Justizwillkür

Tränen bei Rückkehr: Festgenommener Urlauber aus Türkei zurück

Plötzlich ging es sehr schnell: Wassilij B. konnte aus der Türkei ausreisen und ist zurück in Baden-Württemberg. Nach einer Nacht zuhause besuchte er erstmals seine Eltern.

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Von Autor/in Markus Pfalzgraf

Als es in dem Reihenhaus in der Region Stuttgart klingelt, steht tatsächlich Wassilij B. vor der Tür. Er und seine Eltern können es kaum glauben, nach zweieinhalb Monaten unfreiwilligen Aufenthalts in Istanbul. Es fließen Tränen, auch wenn zumindest Wassilijs Mutter sich vorgenommen hatte, nicht zu weinen. Zwischen der Nachricht, dass er aus der Türkei in seine Heimat Deutschland zurückkehren kann, und seiner Ankunft, lag nicht einmal ein Tag.

Vorwurf türkischer Behörden: Teilnahme an Trans-Pride-Demonstration

Was war geschehen? An einem herrlichen Tag im Juni wollte Wassilij B. eigentlich nur letzte Souvenirs kaufen und sich auf seinen Rückflug am folgenden Tag vorbereiten. Doch auf der bekannten Galata-Brücke in Istanbul wurde er plötzlich von der Polizei kontrolliert und ohne ersichtlichen Grund festgenommen. Zwar wurde er am nächsten Tag wieder freigelassen, aber mit einer Ausreisesperre belegt.

Der Vorwurf lautete, der junge Deutsche habe an einer verbotenen Trans-Pride-Demonstration teilgenommen. In der Türkei werden Veranstaltungen für die Queer-Community regelmäßig untersagt, und eine Teilnahme an einer verbotenen Versammlung gilt als Straftat. Während er belegen konnte, an dem Tag woanders in der Stadt gewesen zu sein, wurden seitens der Behörden keine Beweise für seine Teilnahme an einer solchen Veranstaltung vorgebracht. Es begannen zähe Wochen des Wartens und Bangens, mit Bemühungen seiner Anwältin, seiner Eltern, von Politikern aus Deutschland und in diplomatischen Kreisen.

Wassilij B. will sich für andere einsetzen

Langsam gingen Wassilij B. Geld und Geduld aus. Wie lange würde es noch dauern? Doch dann kam plötzlich Bewegung in die Sache. Ein anderer Staatsanwalt hatte Anfang September den Fall übernommen und kam recht schnell zu dem Schluss, dass die Vorwürfe haltlos waren. Er ließ die Anklage fallen, und damit auch die Ausreisesperre. Wassilij B. konnte nach Hause.

Nach all dem, was er mitgemacht hat, will der junge Mann erst einmal ankommen. Es gibt viel zu regeln und zu verarbeiten. Natürlich will er auch Familie und Freunde treffen. Und irgendwann will er sich dafür einsetzen, dass auf politischer Ebene etwas angestoßen wird, damit so etwas nicht auch noch anderen passiert.

Baden-Württemberg

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Autor/in
Markus Pfalzgraf
SWR-Reporter Markus Pfalzgraf, Redaktion Religion, Migration und Gesellschaft

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