"In Artemis verehrten die alten Griechen die unberührte und wilde Natur, und zwar in ihrer Schönheit ebenso wie in ihrer Grausamkeit", erklärt der Philosoph. Sie sei zwar auch eine Jägerin gewesen. Doch die Jagd sei als "Teil der natürlichen Ordnung" verstanden worden. In der heutigen Gesellschaft verbinde man damit jedoch "die Ausbeutung der Natur".
Als Schutzpatronin eines Programms, das sich den Mond untertan machen will, taugt Artemis in keiner Weise.
Die jungfräuliche Göttin Artemis stehe in der Mythologie außerdem für spielerische, tänzerische und leichtfüßige Intelligenz. "So gesehen passt ihr Name schlecht zu einer NASA-Mission, die in die unberührte Sphäre des Mondes einzudringen trachtet."
Warum die Mission Artemis genannt wurde
Durch die Namensgebung will die NASA nach eigenen Angaben an die erfolgreichen Mond-Missionen des Apollo-Programms in den 1960-er und 70er Jahren anknüpfen. Die Auswahl des Namens kann Christoph Quarch nachvollziehen. Immerhin ist sie in der griechischen Mythologie die Zwillingsschwester des Apollon - allerdings die Erstgeborene, sodass die NASA die falsche Reihenfolge gewählt habe. "Aber sei's drum", kommentiert er lakonisch. Wichtiger sei den Verantwortlichen gewesen, dass es sich bei Artemis um eine Göttin handelt. "Die neue Mission legt ausdrücklich Wert auf Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion. Deshalb musste ein weiblicher Name her."
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Auch Orion stammt aus der griechischen Mythologie
Die NASA hat der Raumkapsel den Namen Orion gegeben, was besser geeignet sei als Artemis, findet der Philosoph. Allerdings sei Orion in der griechischen Mythologie nicht nur ein Jäger, sondern auch ein Vergewaltiger gewesen. "Im übertragenen Sinne heißt das: Orion ist einer, der sich die jungfräuliche Natur gewaltsam aneignen will. So gesehen passt er denkbar schlecht zu Artemis, die auch als Beschützerin der jungfräulichen Mädchen verehrt wurde."
Letztlich sieht Christoph Quarch die von der NASA ausgewählten Namen für die Mission als Indiz, "sich in maskuliner Hybris gewaltsam nun auch noch der außerirdischen Natur bemächtigen zu wollen. Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass wir mit dieser Haltung gerade unsere Erde verbrennen."
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