Es war der frühere FDP-Chef Guido Westerwelle, der den Satz sagte: "Es gibt zwei Institutionen, die Erfahrung mit der Auferstehung haben. Das sind die christliche Kirche und die FDP." Und jetzt, nachdem sogar der Kanzler die FDP für tot erklärt hat, kommt Wolfgang Kubicki ausgerechnet am Ostersonntag 2026 und kündigt an, den Vorsitz eben dieser FDP zu übernehmen. Wolfgang Kubicki, der Messias der FDP? "Das wäre etwas übertrieben", findet Kubicki, der designierte Parteichef.
"Politikersprech finden die Leute eklig"
Doch dass es ohne ihn gerade nicht läuft, davon ist er überzeugt. "Ich übernehme deshalb, weil die Partei offensichtlich mit der Führungsspitze vollständig unzufrieden war", sagt Wolfgang Kubicki im ARD Interview der Woche. Die Zukunft der Partei sei er aber nicht. Er setzt auf andere: Linda Teuteberg, den designierten Generalsekretär Martin Hagen, Susanne Seehofer, Nicole Büttner , Jens Teutrine. "Das werden die Persönlichkeiten sein, denen ich auch regelmäßig mitteile: Ich mache auch Kontrollen. Ich gucke, wie häufig ihr irgendwo erschienen seid, wie häufig ihr eingeladen worden seid bei Verbänden, Organisationen."
Die FDP müsse wieder öffentlich wahrgenommen werden. Kubicki setzt auf seine markigen Worte. "Wir haben uns angewöhnt, die Leute mit einem unglaublichen Politikersprech zu beglücken und das finden die mittlerweile eklig.“ Den Kanzler einen Eierarsch nennen, wie er es vor einigen Wochen in einem Interview getan hat – das will er aber nicht mehr. Das habe er dem Kanzler persönlich versprochen.
Wundern über Kanzler Merz
Hart in der Sache wolle er aber bleiben: "Ich wundere mich über die Art und Weise, wie Friedrich Merz als Bundeskanzler auftritt", so Kubicki. "Ich wundere mich über die Politik und ich wundere mich mittlerweile auch über die Union, weil ich mir nie habe vorstellen können, dass man die eigenen Leute noch feiert bei der Union, wenn man 22 Prozent hat oder halb so stark ist wie die AfD oder die AfD eine höhere Kompetenzzuweisung hat als die Union. Also, dass sich da nicht mehr Unmut breit macht, dass sich da nicht die Überlegung breit macht, wir müssen was ändern, um wieder stärker zu werden, das wundert mich."
Kubicki ist überzeugt, dass der Kanzler viel stärker von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch machen und sagen könnte: Wir machen das jetzt so.
"Dann haben die Sozialdemokraten folgende Möglichkeiten: Sie machen mit oder sie steigen aus der Regierung aus. Wenn sie aus der Regierung aussteigen, verlieren sie ihre Ministerposten und die letzte Möglichkeit, öffentlich wahrnehmbar zu kommunizieren. Und eine SPD, die bei 12 Prozent ist, kann nicht in einen Wahlkampf gehen."
"Ich rede auch mit AfD-Vertretern"
In Berlin führt er als ehemaliger Bundestagsvizepräsident während der Sitzungswochen noch immer Gespräche. Die Stimmung in Berlin sei bei allen schlecht. "Weil alle mit großen Kinderaugen das Erstarken der AfD sehen und nicht mehr wissen, was man dagegen tun soll. Offensichtlich hat die Form der Ausgrenzung der AfD nicht geschadet, sondern ihr eher genützt." Kubicki lehnt die Brandmauer ab und sagt: "Ich rede auf Veranstaltungen auch dort, wo AfD-Vertreter sind. Ja, ich rede auch mit AfD-Vertretern." Er setze auf Ab- statt Ausgrenzung – und für den Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt gelte das Motto: "Wenn ich nur die Alternative habe zwischen Volksfront oder völkischer Front, dann braucht man eine starke Kraft der Freiheit in der Mitte zwischen allen Beteiligten." Die soll die FDP sein.
Eher Mallorca als Bundestag
Ob er selbst in drei Jahren noch dabei sein wird? Kubicki will sich nicht festlegen. “Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich 2029 die FDP in den Bundestagswahlkampf führe, ist deutlich geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass ich auf Mallorca bin.“