Immer mehr Betriebe in südwestlichen Teilen Deutschlands probieren Pflanzen aus, die besser mit Hitze und Trockenheit klarkommen. Manche sehen darin eine Chance für neue Produkte oder auch mehr Tourismus.
Zweitwärmste März in Europa
Auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist der Frühling voll im Gange. Früher als in der Vergangenheit. Laut Wetterdaten war schon der Februar recht mild. Er lag fast vier Grad über dem langfristigen Mittelwert. Der März 2026 war in Europa der zweitwärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, so der EU-Klimadienst Copernicus.
Erdnüsse im Rhein-Neckar-Kreis
Deshalb wachsen Pflanzen aus dem südlicheren Breitengraden inzwischen hierzulande besser als früher und Landwirte probieren Nutzpflanzen aus, die man eher in Südamerika oder Afrika vermutet. Im Rhein-Neckar-Kreis werden seit einigen Jahren erfolgreich Erdnüsse angebaut: Landwirt Felix Schröder vom Fröschauhof in Reilingen und sein Kollege Wolfgang Guckert aus Mannheim-Sandhofen reagieren damit auf den Klimawandel.
"Kurpfalz-Erdnuss" im Hofladen
Im Oktober vergangen Jahres wurden bei der Erdnussernte Tonnen geerntet. Als "Kurpfalz-Erdnuss" wurde sie in den Hofläden der beiden Betriebe verkauft. Kunden waren angenehm überrascht. Die Aussaat für dieses Jahr hat Felix Schröder schon fest eingeplant. Allerdings reicht die Kraft der Sonne noch nicht aus, um später eine ähnliche große Ernte einzufahren wie vergangenes Jahr. Es ist die vierte Aussaat in Reilingen. Über das Versuchsstadium sei man schon hinaus gekommen.
Wir haben schon viel optimiert in den letzten Jahren. Uns von Jahr zu Jahr immer gesteigert und verbessert, auch von der Fläche her. Wir haben ganz klein angefangen und sind jetzt mittlerweile bei um die zwei Hektar.
Charentais-Melonen unter Spargelfolien
In Gerolsheim wachsen in ein paar Monaten wieder Melonen: Auf dem Spargel-Hof von Sarah Schreiber werden seit einigen Jahren süße Charentais-Melonen und auch Wassermelonen angebaut. Mithilfe ganz klassischer Spargel-Methoden. So werden die Maschinen mehrfach genutzt.
Wir haben für den Spargelanbau Spezialmaschinen, um die Dämme zu formen und auch um die Folie auszubringen und die Technik können wir dann auch nutzen beim Melonenanbau.
Das Feld in der Pfalz ist schon vorbereitet. Die Folie hat schon einige Jahre Spargel hinter sich und wird nun für den Melonenanbau genutzt. Bis die Pflanzen hier einziehen dürfen, müssen sie aktuell aber noch ein paar Wochen warten. Zu groß die Gefahr, dass es doch nochmal Frost gibt.
Pfalz die Toskana Deutschlands
Danach fühlen sich die Südfrüchte bei dem Klima in Gerolsheim sehr wohl. Die Pfalz sei die Toskana Deutschlands, erklärt Landwirtin Sarah Schreiber. Wenn in Südfrankreich die Melonen bei schönem Wetter gedeihen, schaffen wir das hier in der Pfalz auch, war ihre Überlegung. Zwischen Paprika und Zucchini ab Juli und Kürbissen im August stehen nun ab Ende Juli die Melonen auf dem Programm: "Aus eigenem Anbau" steht stolz auf dem Schild davor.
Lavendel an Mosel-Hängen
Mario Kohlmann, Unternehmer und Ortsbürgermeister von Trittenheim, will ein Stück Provence an die Mosel bringen. 400 Lavendel-Pflanzen hat er schon gesetzt. Brach liegende Weinberge sollen so zum Hingucker werden. Lavendel mag den trockenen, kargen Boden.
Kohlmann schwebt ein Themen-Wanderweg vor mit 25 Lavendelfeldern verteilt über die Mittelmosel. Hotels und Winzerbetriebe sollen davon profitieren. Dafür sucht er noch Investoren.
Landwirte leiden unter Preisdruck und Krisen
Ob und wie Landwirtschaft von Klimaveränderung auch profitieren kann, das überblickt die Landwirtschaftliche Forschungsanstalt (LUFA) in Speyer. Im Moment leiden die Bauern jedoch vor allem unter hohem Preisdruck und den Krisen weltweit, erklärt der LUFA-Feldversuchsleiter Markus Weinmann. Das könne aber auch wieder mehr Wertschätzung für heimische Produktion bedeuten, hofft er.
Eine Handvoll Oliven in Bruchsal geerntet
Der Hobby-Olivenbauer Hartmut Schönherr experimentiert seit 2008 mit eigenen Olivenbäumchen im Bruchsaler Stadtteil Obergrombach. Der vergangene Winter sei von den Temperaturen her ganz okay gewesen. Nur wurde es auch immer wieder warm. Dieser Wechsel sei für die Oliven sehr belastend gewesen
Dieses Auf und Ab. Wir haben eben mehr Extreme und Extreme machen Oliven grundsätzlich zu schaffen.
Insgesamt 13 verschiedene Olivensorten wachsen in Schönherrs Olivenhain oberhalb des Bruchsaler Ortsteils.
Reicht der Klimawandel für Olivenanbau?
Ob das zunehmend mildere Klima in Baden-Württemberg für den Olivenanbau ausreicht, untersucht das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg bei Karlsruhe. Dort sind neu gepflanzten Olivenbäume Teil eines Langzeitversuchs, um Erfahrungen zu sammeln. Für Obstbauern seien vor allem Kriterien wie Ertrag und Krankheitsanfälligkeit entscheidend, betont Versuchsleiterin Laura Rübenacker.
Eine Handvoll Oliven in Bruchsal geerntet
Ob Olivenbäume eine Zukunft hierzulande haben, hänge auch davon ab, wie die Klimaerwärmung in den kommenden Jahren ausfalle, so die Expertin vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum. Es werde sich zeigen, ob dann Kulturen wie Oliven auch in unsere Klimazone passen.
Im Olivenhain bei Obergrombach gab es schon erste Ernten - allerdings mit eher geringem Ertrag. Ein Baum von 2021 hat 2025 immerhin 400 Gramm gebracht, freut sich Hartmut Schönherr. Wirtschaftlich sei das natürlich nicht. Das muss der Olivenfan schon zugeben.