Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald finden aktuell Bodenschutzkalkungen statt. Helikopterpilot Steffen Becher muss präzise fliegen, damit er eine Stelle nicht zweimal erwischt. Unter ihm baumelt ein großer Kübel voller gemahlenem Kalkstein. Sobald Steffen Becher an der richtigen Stelle ist, legt er einen Schalter um, der Kübel öffnet sich und eine braune Staubwolke breitet sich in der Luft aus.
Helikopter verstreut mehrere Tonnen Kalk
Es ist bereits die 100. Runde, die Steffen Becher an diesem Mittwoch über den Wald dreht. "Heute ist ein Toptag, es läuft einwandfrei", freut er sich. Alle 90 Sekunden muss er den Kübel unten am Helikopter neu befüllen lassen. Dafür senkt Becher den Helikopter so weit ab, dass nur der Kübel auf dem Boden steht - der Helikopter schwebt weiter in der Luft, dicht über den Braumkronen. Ein Radlader kippt dann eine Tonne Kalk rein, mehr Gewicht kann der Helikopter nicht tragen. Nach nicht mal einer Minute geht es dann wieder weiter.
Unter Aufsicht von ForstBW Forstbezirk Hochschwarzwald werden in dieser Woche insgesamt 550 Tonnen Kalk auf einer Waldfläche von 170 Hektar verteilt. An diesem Tag ist der Wald in Buchenbach oberhalb des Pfaffendobels dran. Während der Bodenschutzkalkung ist das betroffene Waldgebiet gesperrt.
Das Gelände ist anspruchsvoll. "Recht sportlich", bezeichnet es Steffen Becher, "weil es relativ steil ist". Viele Berge und Hügel, außerdem stehen direkt am Waldrand Wohnhäuser, die sollten keinen Kalk abbekommen. "Dementsprechend muss man doch sehr konzentriert hier arbeiten, das ist schon anstrengend", sagt der Pilot.
Für was der Kalk im Wald gut ist
Die Waldböden sind stark übersäuert, durch die zunehmende Industrialisierung insbesondere im 20. Jahrhundert. Für Flora und Fauna ist das gar nicht gut. Man merke es zum Beispiel an Regenwürmern, erklärt Vincent Baur von ForstBW Forstbezirk Hochschwarzwald. Ist der Boden zu sauer, "sind weniger Regenwürmer aktiv. Wenn der Boden basischer wird, also weniger sauer, sind sie wieder aktiver." Dem Boden gingen wichtige Nährstoffe verloren, darunter leide die Funktion der Böden als Trinkwasserfilter und Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
Wir versuchen, die menschgemachte Versauerung des Waldbodens wieder rückgängig zu machen.
Um der Säure entgegenzuwirken, wird seit den 80er Jahren bundesweit Kalk in den Wäldern verteilt. Denn Waldböden können sich laut ForstBW nur begrenzt selbstständig regenerieren. Der Kalk neutralisiert die Säure im Waldboden und erhöht den pH-Wert. Das hat laut Forst BW zur Folge, dass auch die Kohlenstoffspeicherung in den Böden verbessert wird. "Intakte Waldböden sind die Lebensgrundlage für gesunde Wälder", heißt es von ForstBW. Vor der Bodenschutzkalkung wurden unter anderem Bodenproben entnommen, um feststellen zu können, welche Gebiete gekalkt werden müssen.
ForstBW: Bodenschutzkalkung ist ungefährlich
Eine weitere Baggerschaufel voll mit Kalk wird gerade in den Kübel gekippt. Dann zieht Steffen Becher den Helikopter hoch in die Luft. Kurze Zeit später ist wieder eine braune Wolke am Himmel, die sich langsam in Richtung Boden senkt. An diesem Tag wird Steffen Becher etwa 250 Runden über den Wald von Buchenbach fliegen.
Das ist komplett ungefährlich für Mensch und Tier.
Eine dünne Kalkschicht liegt auf Blättern und Tannennadeln. Mit dem nächsten Regen wird sie in den Waldboden gespült. Für Mensch und Tier sei der Kalk ungefährlich, versichert Baur. Das Material sei natürlichen Ursprungs und werde nach strengen Kriterien untersucht und güteüberwacht. Außerdem werden die Bodenschutzkalkungen mit den Naturschutz- und Wasserbehörden abgestimmt und von Forstleuten überwacht.
Welche Wälder im Hochschwarzwald betroffen sind
Von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) und der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) werde zentral geprüft, wo Waldböden gekalkt werden müssen, erklärt Vincent Baur. Weil der organisatorische Aufwand relativ hoch sei, mache es Sinn, alle in "einem Aufwasch zu kalken".
Neben Buchenbach ist in dieser Woche auch eine Waldfläche im Zastlertal und im Höllental dran. Ab nächster Woche dann der Kommunalwald in der Gemeinde Eisenbach und anschließend der Stadtwald in Löffingen, wie das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald mitteilt. Die Kalkungen sind stark vom Wetter abhängig. Geplant ist, dass die Arbeiten gegen Ende September abgeschlossen sind.