Samstags kostenlos Bus fahren: OB Palmer über sein "Herzens-Projekt"

Kostenlos Bus fahren am Samstag, das ist eine Idee, der immer mehr Städte und Gemeinden etwas abgewinnen können. In Neuwied entscheidet der Stadtrat, ob der kostenlose Samstagsbus eingeführt wird. In anderen Städten gibt es ihn schon. Als Vorreiter gilt Tübingen. Dort ist der Bus - und auch eine Bahnstrecke - schon seit gut acht Jahren jeden Samstag ticketfrei. Welche Erfahrungen hat man damit gemacht?

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Der eigentliche Anlass, den ticketfreien Samstag einzuführen, war, dass das wichtigste Parkhaus in der Innenstadt zwei Jahre lang saniert werden musste: "Wir wollten eine Alternative für die Anreise der Kundschaft anbieten", sagt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer in SWR Aktuell.

Für Palmer war es aber auch ein "Herzens-Projekt": "Wir hatten schon seit 2010 eine Debatte in der Stadt, ob es nicht dazu führt, dass mehr Menschen umweltfreundlich fahren, wenn die Ticket-Barriere abgebaut wird - das wollten wir testen." Das Ergebnis: Es gab viel mehr Fahrgäste.

Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen
Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen picture alliance/dpa | Marijan Murat

Wir haben seither konstant ein Drittel mehr Busfahrgäste am Samstag. Das sind etwa 10.000 zusätzliche Fahrgäste jeden Samstag, die so in die Stadt kommen.

Ticketfreier Samstag auch für Autofahrer verlockend

Das Angebot des ticketfreien Samstags sei preislich auch für Leute interessant, die ein Auto haben. Vorher haben zwei Personen für die Hin- und Rückfahrt mit dem Bus allein im Stadtgebiet von Tübingen zehn Euro ausgeben müssen.

Das macht kein Mensch. Aber wenn es umsonst ist und man dann keinen Parkplatz braucht, lohnt es sich.

"Manche haben sogar 'Scotland Yard' im Stadtbus gespielt"

Ob manche durch das kostenlose Busfahren an Samstagen auf den Geschmack gekommen sind und auch unter der Woche den ÖPNV nutzen, lasse sich nicht mit Zahlen belegen. Aber in Gesprächen hätten manche, die den Stadtverkehr vorher nicht probiert hatten, gemerkt, dass dieser gut funktioniere. Es habe auch lustige Begegnungen gegeben: "Manche Leute haben angefangen, am Samstag 'Scotland Yard' im Stadtbus zu spielen. Das ist eine kostenlose Werbung."

Kosten werden über Parkgebühren refinanziert

Die Kosten für den ticketfreien Samstag werden nach Palmers Worten durch Parkgebühren gegenfinanziert.

Parkgebühren wurden in Tübingen flächendeckend eingeführt und auch die Anwohner-Parkgebühren wurden sehr verteuert. Damit kommen in etwa fünf Millionen Euro rein. Die stecken wir in die Verbesserung des Busangebots.

Der kostenlose Samstag sei zentrales Element des Klimaschutzprogramms der Stadt - und eines der effektivsten: "Es gibt niemand seine Monatsfahrkarte zurück, weil der Bus am Samstag kostenlos ist. Wir müssen also nur die Ausfälle der Fahrgäste erstatten, die bisher samstags Einzelfahrscheine gekauft hatten." Das sind laut Palmer etwa 4.000 Euro, die am Samstag eingenommen wurden, und die jetzt aus der Stadtkasse an den Verkehrsverbund gezahlt würden - refinanziert durch Parkgebühren.

Der Oberbürgermeister von Tübingen würde sich wünschen, dass der Personennahverkehr komplett kostenfrei wird - so wie in Luxemburg oder in Montpellier in Frankreich. Warum er das für schwierig hält, darüber hat Boris Palmer mit SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler gesprochen.