Es sollte das von mindestens einer Million Menschen getragene Comeback des Plastikstrohhalms werden. Doch rund eineinhalb Jahre nach dem Start einer Online-Petition für das Comeback der früher beliebten Plastikvariante ist die in Eppelheim im Rhein-Neckar-Kreis gegründete Firma Capri-Sun weit entfernt vom damals formulierten Ziel. Statt der vom Unternehmen anvisierten einer Million Unterschriften, haben bislang lediglich 168.000 Menschen die Initiative für eine Rückkehr zu Plastikstrohhalmen unterzeichnet, die Druck auf die EU-Kommission auslösen sollte.
Capri-Sun will Comeback von Strohhalm aus Plastik: Marke von 1 Million Unterschriften verfehlt
Konkret wollte man mit der Aktion das Verbraucherinteresse an funktionalen und recyclingfähigen Trinkhalmlösungen sichtbar machen, so das Unternehmen auf Anfrage. Die Petition würde aktuell nicht weiter aktiv beworben, da man sich bereits mit der EU in einem konstruktiven Austausch befinde. Auf Nachfrage teilte eine Sprecherin der EU-Kommission dem SWR mit, dass es dem Organ nicht bewusst gewesen sei, dass Capri-Sun dieser Petition nachgegangen sei.
Jedoch hätten sich Kommissionsvertreter mit dem Unternehmen getroffen, um das Verbot von Einwegplastikstrohhalmen zu besprechen. Einen eindeutig auf den Papierhalm zu schließenden Absatzrückgang der 200-Milliliter-Trinkbeutel stellt das Unternehmen auf SWR-Nachfrage übrigens nicht fest. Laut eigenen Angaben verkauft das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz in über 100 Ländern pro Jahr 6 Milliarden Trinkbeutel. Der Jahresumsatz liegt Konzern-Angaben zufolge bei 1,4 Milliarden Euro. 2024 hatte CEO Roland Weening in einem Interview mit der Schweizer "Sonntagszeitung" betont, dass sich die Verkaufszahlen seit der Einführung des Papierhalms nicht so entwickelt hätten wie erwartet.
2021 hatte das 1969 als Capri-Sonne gegründete Unternehmen sein weltweit bekanntes Getränk in der 200-Milliliter-Variante mit einem Papierstrohhalm statt einer Plastikvariante versehen. Damals reagierte der Konzern mit Deutschlandsitz in Eppelheim auf die eingeführte EU-Einwegkunststoffrichtlinie (Single-Use Plastics Directive, kurz SUPD) - und seitdem hagelt es seitens der Kundinnen und Kunden immer wieder Kritik an der Papiervariante. Der Strohhalm werde zu schnell weich, lasse sich erst gar nicht in die Öffnung durchstechen oder beeinflusse den Geschmack des Getränks, so häufig genannte Vorwürfe. Viel Kritik löste auch die Tatsache aus, dass der Papierstrohhalm selbst in Folie verpackt ist.
Strohhalm aus Papier mit negativen Eigenschaften: Verbraucher unzufrieden
Konkrete Beschwerden hätte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg über das Produkt seitdem zwar nicht erhalten, so eine Sprecherin im Gespräch mit dem SWR. Allerdings sollten die Konsumenten erwarten dürfen, dass sich der beigefügte Trinkhalm nicht mit der Zeit auflöse. Außerdem müsse die Lebensmittelsicherheit gewährleistet sein. Grundsätzlich sei aus ökologischer Sicht die Verpackung von Getränken in Einwegverpackungen nicht die beste Option - schon gar nicht mit einem nochmals verpackten zusätzlichen Strohhalm. Entsprechend brauche es aus Sicht der Verbraucherzentrale andere Lösungen zur Verpackungsgestaltung der Getränke.
Ein Wunsch, den auch Capri-Sun selbst äußert. Im Zuge der Gespräche mit der EU-Kommission habe man die Verantwortlichen unter anderem auf das Feedback der Verbraucher aufmerksam gemacht. Zusätzlich habe man darauf hingewiesen, dass zentrale EU-Regelwerke aktuell nicht in sich stimmig seien.Zwar seien Einwegtrinkhalme verboten, gleichzeitig ziele die neue Verpackungsverordnung auf die Förderung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen ab, so Capri-Sun auf SWR-Anfrage. Ein Strohhalm, der aus demselben Material wie der Trinkbeutel sei, nämlich im konkreten Fall Polypropylen, würde die Recyclingfähigkeit des gesamten Produkts verbessern. Da dies aufgrund der SUPD aber laut dem Unternehmen nicht zulässig ist, werde man bei der Entwicklung praktikabler Lösungen gehemmt, so das Unternehmen weiter.
So bekäme man, trotz Verbesserungen der Papiertrinkhalme, noch immer negatives Feedback seitens der Verbraucher. "Dieses Feedback nehmen wir sehr ernst und arbeiten deshalb intensiv an innovativen, nachhaltigen Alternativen, die sowohl die Anforderungen an Recyclingfähigkeit als auch an ein angenehmes Trinkerlebnis erfüllen", so das Unternehmen.
EU-Kommission will Richtlinie überprüfen: Neue Chance für Strohhalm aus Plastik?
Gibt es in diesem Zusammenhang eventuell schon bald eine für die Verbraucher zufriedenstellendere Lösung? Die EU-Kommission wird laut eigenen Angaben die Einwegkunststoffrichtlinie bis 2027 evaluieren. Dann soll es auch darum gehen, ob die Richtlinie noch ihren Zweck erfüllt. Auch soll das Potential geprüft werden, die Gesetzgebung zu vereinfachen und die administrative Belastung für diejenigen, die sie anwenden müssen, zu verringern. Dies alles soll unter Berücksichtigung des eigentlichen Ziels, der Reduzierung von Plastikmüll, geschehen. Dazu endete in der vergangenen Woche eine über mehrere Monate andauernde öffentliche Feedback-Phase.
Erst vergangene Woche hat Capri-Sun laut eigenen Aussagen erneut seine Einwände bei der EU-Kommission eingereicht. Man wolle zu einer notwendigen regulatorischen Klärung beitragen, heißt es. Langfristig bedeute das eine Entwicklung einer funktionalen, möglichst nachhaltigen sowie einheitlichen Verpackungslösung. Das Comeback eines nicht aus Papier bestehenden Strohhalms ist also noch nicht ganz vom Tisch.