Hausärzte-Mangel: Wie sichern wir die Versorgung mit Arztpraxen auf dem Land?

In Baden-Württemberg gibt es zu wenige Hausärzte. Nach Daten des Bundesarztregisters versorgen rund 63 Hausärzte 100.000 Menschen. Damit belegt Baden-Württemberg im Ländervergleich den vorletzten Platz. Gleichzeitig ist der Andrang auf ein Medizinstudium groß. Aber eine eigene Praxis führen, noch dazu auf dem Land, wollen offenbar die wenigsten jungen Ärztinnen und Ärzte. Wie reagieren auf den Trend?

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Der Nachwuchs entscheide sich verstärkt für Facharztanerkennungen - das sei nichts Neues, sagt Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Hausärzteverbands in Baden-Württemberg, in SWR Aktuell. Dies sei die Folge, dass jahrelang zu wenig für die Stärkung der Hausarztpraxen getan worden sei, beispielsweise beim Bürokratieabbau, aber auch bei der Personalgewinnung und verlässlichen Rahmenbedingungen für die Nachfolgesicherung.

Das Ergebnis ist, dass die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Balance von etwa 70 Prozent Hausärzten zu 30 Prozent Fachärzten in Deutschland auf dem Kopf steht.

Viele Hausärztinnen und Hausärzte gehen bald in Ruhestand

Baden-Württemberg sei ein Flächenland, sagt die Landesvorsitzende des Hausarztverbands zum schlechten Abschneiden bei der hausärztlichen Versorgung. Ein großes Problem ist nach ihrer Ansicht die Überalterung. "Sehr viele Kolleginnen und Kollegen gehen in den Ruhestand oder sind bereits im Ruhestand."

Lage könnte sich weiter verschärfen Baden-Württemberg auf vorletztem Platz bei Versorgung mit Hausärzten

In Baden-Württemberg gibt es insgesamt deutlich weniger Hausärzte pro Einwohner als in anderen Teilen Deutschlands. Aber: Zwei Städte im Land sind sogar Spitzenreiter.

"Landarzt-Quote in BW reicht bei weitem nicht aus"

Besonders in ländlichen Regionen ist das Problem groß: Die Landesregierung in Stuttgart versucht dem mit einer Landarzt-Quote entgegenzusteuern. Bis Ende März können sich junge Leute unabhängig vom Abi-Schnitt für einen Medizinstudienplatz bewerben. Die Bedingung: Sie müssen sich verpflichten, hinterher in den unterversorgen Regionen zu arbeiten. Diese reicht nach Ansicht von Nicola Buhlinger-Göpfarth bei weitem nicht aus.

Die Landarzt-Quote wirkt zu spät und zu wenig. Nachwuchs, der sich jetzt entscheidet, Hausarzt zu werden, hat ein langes Medizinstudium vor sich. Die Anerkennung zum Allgemeinmediziner dauert auch nochmal fünf Jahre. Bis wir aus der Landarzt-Quote den Nachwuchs wirklich herausziehen, gehen 15 Jahre ins Land.

Der Trend geht zur Facharzt-Praxis. Andere angehende Ärzte bevorzugen ein Angestelltenverhältnis, statt als Einzelkämpfer eine eigene Praxis unternehmerisch führen und viele Patienten behandeln zu müssen. Wie der Hausärzteverband auf den Trend reagiert, darüber hat SWR Aktuell-Moderatorin Laura Koppenhöfer mit Nicola Buhlinger-Göpfarth gesprochen.