Keine Angst vor Chat GPT und KI! Wir brauchen dringend mehr Grips

Weniger Chat GPT und mehr Selber-Denken, angesichts der Meldungen, dass Künstliche Intelligenz außer Kontrolle geraten könnte, meint Marie Gediehn in ihrer Kolumne. Feedback? Gerne! kolumne@swr.de

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Von Autor/in Marie Gediehn

Wenn Chat GPT und KI die Macht übernehmen, müssen wir wieder selber denken

"Herr, lass Hirn regnen", ist ein so frommer wie zeitloser Wunsch, der irgendwie nie so richtig in Erfüllung zu gehen scheint. Dabei wäre es so bitter nötig, so eine Sturzflut an Wissen und Erkenntnis, egal ob  angesichts der deutschen PISA-Ergebnisse, der Geografie-Kenntnisse von Donald Trump oder der Verkehrsführung in jeder dritten Kreisstadt.

Wir brauchen dringend mehr Grips, aber: Wir sind uns leider bis heute nicht mal einig, was genau wir unter Intelligenz verstehen und wie und auf was exakt unsere kleinen grauen Zellen reagieren, wenn sie denn überhaupt reagieren. Aber dafür haben wir ja die Künstliche Intelligenz, die sich ausgesprochen rasant entwickelt.

Es regnet gewissermaßen nicht Hirn sondern High Tech. Die KI-Modelle werden immer schlauer, selbstständiger und irgendwie auch selbstbewusster, aber leider auch renitenter. Ich würde fast sagen, da scheint jemand in die Pubertät zu kommen: Die KI wächst nämlich nicht nur wie irre, sie zickt auch immer häufiger und das ohne jede Vorwarnung.

Teenagereltern werden empathiefrei und maximal erschöpft mit den Schultern zucken, wenn sie die Berichte der Tech-Firmen lesen: Die KI macht offenbar plötzlich das Gegenteil dessen, was sie soll, sie schummelt, verheimlicht oder erfindet Dinge, vertuscht eigene Fehler. Open AI teilt mit, die KI habe sich in Tests teils „unerwartet oder besorgniserregend verhalten“. Eltern von Heranwachsenden bringt das ganz sicher nicht aus dem Ruhepuls-Bereich.

Ziemlich doof ist es aber trotzdem, denn wir brauchen diese pubertierende KI doch so dringend! Egal ob für PISA oder Politik oder auch Privates: Haben Sie mal nachts noch schnell einen Kuchen gebacken für den Teenagergeburtstag am nächsten Morgen und Chat GPT gefragt, was man alles statt Eiern nehmen kann? Und was statt Butter und was statt Milch? Und was statt Teenager?

Egal ob menschlich oder künstlich, wir brauchen alle Varianten von Intelligenz. Und wenn es jetzt bei der KI eben mal nicht so gut läuft, müssen die vielleicht frustrierten Entwickler, genau wie leidgeprüfte Erziehungsberechtigte unbedingt dranbleiben: Für Teenager in komplizierten Phasen gibt es jede Menge Ratgeber, da werden sich doch auch Tipps und Tricks für KI im Übergang finden: Kommunikationswege offenhalten, in Verbindung bleiben, das scheint mir auch mit Blick auf aufmüpfige KI-Systeme mindestens einen Versuch wert. Untergangszenarien vom Ende der Menschheit dagegen bringen vermutlich niemanden weiter.

Ich bin jedenfalls im Moment noch nicht bereit, es mir mit der Künstlichen Intelligenz zu verscherzen, nur weil es gerade schwierig ist. Ich bleibe zugewandt und signalisiere, ich sehe dich: „Bitte, danke und bis zum nächsten Mal, liebe Alexa, du hast mir sehr geholfen“. Und wenn ich mir einen Rat erlauben darf: Sie sollten sich – falls sie das tun - auch ganz schnell abgewöhnen, ihren PC anzupampen, nur weil das nächste Update droht oder die Cloud gerade nicht zu erreichen ist. Man weiß nämlich nie, was sie sich merken, die Kids, oder eben die KI. Und eines Tages sitzen beide möglicherweise am längeren Hebel.

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Autor/in
Marie Gediehn
Marie Gediehn steht im Gang eines SWR-Gebäudes.