Die armen Kühe! Ich kann mich erinnern, als die Sommerzeit 1980 in Deutschland eingeführt wurde, war das Jammern groß – wegen der Kühe. Denn die Kühe lieben Routine: jeden Tag die gleichen Abläufe, feste Zeiten für Fressen, Liegen und Wiederkäuen. Die Kühe sind sozusagen die Beamten unter den Nutztieren. Da macht eine Stunde früher oder später melken schon was aus. Einen Beamten können sie ja auch nicht eine Stunde früher aus dem Büroschlaf wecken oder gar warten lassen.
Tatsache ist, dass jedes Mal, in den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung ein Viertel mehr Menschen mit Herzinfarkt im Krankenhaus landen als im Jahresdurchschnitt – das hat eine DAK-Studie ermittelt. Es gibt deutlich mehr Verkehrsunfälle und die allgemeine Leistungsfähigkeit nimmt ab.
Und gerade mit Blick auf die Rinder geht das natürlich gar nicht, mit ihren Hochleistungseutern oder dem Hochleistungsfilet. Die werden deswegen in den Tagen davor schrittweise eingewöhnt. Und da die wenigsten Kühe die Stall-Uhr lesen können, bekommen die von der Zeitumstellung kaum was mit – ein Großteil von ihnen sieht ohnehin selten das Tageslicht. Außerdem kann man die Zeit sowieso nicht umstellen, wie Möbel oder so, man kann maximal die Uhren umstellen.
Und überhaupt das mit der Zeit - für was die alles herhalten muss: Manche wollen die Zeit sogar wieder zurückdrehen, und träumen von Früher. Apropos: dass wir überhaupt in Deutschland eine einheitliche Uhrzeit haben, verdanken wir Kaiser Wilhelm dem Zweiten. Bis zum 1. April 1893 hatte jeder Ort in Deutschland seine eigene Zeit, die sich nach dem Stand der Sonne gerichtet hat. Wer unterwegs war, musste seine Taschenuhr alle 18 km um eine Minute vor- oder zurückstellen, je nachdem, ob er in westliche oder östliche Richtung gereist ist. Es galt die jeweilige Ortszeit – angezeigt von der Kirchturmuhr. Also Bahnfahren war damals schon kompliziert – etwa so wie heute.
Übrigens: Sommerzeiten gab es in der Vergangenheit ja auch schon mehrmals – zwischen 1916 und 18 und dann nochmal zwischen 40 und 45. Aus kriegs-wirtschaftlichen Gründen. Auch das mit der Zeitenwende – als könne man die Zeit irgendwie umklappen oder verdrehen. Aber die verläuft sowieso nicht gradlinig. Fragen sie mal Experten, die sich mit der Relativitätstheorie auskennen, oder Quantenphysiker! Aber das würde jetzt zu weit führen und ist auch ein bisschen kompliziert. Und wie unterschiedlich man Zeit empfindet: 10 Minuten in der Warteschlange an der Kasse sind extrem lang, 10 Minuten in der Hängematte sind gar nichts.
Aber beim Gedanken an die Hängematte schweife ich sehr weit ab. Eigentlich bin ich genervt von der Uhrumstellung am Wochenende. Mir geht es so, wie der Mehrheit der Bevölkerung. Nach einer Umfrage in der EU sprechen sich mehr als 80 Prozent der Befragten schon seit Jahren für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Dabei hatte das Europäische Parlament der Abschaffung bereits ab 2021 zugestimmt. Aber seitdem ist nichts passiert, weil die EU-Länder uneinig sind, welche Zeit künftig beibehalten werden soll, Sommer- oder Winterzeit? Mir egal, die schönste Zeit sowieso die Freizeit!
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