Vor 25 Jahren hat Deutschland das Recht auf gewaltfreie Erziehung gesetzlich verankert. Das gilt auch für seelische Gewalt. Eine Studie der Uniklinik Ulm in Kooperation mit UNICEF Deutschland zeigt aber: Gewalt - vor allem emotionale - ist in einigen Familien noch immer Alltag. 16 Prozent der Befragten halten es für vertretbar, Kinder anzuschreien. Über zehn Prozent geben an, Kinder schon einmal ins Zimmer gesperrt oder mit Schweigen bestraft zu haben.
Psychische Gewalt: Nicht immer von Eltern so wahrgenommen
Professor Jörg Fegert ist ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm und Mitautor der Studie. Um an Ergebnisse zu kommen, wurden verschiedene Erwachsene befragt, erklärt er in SWR Aktuell. Zum einen, was sie in ihrer Kindheit erlebt haben, dann zu ihrer Einstellung - was finden sie richtig - und danach wie sie selbst erziehen. Was dem Experten hierbei auffällt: Frage man nach emotionalen Strafen, bekomme man eine recht positive Einstellung , "nämlich dass die meisten sagen: Das wollen wir gar nicht in der Erziehung. Aber wenn wir dann konkret nach Einsperren ins Zimmer – wie Hausarrest – nach Herabsetzung und so weiter fragen, dann gibt es doch einen gewissen Prozentsatz von Eltern, der sagt: Ja, das machen wir und das halten wir auch für gerechtfertigt."
Der Grund hierfür, so vermutet Fegert, liege daran, dass die Eltern diese Methoden nicht als psychische Gewalt wahrnehmen. Allerdings macht er einen Unterschied darin, ob so ein Verhalten einmal vorkommt oder sich daraus ein Muster entwickelt. Welchen Unterschied das macht wie sich die eigene Kindheit auf den Erziehungsstil auswirkt, darum geht es im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Moritz Braun.
Unicef-Umfrage Gewalt in der Erziehung fällt auf historisches Tief
Es sind eigentlich sehr gute Nachrichten für Kinder und Eltern: Die Ohrfeige, die „Tracht Prügel“ – das nimmt offenbar immer mehr ab. Aber Vorsicht: Da lauert immer noch einiges.