Was hat die Politik mit der Pommesbude zu tun?

Es ist wie in einem Restaurant: wenn das Essen schlechter wird, man lange warten muss und die Preise hochgehen, dann bleiben die Gäste aus. Unser Kommentator meint, so ist es auch in der Politik. Wenn die Angebote für die Bürger nicht mehr attraktiv sind, wandern sie ab. Bildlich gesprochen zur nächsten Pommes-Bude, wo es einfache billige Kost gibt, meint Gerhard Leitner in unserer Kolumne:

Teilen

Stand

Von Autor/in Gerhard Leitner

Herr Ober! Komisch, warum dauert das so lange, warum tut sich da nix. Ich probier`s noch mal: Herr Ober. Ah – jetzt kommt er - wohl der Chef selber. „Sie müssen sich leider etwas gedulden, unser Angebot ist derzeit eingeschränkt, wir haben Probleme mit dem Bratöl. Das kommt fast ausschließlich aus Olivien und die Transportroute ist wegen der Kämpfe um die Insel praktisch zu. Das heißt, Pommes bei uns auf der Karte sind derzeit deutlich teurer“.

Und dann hat der Besitzer noch Streit mit dem Küchenchef. Der meint, jeder habe ein Recht auf günstige Pommes – dann müssen wir halt den Hummer teurer machen. Das wiederum geht gar nicht, meint der Besitzer, wir können doch nicht die reichen Gäste verärgern. Und so ergibt ein Wort das andere. Ich als Gast kriege die miese Stimmung natürlich mit. Wo der neue Besitzer noch, bevor er den Laden vor genau einem Jahr übernommen hat, behauptet hat, wie toll das alles wird mit dem tollen Personal und so. Ganz anders als beim Vorbesitzer.

Was hat die Politik mit der Pommesbude zu tun?

Von wegen: Mittlerweile gehen immer mehr in die Pommes-Bude um die Ecke. Die ist zwar etwas schmuddelig, aber dafür gibt’s einfache Gerichte, die schnell satt machen und zur Bockwurst diese braune Soße, von der jetzt so viele schwärmen. Und genauso ist es in der Politik. Wenn das Essen der Regierung nicht mehr schmeckt und dann auch noch teurer wird, dann gibt’s schlechte Bewertungen zb im Internet und die Reservierungen gehen zurück. Natürlich kann man am derzeitigen Chef der Republik und seinem Team einiges aussetzen. Alles nachvollziehbar.

Aber dieses massive Verächtlichmachen und Herabsetzen von Politikern – auch das gegenseitige – das geht mir zunehmend den Geist: er kanns nicht! Tiefpunkt, Absturz, die Regierung ist am Ende. Buh-rufe und Gelächter während der Merz-Rede beim Gewerkschaftsbund, wenn er unbequeme Wahrheiten anspricht. Kritik aus der SPD also vom Regierungspartner – und sogar aus der eigenen Partei: Zu abgehoben, zu sprunghaft, zu negativ, heißt es sogar von Unionspolitikern. Und kein Wunder: Mit der Arbeit des Kanzlers sind laut der letzten Deutschland-Trend Umfrage derzeit nur noch 16 Prozent zufrieden.

Ich bin auch nicht zufrieden und auch kein besonderer Merz-Fan. Aber soll es das schon gewesen sein? Und vor allem: wer wird den Laden übernehmen, wenn der Restaurant-Chef, der Küchenchef, das Service-Personal, der Kellermeister, die Bar und das Café-Personal sich weiter zanken und nicht kapieren, dass das bei den Gästen gar nicht gut ankommt und die dann weg bleiben und woanders hin gehen. Die von der Pommesbude reiben sich schon die Hände: möglicherweise steht das Restaurant bald günstig zum Verkauf. Und das wäre wirklich schade – prost Mahlzeit

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Gerhard Leitner
Gerhard Leitner steht im Gang eines SWR-Gebäudes
Onlinefassung
Florian Rudolph
Porträt Florian Rudolph