einbaut, der im Deutschen möglich ist, aber im Französischen nicht. Deswegen ist das gewollt. Wenn ich einen guten Gag finde im Deutschen, kann ich den auch vorschlagen, und der wird auch akzeptiert.

SWR Aktuell: An welchem Satz, an welchem Namen oder an welchem Spruch in "Asterix in Lusitanien" haben sie denn am längsten gegrübelt?

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Jöken: Am schwierigsten war der Akzent der Lusitaner. Jedes Volk, das Asterix und Obelix besuchen, hat ja einen bestimmten Akzent, erinnern Sie sich bloß an die Briten. Aber was ist denn der Akzent von Portugiesen? Es gibt so wenig Portugiesen in Deutschland, und das ist keinem Deutschland präsent, welchen Akzent die eigentlich haben, wenn sie Deutsch sprechen. Deswegen habe ich so etwas erfunden. Da habe ich lange überlegt, wir haben auch lange diskutiert. Ich hoffe, das Ergebnis ist gut.

SWR Aktuell: Sie sind seit 2004 der Asterix-Übersetzer. Manche Fans haben ein bisschen gemault, weil früher einige Bände nicht so ganz das Niveau der "Klassiker" gehabt hätten. Ist Asterix mit diesem neuen Autorenduo wieder besser geworden?

Jöken: Ja, ich finde schon. Jeder hat natürlich immer seine Vorlieben. Der jetzige Band hat mir von allen am meisten Spaß gemacht. Ich finde wirklich, der kommt an die ganz großen Asterix-Bände ran. "Asterix und der Avernerschild" ist ja mein Liebling, weil ich auch in der Auvergne wohne, aber das kommt echt da dran.

Eigentlich bin ich ja Gallier, ich komme vom Niederrhein

SWR Aktuell: Wo sollte Ihrer Meinung nach Asterix nochmal hinreisen?

Jöken: Er sollte noch mal nach Deutschland kommen. Es gibt zwar "Asterix bei den Goten", aber das ist eigentlich kein richtiger Deutschland- Band. Es ging damals eigentlich darum, den Militarismus zu kritisieren. Das haben wir auch mit den Autoren mal besprochen und die meinten auch, es wäre eine gute Idee, dass man Asterix mal wieder nach Deutschland schickt. Ich komme ja vom Niederrhein und ich bin ja auch linksrheinisch –  eigentlich bin ich ja Gallier. Caesar hat ja alles, was linksrheinisch war, einfach erobert und Gallien genannt. Wir gehörten damals auch zu Gallien, also bin ich eigentlich auch mit drin.

SWR Aktuell: Passiert das eigentlich, dass die Autoren auch schon mal einen Übersetzer als kleine Figur irgendwo reinzeichnen? Sind Sie in irgendeinem Asterix-Band zu sehen?

Das ist vielen Lesern gar nicht klar, dass es kein deutscher Comic ist, sondern ein französischer.

Jöken: Das noch nicht. Das wäre mal lustig. Nein, also ein guter Übersetzer ist eigentlich jemand, den man gar nicht bemerkt. Als Übersetzer darf man auch keine Allüren haben oder auf Ruhm aus sein. Sas größte Kompliment, das man machen kann, ist immer, wenn man sagt, "ich habe gar nicht gemerkt, dass es übersetzt ist". Das passiert übrigens oft. Mein Redakteur und mein Verleger kriegen Zuschriften, "könnt ihr nicht mal dies und das machen". Und wenn man dann den Lesern zurückschreibt: Die Franzosen entscheiden das, kommt zurück, "wie, das ist übersetzt?". Das ist vielen Lesern gar nicht klar, dass es kein deutscher Comic ist, sondern ein französischer.