Fehlerhafte Zeugnisse

FAQ: Welche Auswirkungen hat die IT-Panne bei Abiturnoten in Baden-Württemberg?

Nach fehlerhaften Abi-Zeugnissen in Baden-Württemberg gibt es viele Fragen zu Noten, Bewerbungen und neuen Zeugnissen. Das FAQ gibt Antworten.

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Von Autor/in Katharina Fuß

Rund hundert Abiturientinnen und Abiturienten in Baden-Württemberg haben aufgrund einer IT-Panne ein fehlerhaftes Zeugnis bekommen, meist zu gut. In einem Fall gibt es laut Landes-Kultusministerium eine Abweichung von 0,6 bei der Abi-Note. Für die betroffenen Schülerinnen und Schüler stellen sich jetzt viele Fragen: Inwieweit verändert sich mein Abi-Schnitt? Muss ich jetzt selbst aktiv werden? Welche Folgen hat das für meine Studien- oder Ausbildungsbewerbung? In diesem FAQ beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um die fehlerhaften Abiturzeugnisse und erklären, wie es jetzt weitergeht.

Wie kam es zu den fehlerhaften Abi-Zeugnissen?

Grund für die falschen Zeugnisse ist laut dem Kultusministerium in Baden-Württemberg ein Programmierfehler in einer Software, die viele Schulen im Land für die Verwaltung und Planung der gymnasialen Oberstufe einsetzen. Dabei handele es sich um die Software eines kommerziellen Anbieters, die aus den erreichten Punkten die Abi-Note errechnet.

Wer ist von der Software-Panne betroffen?

Betroffen sind laut Landes-Kultusministerium rund 100 Schülerinnen und Schüler an 54 Gymnasien in Baden-Württemberg. Bei rund 70 von ihnen soll die Korrektur des Fehlers Auswirkungen auf den Abiturschnitt haben.

Welche Auswirkungen hat der Fehler auf die Abitur-Note?

In den meisten Fällen wird der Abi-Schnitt jetzt laut Kultusministerium etwas schlechter, in den allermeisten Fällen um ein Zehntel oder zwei Zehntel. "Also zum Beispiel von 1,6 auf 1,8", erklärte der baden-württembergische Kultusminister Andreas Jung (CDU) im SWR-Interview. In einem Fall gebe es eine Abweichung von 0,6. Das sei aber - bei allem, was das Ministerium wisse - ein Einzelfall, so Jung. Hier soll laut Ministerium noch geprüft werden, ob die Abweichung wirklich allein auf das Softwareproblem zurückzuführen ist. Alle Betroffenen haben demnach das Abitur bestanden.

Wie erfahren die betroffenen Schülerinnen und Schüler, ob ihr Abi-Zeugnis fehlerhaft ist?

Das Kultusministerium hat für die Schülerinnen und Schüler eine direkte Anlaufstelle eingerichtet. Den Betroffenen wird demnach der Kontakt über ihre Schulen mitgeteilt. Außerdem hat das Ministerium alle diese Woche zu einem Gespräch eingeladen, um den Fehler aufzuarbeiten. Jung betonte, man wolle mit ihnen über die Folgen sprechen und um Verständnis für diesen Fehler bitten.

Wann und wie erhalten die Betroffenen ein korrigiertes Abiturzeugnis?

In einer Pressemitteilung des Kultusministeriums heißt es dazu: "Die Schulen sind dabei, bei den betroffenen Abiturientinnen und Abiturienten die Korrektur der fehlerhaften Zeugnisse vorzunehmen." Das Ministerium hatte nach eigenen Angaben am Dienstag (28.07.26) noch kein Bild davon, wo das schon gelungen ist. Einige Schülerinnen und Schüler seien nach dem Abitur verreist. Das Ministerium geht aber davon aus, dass die Information alle Betroffenen schon erreicht hat und der Vorgang bald abgeschlossen ist.

Was bedeutet die Korrektur für bereits eingereichte Bewerbungen an Hochschulen oder bei Arbeitgebern?

Das ist noch nicht ganz klar. Wenn der Abi-Schnitt jetzt nicht mehr zur Zulassungsbeschränkung einer Hochschule passt, kann nicht garantiert werden, dass die Betroffenen auch einen Platz bekommen. Auch wenn sie erst mal im Bewerbungsverfahren bleiben sollen. Die Hochschulen in Baden-Württemberg und die Ministerien in den anderen Bundesländern seien über den Vorfall informiert, vom für Universitäten und Hochschulen zuständigen Wissenschaftsministerium. Und weiter: "Rechtlich sind die Abiturientinnen und Abiturienten zur Richtigstellung der Durchschnittsnote und sonstigen Noten des Abiturzeugnisses verpflichtet. Der Studienplatzvergabe und der Einschreibung muss das richtige Zeugnis zugrunde gelegt werden. Insofern sind auch Korrekturen und Rücknahmen von Zulassungen unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände des Einzelfalls geboten und möglich." Das Kultus- und das Wissenschaftsministerium wollen die betroffenen Abiturientinnen und Abiturienten bei den laufenden Bewerbungen jetzt begleiten und unterstützen.

Wie soll verhindert werden, dass so ein Fehler in Zukunft nochmal passiert?

Künftig soll laut dem baden-württembergischen Kultusministerium bei neuen Kursstufen nur noch die landeseigene Schulsoftware (ASV-BW) für die Abiturplanung eingesetzt werden. Der Programmierfehler ist demnach ausschließlich bei der privaten kommerziellen Software WinProsa aufgetaucht. Die hatte lange über Funktionen verfügt, die die landeseigene Software nicht hatte. Da die Vorbereitung für einen Abiturjahrgang zwei Jahre vor der Prüfung beginnt, nämlich mit dem Eintritt der Schülerinnen und Schüler in die Kursstufe, haben viele Schulen in diesem Jahr noch WinProsa genutzt. Die Landessoftware wurde jetzt laut Ministerium optimiert und soll noch weiter verbessert werden, damit sie für alle Schulen attraktiv ist. Das fordert auch der Philologenverband Baden-Württemberg. Der hatte kritisiert, dass die kommerzielle Software WinProsa über Jahre das benutzerfreundlichere Programm gewesen sei. Der staatlichen Software ASV-BW hätten Funktionalitäten gefehlt, weshalb Lehrkräfte parallel beide Programme bedient hätten. Die landeseigene Software müsse daher jetzt dringend optimiert werden.

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Autor/in
Katharina Fuß
SWR-Redakteurin Katharina Fuß