Es war der 22. Oktober 1985, genau vor 40 Jahren also, als die erste Folge der legendären ZDF-Serie "Die Schwarzwaldklinik" ausgestrahlt wurde. Sie gilt bis heute als Meilenstein im Fernsehen. Und machte einen kleinen Ort im Schwarzwald zu einer Kultstätte, die bis heute Touristinnen und Touristen anzieht: Glottertal (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) bei Freiburg. Dort steht das Gebäude, das als Außenkulisse für die "Schwarzwaldklinik" diente.
Es ist auch in Wirklichkeit eine Klinik, allerdings heißt sie anders, und operiert wird dort auch nicht. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt, damit die Patientinnen und Patienten ihre Ruhe haben. Aber: Am Eingang prangt immer noch der Schriftzug "Die Schwarzwaldklinik". Damit Fans, die immer noch deswegen ins Glottertal kommen, nicht klingeln und fragen, ob das auch wirklich die Schwarzwaldklinik ist.
Nachbar der "Schwarzwaldklinik": Erfolg kam völlig überraschend
Einer, der sich dort bestens auskennt, ist Rolf Schill, 78 Jahre alt. Er hatte damals ein Friseurgeschäft an der Straße zur Klinik im Glottertal, später betrieb er dort ein Café und einen Souvenir-Shop. Nach eigenen Worten war er gut befreundet mit den Darstellern der Serie. Sein Keller steht heute voller Ordner mit Fotos, Autogrammkarten und Zeitungsartikeln.
"Es ist unvergesslich", sagt Schill. "Wenn ich so zurückdenke: Wir saßen vor dem Fernseher, und es hieß, es kommt irgendwas vom Glottertal. Und dass das solche Ausmaße annehmen sollte, das hat keiner erwartet." Mit Oberschwester Hildegard - gespielt von Eva-Maria Bauer - sei eine echte Freundschaft entstanden. "Die war bei uns im Haus zu Gange, die gehörte zur Familie", erinnert sich Schill. Die Serie habe sein Leben verändert: "Das lebt in mir weiter."
Dass das solche Ausmaße annehmen sollte, das hat keiner erwartet.
Hüsli in Grafenhausen: "Brinkmann-Haus" zieht Fans immer noch an
Es gibt übrigens noch einen Serien-Kultort in Südbaden: das sogenannte Hüsli. Das Heimatmuseum in Grafenhausen im Kreis Waldshut wurde als Wohnhaus von Professor Klaus Brinkmann - gespielt von Klausjürgen Wussow - international bekannt. Und auch jetzt noch pilgern treue Fans der Serie regelmäßig dorthin. Bis zu 2.000 Menschen kämen pro Monat, schätzt Museumsleiterin Silvia Eggi. Etwa 80 Prozent der Besucherinnen und Besucher seien wegen der "Schwarzwaldklinik" dort.
Ein Besucher aus der Eifel schildert, man sehe das Haus und denke, "Herr Professor Brinkman kommt gerade da raus". Und er erinnere sich noch gut daran, wie das Cabrio von Udo Brinkmann, dem Sohn des Klinik-Chefs, einst in der Serie vor dem Haus gestanden habe. Eine junge Frau erzählt, dass sie "Die Schwarzwaldklinik" immer mit ihren Eltern angeschaut habe. Erinnerungen, Wohlbehagen und Nostalgie, all das scheint dieser Ort bei vielen Menschen auszulösen.
Für die Erfolgsproduzentin Beatrice Kramm ist die Serie aber durchaus noch aktuell. Denn es gehe um emotionale Dramen. "Die menschlichen Konflikte sind weiter aktuell. Sie sind sogar sehr spannend erzählt", sagte die Geschäftsführungsvorsitzende der TV-Firma Polyphon Film der Deutschen Presse-Agentur. Ihr Unternehmen brachte Formate wie das "Das Traumschiff", "Stubbe - Von Fall zu Fall" und "Doctor's Diary" ins Fernsehprogramm.
Abrufzahlen der "Schwarzwaldklinik" immer noch hoch
1989 war mit der "Schwarzwaldklinik" laut ZDF nach 73 Folgen Schluss. 2005 gab es noch zwei Sonderausgaben. Der Erfolg war riesig: Bis zu 28 Millionen Menschen pro Folge saßen damals allein im damaligen Westdeutschland vor den Fernsehgeräten.
Zum runden Jubiläum ist nach Angaben einer Sprecherin beim ZDF kein Special oder Ähnliches geplant. Die Sendung wird allerdings am Jubiläumstag prominent im Streaming-Portal des Senders platziert. Abrufvideos der Serie sind gefragt: Sie kamen im vergangenen Jahr im Schnitt auf gut 641.000 Klicks pro Monat - im Dezember waren es sogar 1,61 Millionen gewesen.