Zeitgeschichte Populismus? Faschismus? Politische Begriffe und ihre Grenzen
Ist die AfD "populistisch"? Ist Trump ein "Faschist"? Solche Begriffe helfen einerseits, politische Phänomene einzuordnen. Doch manchmal machen wir es uns damit zu einfach.
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Ist die AfD "populistisch"? Ist Trump ein "Faschist"? Solche Begriffe helfen einerseits, politische Phänomene einzuordnen. Doch manchmal machen wir es uns damit zu einfach.
„Nichts für die Massen“ sei dieses Wort, sagt Sandra Richter, die Direktorin des Literaturarchivs Marbach. In 58 Anmerkungen erklärte die US-amerikanische Publizistin Susan Sonntag ihre Wortschöpfung der 1960er Jahre. Damals entwickelte sich die Schwulenbewegung und machte den Begriff „Camp“ zu ihrem Motto. Auffällig, merkwürdig sind Synonyme, die „Camp“ in der Sprache unserer Zeit ersetzen. Für eine Renaissance seien die Zeiten zu ernst, meint die Sprachwissenschaftlerin.
Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm wird der Begriff als „Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit“ oder „Landlust der Städter im Sommer“ definiert. Zunächst war es im 19. Jahrhundert die gehobene Gesellschaft, die sich in die Sommerfrische aufmachte, später folgten die Kulturschaffenden.
Können sich Menschen auf der ganzen Welt in Gebärdensprache unterhalten? Ist sie überall gleich oder gibt es verschiedene Sprachen?
Fluffig – schon das Wort allein klingt nach Luft und Leichtigkeit. Ein fluffiger Pfannekuchen ist ein Hochgenuss, der nicht schwer im Magen liegt. Und in einem fluffigen Federbett lässt es sich doppelt so gut schlafen. Der Begriff leitet sich vom englischen Wort „fluffy“ ab und hat sich im Deutschen sehr schnell beliebt gemacht. Auch weil „fluffig“ noch eine etwas andere Bedeutung hat als die deutschen Synomyme „flauschig“ oder „luftig“, meint die Sprachwissenschaftlerin Kathrin Kunkel-Razum, die den Integrationsprozess dieses Adjektivs für besonders gelungen hält.
Mocktail ist ein englisches Kompositum und zugleich ein Kofferwort. Es setzt sich zusammen aus dem Verb „to mock" (vortäuschen) und dem zweiten Wortteil von Cocktail. Ein Mocktail steht grundsätzlich für alkoholfreie Mixgetränke und imitiert oftmals einen bekannten Cocktail. Dabei wird der Alkohol einfach ersetzt durch Fruchtsaft, Sirup oder Limonaden. Im deutschen Sprachgebrauch findet sich der Mocktail seit den 2010er Jahren und er hat sprachlich schon bunte Blüten hervorgebracht - etwa Virgin Mary (statt Bloody Mary), Virgin Colada (statt Piña Colada) oder Safer Sex on the Beach (statt Sex On The Beach).
Der japanische Autor Haruki Murakami arbeitet in seinen Romanen immer wieder mit Bezügen zu Musik und verknüpft seine Geschichten eng mit klingenden Elementen. Florian Besthorn hat sich in seiner Analyse „Musik hinter den Worten“ jetzt ausführlich mit diesen schriftlich-akustischen Welten auseinandergesetzt. Hannah Schmidt ist mit seinem Buch in ein Rabbit Hole herabgestiegen.
Früher wollte man kleinen Kindern die wahren Umstände von Zeugung und Geburt nicht sagen. Aber warum der Storch und kein anderes Tier?
Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe schmiedeten 1794 einen gemeinsamen Plan. Ein kleines Geheimprojekt, mit dem sie es der spießbürgerlichen Literaturszene heimzahlen wollten und in deren Zentrum die Xenien standen. Der Begriff geht bereits zurück auf den römischen Dichter Martial und bezeichnet ursprünglich Begleitverse zu einem Gastgeschenk.
Bei Schiller und Goethe aber bekamen die Xenien einen stark ironischen und satirischen Charakter - über 1000 Epigramme haben die beiden geschrieben als scharfe Kritik an der damaligen Kulturszene. Die Gattung geriet durch ihre Attacke in Verruf - heute haben die Xenien so gut wie keine Bedeutung mehr in der Literatur.
Das Wort „Routine“ hat sich in den letzten Jahren zu einem Modewort entwickelt und findet sich als Synonym für Disziplin, Produktivität oder ein erfolgreiches Leben in den sozialen Medien und auch in Ratgebern. Ob Morgenroutinen, Pflegeroutinen oder Erfolgsroutinen aber tatsächlich erstrebenswert sind und wie der Begriff sprachwissenschaftlich einzuordnen ist, darüber hat sich die ehemalige Leiterin der Duden-Redaktion Dr. Kathrin Kunkel-Razum Gedanken gemacht.
Eine Krise aushalten können, sich davon nicht aus der Bahn werfen lassen: Das ist eine wissenschaftliche Definition von Resilienz. Politiker nutzen den Begriff inzwischen gern.
Wer sich ein Zubrot zu seinem Gehalt oder seiner Rente verdienen möchte, kann einen Minijob annehmen. Für so eine Beschäftigung muss man keine Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge bezahlen. Aber egal, ob Mini- oder Midijob, beides ist nicht zu verwechseln mit dem Mikrojob. Wo dieser Begriff herkommt und was es damit auf sich hat, das erläutert Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim.
Den Kopf in den Sand stecken: Die Vogel-Strauß-Taktik ist eine Reaktion auf die Flut negativer Nachrichten, die immer mehr Menschen in Deutschland anwenden. Es gibt eine wachsende Gruppe von Mediennutzenden, die auf ein überforderndes Nachrichtenangebot und auf negative Schlagzeilen mit Abkehr reagieren. Das wird auch als News Avoidance bezeichnet.
Kopfsteinpflaster und Fußweg sind geläufige Begriffe aus dem Straßenbau, die mit einem Körperteil zusammenhängen. Doch die Gehwegnase ist eine recht unbekannte Bezeichnung für eine Erweiterung des Gehwegs an einer Straßenkreuzung, um Fußgängern und Radfahrern ein gefahrloses Überqueren der Straße zu ermöglichen. Aus der Vogelperspektive dehnt sich der Gehweg wie eine Nase in den Raum aus.
Schrippe, Weckle, Rundstück – fast jede Region hat ihre eigene Ausdrucksweise, ihren Dialekt. Von Friesland bis nach Oberbayern, von Baden bis ins Sächsische. Nur: Diejenigen, die Dialekt sprechen werden immer weniger. Mit dem Erhalt des Dialekts beschäftigt sich ein Kongress des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas in Marburg. Dessen Leiter ist Professor Alfred Lameli: "Man muss sagen, dass die Dialekte immer weiter zurückgehen. Das bedeutet aber nicht, dass der Ausdruck sprachlicher Regionalität verloren geht. Sie hat offensichtlich einen hohen Wert für die Menschen." Denn Sprache ist Heimat. Wie wir sprechen, zeigt anderen wo wir herkommen. "Das kann wichtig sein, um Nähe zu zeigen oder sich mit einem Gesprächspartner zu solidarisieren", sagt Lameli im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Fischer.
Der Begriff Quintenmacher wird in der Musik etwas abwertend und spöttisch für wenig kreative Komponisten und Musiker verwendet, die sich der Quinte bedienen. Jenem Intervall, das fünf Tonstufen einer Tonleiter umfasst. Wo sich dieser eher selten verwendete Begriff in der Literatur findet und wofür er dort steht, das weiß Sandra Richter vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach.
Beim Schützenfest gab es etwas zu gewinnen. Und früher bekam sogar der schlechteste Schütze etwas. Was war das für ein Preis? Von Rolf-Bernhard Essig
Mitten in Mannheim entsteht ein neues Mitmachmuseum: Auf dem Alten Messplatz in Mannheim hat der Bau des "Forums Deutsche Sprache" begonnen. 2028 soll es eröffnet werden.