Hitze verursacht bei uns die höchsten Todeszahlen aller Naturgefahren - höher als Hochwasser und Starkregen zusammen."
Langsam wird es den Menschen klar
"Ich glaube, vielen wird bewusst, wie heiß es ist", sagt Feteke. Es sei erstmal angenehm und man bekomme Urlaubsgefühle. Nach ein paar Tagen schlafe man allerdings schlecht, weil die Bausubstanz für solche Temperaturen einfach nicht gedacht sei. "Mann kann sich aber wahrscheinlich trotzdem nicht vorstellen, dass dadurch Menschen sterben."
Trinkpausen, Klimageräte und Hitzefrei light Hitze in der Kita: So trotzen Kindergärten den extremen Temperaturen
Hitze kann für Kleinkinder besonders gefährlich sein. Schatten, viel trinken und leichte Kleider sind in vielen Kitas Standard. Doch reicht das? Gibt es Konzepte?
Hitze ist abstrakter als andere Bedrohungen
"Es gibt da den Begriff Übersterblichkeit, den wir auch aus der Corona-Pandemie kennen. Viele verstehen nicht, wie man das überhaupt zählen kann - also ist man an der Hitze gestorben oder mit der Hitze. Man kann aber sehr gut belegen, dass zum Beispiel 2003 bei der großen Hitzewelle 9.000 Menschen zusätzlich gestorben sind."
Wer ist am meisten betroffen?
Man müsse vor allem an ältere Menschen denken, sagt Feteke. Gerade Leute, die auf Pflege angewiesen seien, haben oft keine Möglichkeit, sich selber gegen die Hitze zu helfen. "Die sterben häufiger, das kann man medizinisch nachweisen – vor allem an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Personen, die sich draußen verausgaben, sind gefährdet." Man sollte viel trinken und auf Schatten achten. Das ist im Alltag aber leichter gesagt als getan.
Das Hauptproblem beim Bevölkerungsschutz
"Wenn wir - und das ist leider vorstellbar - wochenlang solche Temperaturen haben, dann wird man die Bevölkerung zu Hause betreuen oder zentral in gekühlten Räumen versammeln müssen." Bei der häuslichen Betreuung müssten auch speziell ältere Menschen versorgt werden, die sonst dehydrieren. Gerade, wenn sie allein leben. Also einfach mal beim Nachbarn klopfen und fragen, ob es ihm gut geht. Auch wenn die Bahn wieder ausfällt und viele Menschen an Bahnhöfen stehen, braucht es einen Schutz vor der Hitze.
Hohe Wassertemperaturen Hitzewelle am Rhein: Fische kämpfen ums Überleben, Unternehmen stehen unter Druck
Mit der Hitzewelle wird auch der Rhein immer wärmer. Die Untersuchungsstation in Mainz zeigt aktuell 27,9 Grad Wassertemperatur an. Und das hat Folgen.
Die Politik reagiert nicht stark genug
"Es gibt da den Begriff Katastrophenschutz-Leuchttürme. Da wird gerade bei Kommunen viel gemacht. Bedeutet: Es gibt im Winter Wärmestuben bei Energiemangellagen und im Sommer eben kühle Orte." Das Problem ist aber auch hier die Finanzierung. Es gibt auch Bundesbehörden, die sich damit beschäftigen. "So richtig ist es aber auch bei den Behörden noch nicht im Bewusstsein angekommen", sagt Feteke.
Probleme in der Krisenkommunikation
"There is no glory in prevention – Es gibt keinen Ruhm in der Prävention. Wir Menschen sind skeptisch und das ist auch gut so. Es ist normal zu sagen, ein heißer Sommer ist nichts Besonderes." Deswegen sei es auch so unverständlich für viele Menschen, dass da auch was passieren könne. Man müsse aufpassen, dass man sich nicht überlaste.
Auch "Überwarnung" ist ein Problem
"Wenn man die Menschen zu oft mit Warnungen und Maßnahmen bombardiert, ignorieren die das. Man wird ja oft auch so überleben. Deswegen muss man das gut dosieren und aufklären." Behörden und KommunikatorInnen müssten sich aber auch trauen, sich mal unbeliebt zu machen und im Zweifelsfall Veranstaltungen absagen.
Hitze führt zu Programmänderungen Laupheimer Kinder- und Heimatfest - Umzug am Sonntag abgesagt
Nach der hitzebedingten Absage des Festzuges am Sonntag sollen alle anderen Traditionsveranstaltungen wie geplant stattfinden - auch der Umzug am Montag.
Es gibt Veränderungen
"Der Klimawandel lässt sich nicht so leicht verhindern. In den 90ern ging es viel um Sonnenschutz, wegen des Ozonlochs. Da konnten sich alle einigen und das Problem wurde gelöst. Aber beim Klimawandel können wir uns nicht so einfach einigen." Auch der Energiehunger steige, zum Beispiel durch die Kühlung von Servern für KI. Auch wenn immer mehr Klimaanlagen angeschafft werden, brauchen die Strom. "Was sich verändern muss, ist die Zusammenarbeit von Behörden. Da würde ich mir wünschen, dass mehr Gesundheitsämter, die Hitzeschutzpläne machen, mit den Behörden für Bevölkerungsschutz zusammenarbeiten."