Was die Politik mit Wurst zu tun hat

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Von Autor/in Gerhard Leitner

Wenn gewählt wird, dann gibt es immer Verlierer. Besonders schlimm, wenn der Sieg knapp oder unerwartet aus den Händen gegeben wird, so wie bei den vergangenen Landtagswahlen. Wie geht die Politik mit Enttäuschung um? Darüber hat sich Gerhard Leitner in seiner Kolumne Gedanken gemacht. Feedback? Gerne! kolumne@swr.de

Was die Politik mit Wurst zu tun hat

Also das hier ist nichts für Vegetarier oder gar Veganer : es geht um die Leberwurst. Eine urdeutsche Delikatesse. Da drin ist, wie der Name schon sagt, hauptsächlich Leber - in der Regel etwa 40 Prozent – der Rest sind andere Schlachterzeugnisse. Es gibt bekannte Regionale Spezialitäten, wie die Pfälzer Leberwurst, die Thüringer Leberwurst, die Aachener, die Gänseleberwurst und es gibt die beleidigte Leberwurst. Letztere gerne in Menschengestalt und sie zeigt sich am deutlichsten zb. nach verlorenen Wahlen. So geschehen gleich zwei Mal in diesem Monat. Am 8. März in Baden-Württemberg und am vergangenen Wochenende in Rheinland-Pfalz. Ist natürlich klar, dass das eine Kränkung ist, wenn man sich schon als Sieger sieht und dann knapp die Nummer zwei wird. Da wird man schnell zur…? Genau! Aber warum eigentlich beleidigte Leberwurst?  Im Mittelalter gingen die Gelehrten davon aus, dass alle Gefühle des Menschen in der Leber produziert werden. Egal ob Trauer, Liebe oder Wut - alles sollte von dieser einen Stelle im Körper kommen. Und wenn sich nun jemand geärgert hat , dann hatte er halt eine beleidigte Leber. Z.b. eben, wenn ausgerechnet ein Grüner den sicher geglaubten CDU- Sieg im Ländle wegschnappt. Zwar ist in dem Fall die beleidigte Leberwurst eine beteiligte Leberwurst. Aber der Ärger sitzt wohl immer noch tief. Angeblich verlaufen die Sondierungen bis jetzt eher frostig.

Einen enttäuschten Verlierer gabs auch in Rheinland-Pfalz. Aber der SPD-Landesvater war eher sauer auf seine eigene Partei, mit ihren schlechten Zustimmungswerten in Berlin – die die Wahl wohl versemmelt haben. Da wäre ich auch nicht am nächsten Tag ins Willy-Brand-Haus nach Berlin gefahren, um Trost-Blumen zu empfangen. Noch schlimmer die Liberalen. Auch bei der FDP hat sich, nach den verheerenden Landtagswahlergebnissen, die gesamte Führungsriege – ich kürze ab – als b.L. geoutet und ist geschlossen zurückgetreten. Weniger Zuneigung geht kaum. Aber das ist alles nichts gegen the greatest liver sausage ever - die größte lebende beleidigte Leberwurst. Die Rede ist natürlich von Donald Trump – und zwar dann, wenn er nicht die verdiente totale Bewunderung erfährt. Kritiker, unliebsame Journalisten oder kritische Organisationen leben bei Liebesentzug gefährlich, genauso wie Staatschefs oder Präsidenten - bei der leisesten Kritik. Wie bei des Kaisers neue Kleider. So, genug jetzt mit den Betrachtungen über Politik und Enttäuschung. Und bitte keine bösen Kommentare – ich werde nämlich schnell selber zur beleidigten Leberwurst.

Wahlstimmen bis Wohnungsgröße: Alles relativ

Groß oder klein? Warm oder kalt? Schnell oder langsam? Wer weiß das schon so genau. Kommt eben auf die Relation an. Leider halten ausgerechnet die Mächtigen vom Relativieren wenig, bedauert Laura Koppenhöfer in ihrer Kolumne. Feedback? Gerne! Kolumne@swr.de

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Gerhard Leitner
Gerhard Leitner steht im Gang eines SWR-Gebäudes