Ungarn vor der Parlamentswahl: Womit Herausforderer Peter Magyar punktet

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban könnte am Sonntag abgewählt werden. Sein Herausforderer Peter Magyar liegt in den Umfragen für die Parlamentswahl vorn. Ellen Bos, Politikwissenschaftlerin an der Andrássy Universität Budapest erklärt im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Jonathan Hadem, warum eine Mehrheit in Ungarn den Wechsel will.

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Peter Magyar von der Tisza-Partei habe ein Angebot gemacht, das für die Menschen in Ungarn attraktiv sei. "Er verspricht ein funktionierendes und menschliches Ungarn, das fest im Westen verankert ist", sagt die Expertin. "Er verspricht die Probleme zu lösen." Denn die Unzufriedenheit mit dem "System Orban" sei groß. Gründe seien der schlechte Zustand des Gesundheits- und Bildungssystems sowie die wirtschaftliche Stagnation. "Für viele haben sich die finanziellen Verhältnisse verschlechtert." Inflation und hohe Preise hätten die Ungarn Kaufkraft gekostet.

In Ungarn herrscht eine große Mobilisierung der Bevölkerung. Sie ist so groß, wie es zum letzten Mal beim Systemwechsel im Jahr 1989 war.

Zwei-Drittel-Mehrheit für Tisza-Partei möglich

Der Sieg des Oppositionspolitikers Peter Magyar von der Tisza-Partei scheint festzustehen. Jüngste Umfrage gehen sogar von einer Zwei-Drittel-Mehrheit aus, sagt die Politikwissenschaftlerin. Das sei wichtig, um das von Orbans Fidesz-Partei zementierte System grundlegend ändern zu können - und zwar gleichermaßen was Personen und Regelungen anbelangt. "Es ist sehr viel Blockadepotenzial vorhanden", warnt die Professorin, sollte die Tisza-Partei keine Zwei-Drittel-Mehrheit erreichen.

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Wie wird Orban auf eine Niederlage reagieren?

Der noch amtierende ungarische Regierungschef Viktor Orban hat in den vergangenen Jahren seiner Amtszeit immer wieder rechtsstaatliche Prinzipien außer Kraft gesetzt. Trotzdem geht Ellen Bos davon aus, dass er sich dem Votum des Volkes fügen werde. "Er hat selbst vor kurzem gesagt: Wenn es eine klare Mehrheit gibt, akzeptiert er das." Es kursierten in Ungarn allerdings viele Gerüchte, wie ein Regierungswechsel verhindert werden könne. Doch die Politikwissenschaftlerin ist zuversichtlich: "Ich kann es mir nicht vorstellen, dass es dann so eine Art Putsch gibt." Orban werde eine Niederlage bei der Parlamentswahl akzeptieren, sagt sie und ergänzt: "Ich hoffe, ich liege da richtig."

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